Zitat:
Zitat von Alisko
Ich will nur nicht dass bei einem Turnier (egal welchem) mehr als Vier pro Land starten.
|
Na, Alisko, da ziehst Du die Grenzen ja noch extremer, als dies bei der WTT oder der ITTF der Fall ist, wo es bspw. bei Grand Smashes derzeit ja schon max. 6 Teilnehmer pro Nation gibt, mit Wildcards teilweise sogar noch mehr, oder bei Weltmeisterschaften, wo es derzeit max. 5 Teilnehmer gibt.
Und ich prognostiziere ganz deutlich, und ich habe da auch schon gewisse Zeichen vernommen, dass diese Vorgaben nicht mehr lange haltbar sind und schon bald der Vergangenheit angehören werden. Das kann einem gefallen oder nicht, aber diese Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen, denn die derzeitigen Regelungen sind einfach aus der Zeit gefallen.
Es gibt ja derzeit durchaus unterschiedliche Interessen, die hier im Thread ja auch schon alle angesprochen wurden. Was allen gemeinsam ist, ist die Ablehnung des Strafenkatalogs, der irgendwann in naher Zukunft auch fallen wird und auch fallen muss.
Die europäischen Interessen konzentrieren sich vor allem auf eine bessere Planungssicherheit der nationalen Belange wie beispielsweise die Planungssicherheit der nationalen Ligen. Hier muss sich die WTT eindeutig verbessern und muss vor Beginn eines Jahres einen verbindlichen Terminplan zur Verfügung stellen, der auch nicht mehr geändert wird, wie es bei anderen Verbänden gang und gäbe ist, wie etwa beim Badminton- Weltverband. Hier muss man der WTT allerdings zugute halten, dass sie hier auf einem guten Weg ist. 2022 war noch das reinste Terminchaos, 2023 war es immer noch chaotisch, aber besser, 2024 hatte man schon eine deutlich höhere Planungssicherheit und 2025 hat man nun erstmals alle Smashes und Champions-Turniere mit der ursprünglich angestrebten Anzahl fest terminiert. Aber es muss noch verbessert werden. Bei den Smashes hat sich herauskristallisiert, dass sich mit dem Singapore Smash und dem China Smash wohl zwei Smashes einen festen Platz im Terminkalender gesichert haben, so wie dies bspw. auch im Tennis mit den Grand Slams oder dem Badminton mit All England usw. der Fall ist. Die 2 anderen Smashes werden wohl alternierend zwischen dem restlichen Asien (Saudi, Japan usw,), Europa und Amerika vergeben.
Die asiatischen Interessen konzentrieren sich eher auf die Zulassungskriterien zu den Turnieren und hier muss sich zwingend und wird sich auch definitiv mittelfristig etwas tun. Große Tischtennis-Nationen wie China, Japan und Korea müssen die Möglichkeit haben, Turniere ohne Zwang flexibler besetzen zu können. Sowohl was die einzelnen Teilnehmer, aber auch was die Anzahl betrifft.
Und hier haben wir ja die Situation, dass dies in der Vergangenheit auch so gehandhabt wurde. So bestand beispielsweise noch vor gut 10 Jahren die Regel, dass diese Nationen bis zu 7 Spleler-/innen bei einer WM nominieren konnten oder bis zu 3 Spieler/-innen bei Olympia. Ebenso war man bei den Open-Turnieren flexibler. Dieses Rad wurde dann in den letzten 10 Jahren zurückgedreht, aber man kann konstatieren, dass dies mehr oder weniger gescheitert ist, weil es einfach nicht mehr zeitgemäß ist und weil das die führenden asiatischen Nationen auch nicht mehr akzeptieren werden. Es gibt hier zwar noch immer eine leichte Abstufung unter den Nationen, aber diese ist nicht ausreichend. Es ist einfach nicht wirklich erklärbar, dass der Unterschied zwischen beispielsweise Nationen wie China und Japan nur marginal unterschiedlich ist wie jener von Finnland oder Luxemburg. Das widerspricht eindeutig den sportlichen Gegebenheiten.
