Zitat:
Zitat von Danielson
Gewiss gibt es eine christliche Tradition, die prägend ist.
Die Würde des Menschen kann aber konkret auf Kants Selbstzweckformel zurückgeführt werden. Kant wuchs zwar in einem pietistischen Elternhaus auf. Er war aber eher ein kirchenkritischer, säkularer Denker.
Die Religionsfreiheit im Grundgesetz ist sicherlich ebenso eine Hinterlassenschaft der deutschen Aufklärung, wonach sich göttliche Wahrheit (sprich Gottes Wort) nicht in einer Schrift (wie der Bibel, dem Koran oder der Tora) offenbare. Lessings Deismus-Vorstellung kennt der eine oder oder andere hier vielleicht, der in der Oberstufe zumindest die "Ringparabel" aus "Nathan der Weise" gelesen hat.
Und das Sozialstaatsprinzip geht ganz gewiss nicht auf geistige, kirchliche Führer zurück, sondern auf liberale Intellektuelle, die wie Karl Marx atheistisch gesinnt waren, und die soziale Frage Mitte des 19. Jahrhunderts thematisierten - und damit Arbeitermassen erreichten, für die Otto von Bismarck als Reichskanzler Ende des 19. Jahrhunderts wählbar sein wollte.
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Das Sozialstaatsprinzip geht ganz sicher auf das Solidaritätsprinzip in der Katholischen und Evangelischen Soziallehre zurück.
Seit wann war Otto von Bismarck atheistisch oder gar ein links-intellektueller?
Was du verwechselst ist der Einfluss von William Henry Beveridge, der in den 1940ern ein liberales, universalistisches Sozialsystem propagandierte - was es in Großbritanien und Skandinawien gibt - und was wir in Deutschland ja gerade nicht haben.
Beveridge - Sie sind im Wesentlichen eine aus Steuermitteln finanzierte, staatlich organisierte, egalitäre Einheitsversicherung, die alle Bürger erfasst Bsp. NHS in Großbritanien
Bismarckschen Sozialgesetzgebung - Vielfältig gegliederten, sich selbst verwaltenden Sozialversicherungen. Deren Leistungen finanzieren Beschäftigte und Unternehmen paritätisch durch Beiträge, deren Höhe vom Arbeitseinkommen abhängt Bsp. Gesetztliche Krankenversicherungen in Deutschland