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Alt 03.01.2025, 12:39
AndiBlack AndiBlack ist offline
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AW: TTBL | 1. Bundesliga Herren 2024/2025

FAZ-Artikel:

Zitat:
Und, was haben wir denn heute geschaut? Ein paar Tanz-Challenges? Lip-Sync-Videos oder Glow ups? Oder vielleicht Tischtennisvideos aus deutschen Sporthallen, die bei Tiktok im Feed aufgetaucht sind und zum Anschauen verleiten? Ein ums andere Mal landet die Tischtennis-Bundesliga (TTBL) in dem sozialen Netzwerk virale Hits.
Die nur wenige Sekunden dauernden Videos erzielen jeweils mehr als eine Million sogenannte Views, also Klicks. Der populärste Clip erreichte sage und schreibe 54,7 Millionen Aufrufe. Solche Zahlen sind selbst für die Fußball-Bundesliga als deutsche Nummer eins im Sport auf Tiktok die absolute Ausnahme. Die ATP-Tour der Tennisherren bleibt von den viralen Höhenflügen der Tischtennis-Bundesliga weit entfernt.

Hinter dem Erfolg steckt Lukas Schwarz
Sogar für Megastar Taylor Swift gehören mehr als 50 Millionen Aufrufe für ein Video nicht zum Alltag. Dabei sind die Beiträge der TTBL einfach gehalten. Meist nur aus einer Kameraperspektive gefilmt, zeigen sie besonders spektakuläre Ballwechsel. Begleitend gibt es oft Musik und eine computergenerierte Stimme, die das Geschehen mit so etwas wie „no look shot“ kommentiert.
Hinter dem Tiktok-Erfolg steckt Lukas Schwarz. Er ist der Manager für die digitalen Medien bei der TTBL und allein für den Account verantwortlich, den er vor gut zwei Jahren erstellte. Die Motivation sei gewesen, die junge Zielgruppe zu erreichen. „Viele Menschen kennen natürlich Tischtennis“, sagt Schwarz. Fast jeder hätte schon mal Berührungspunkte mit Tischtennis gehabt, etwa auf dem Pausenhof in der Schule. „Aber wir wollten den Profisport mehr nach außen tragen.“

Der Plan ging auf. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass dieser Short-Form-Content von zehn bis 15 Sekunden im 9:16-Format sehr gut ankommt“, erzählt Schwarz. Dieses Seitenverhältnis ist das klassische Hochkantformat für Videos auf sozialen Netzwerken. Explosionsartig stieg die Zahl der Follower und Views.
Schon das zweite Video sahen mehr als eine Million Nutzer, nach vier Monaten verzeichnete die TTBL 100.000 Follower. Über 500 Millionen Aufrufe hatte die TTBL am Ende der Saison 2022/23 auf sozialen Netzwerken zu verzeichnen, die meisten davon auf Tiktok und Youtube Shorts. „Es war nicht von Anfang an geplant, dass wir nur Ballwechsel posten“, sagt Schwarz. „Aber wir haben gesehen, dass die am besten funktionieren.“

Hierbei handelt es sich um kein rein nationales Erfolgsmodell. In aller Welt verfolgen Menschen die Highlight-Ballwechsel aus den Hallen in Ochsenhausen, Bergneustadt oder Düsseldorf. Neben Deutschland stammen viele der Konsumenten aus Brasilien und den USA, aber auch aus Frankreich, Indien, Indonesien und den Philippinen.
Das Ziel, jüngere Menschen zu erreichen, scheint ebenfalls aufzugehen. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen macht laut TTBL 44 Prozent der Views aus, 30 Prozent sind zwischen 25 und 34 Jahre alt. Zum Konsum von Minderjährigen veröffentlicht Tiktok keine Zahlen.

Warum kommen die Videos so gut an? „Viele Kommentare erreichen uns, die in etwa sagen: ‚Wow, ich wusste gar nicht, wie Tischtennis auf Profiniveau aussehen kann‘“, sagt Schwarz. Es gebe nicht viele Ligen und Verbände, die dergleichen im Tischtennis anbieten.
Zudem scheinen die kurze Dauer eines Ballwechsels und die Perspektive von hinten auf die Tischtennisplatte ideal für das Hochkantformat zu sein. „Da haben wir auch im Vergleich zu anderen Sportarten einen Vorteil.“ Beim Fußball zum Beispiel wisse man vielleicht gar nicht, wo die Szene genau anfängt. „Du musst zudem ein breiteres Spielfeld abbilden, was in dem 9:16-Format natürlich schwieriger ist.“

An der Faszination Tischtennis allein kann der Erfolg der TTBL auf Tiktok jedoch nicht liegen. Denn die Videos der WTT-Serie, der internationalen Tischtennistour, kommen auf der Plattform längst nicht so gut an wie die Highlights made in Germany.
„Ich weiß nicht, ob es bei der WTT an der anderen Kameraperspektive liegt, weil sie von der Seite filmen. Das kann man schlechter in das Hochkantformat packen“, vermutet Schwarz. Ausgerechnet also die WTT, die vor gut vier Jahren startete, um Tischtennis in modernerem Hochglanz erstrahlen zu lassen, bleibt auf der Plattform, auf der sich die Jugend herumtreibt, hinter einer nationalen Liga zurück.

Insgesamt bietet Tiktok für kleine Sportarten einen großen Vorteil: Weder geringeres öffentliches Interesse noch eine überschaubare Zahl an Followern stehen einem viralen Erfolg im Weg. „Es ist nur vom Content abhängig, ob der Algorithmus auf einen aufmerksam wird oder nicht“, erklärt Schwarz. Wenn der Content gut ist, könne man auch mit 1000 Followern viral gehen. „Umgedreht, wenn man 500.000 Follower hat, kann man vielleicht auch nur 1000 Views erreichen.“
Dafür ist die TTBL selbst das beste Beispiel. Während teilweise Millionen die Videos konsumieren, folgen nur rund 370.000 dem Account. Auch für Schwarz bleibt der Algorithmus oft undurchschaubar. „Bei manchen Videos bin ich überrascht, dass sie nicht viral gehen, bei anderen ist es genau umgekehrt.“

Viel liege aber daran, wie man den Ballwechsel verpackt, welche Überschrift man beispielsweise wählt, erklärt Schwarz. Die TTBL plant, ihren Account breiter aufzustellen. Mehr Personen sollen für die Videoproduktion tätig werden, mehr Formate sind in Planung. Gut möglich, dass schon das Final Four des Deutschen Tischtennis-Pokals am kommenden Samstag weitere virale Hits für die TTBL bringt.
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