Hier müssen sich alle an einen Tisch setzen, ITTF, WTT und die entsprechenden Nationen und müssen zu einem Konsens finden. Denn wie es laufen kann, wenn dies nicht der Fall ist, hat man ja zuletzt beim China Smash gesehen.
Erinnern wie uns noch einmal: China bat bei einem der Turniere um eine Wildcard, die ihnen nicht gewährt wurde. Daraufhin hat China beim China-Smash eigene Wildcards verteilt, so dass dort 18 Chinesinnen und 17 Chinesen am Start waren. Das war nicht zuletzt auch ein klarer Fingerzeig gegenüber der WTT, wie das auch laufen kann.
Finanziell gesehen lebt die WTT und dieses ganze Konstrukt momentan vor allem von asiatischen Geldern und die Planungssicherheit, die vor allem von den europäischen Nationen gefordert wird, und zwar zurecht, kann seitens der WTT nur dann geboten und aufrechterhalten werden, wenn diese wiederum finanzielle Sicherheit durch die asiatischen Veranstalter hat. Das eine hängt hier direkt mit dem anderen zusammen.
Hier müssen einfach neue Zugangskriterien erarbeitet werden, die auch realistisch sind, und ich glaube, dass hier bereits erste Schritte bereits unternommen wurden.
Um es einmal an den Grand Smashes zu verdeutlichen, die aufgrund der Qualifikation auch eine etwas flexiblere Handhabung erlauben als bspw. Champions-Turniere, könnte ich mir folgende Regelung vorstellen:
- Nationen, die mind. eine Sportlerin bzw. Sportler in den Top-3 der WRL stehen haben plus mind. eine weitere Sportlerin bzw. Sportler in den Top-20 -
- garantierte 8 Teilnehmer plus evtl. Wildcard
- Nationen, die eine Sportlerin bzw. Sportler in den Top-3 der WRL stehen haben ohne mind. eine weitere Sportlerin bzw. Sportler in den Top 20
- max. 7 Teilnehmer
- Nationen, die mind. eine Sportlerin oder einen Sportler in den Top-15 der WRL stehen haben plus mind. eine weitere Sportlerin bzw. Sportler in den Top-30
- max. 6 Teilnehmer
- Nationen, die mind. eine Sportlerin oder einen Sportler in den Top-15 der WRL stehen haben ohne mind. eine weitere Sportlerin bzw. Sportler in den Top-30
- max. 5 Teilnehmer
- Nationen, die eine Sportlerin oder einen Sportler in den Top-50 der WRL stehen haben - max. 4 Teilnehmer
- Nationen, die eine Sportlerin oder einen Sportler in den Top-100 der WRL stehen haben - max, 3 Teilnehmer
- Nationen, die keine Sportlerin oder einen Sportler in den Top-100 der WRL stehen haben - max. 2 Teilnehmer
So oder ähnlich muss das gestaffelt werden, um hier allen möglich gerecht zu werden, das heist, es muss eine bessere Abstufung geben als das momentan der Fall ist, sofern man keine völiige Öffnung wie beim Tennis haben will.
Aber eines ist in diesem Zusammenhang völlig klar: Wenn man mittelfristig eine völlige Öffnung wie beim Tennis verhindern will, dann muss man Kompromisse schließen und auch auf die vor allem leistungstragenden Nationen zugehen.
Was die Weltrangliste betrifft, so müsste diese vollkommen reformiert werden, Partielle Änderungen nützen da nichts.
Momentan ist ihre Aussagekraft gleich Null.
Eines ist in diesem Zusammenhang auch klar: Eine einigermaßen funktionierende Weltrangliste ist nur dann möglich, wenn man ALLEN Protagonistinnen und Protagonisten eine einigermaßen gleichwertige Chance gibt bzw. wenn alle einen einigermaßen funktionierenden Zugang zu den Turnieren haben und nicht einen Teil davon von den wichtigen Turnieren ausschliesst.
Dies ist momentan nicht der Fall. Und zwar WEDER in ihrer Spitze NOCH in ihrer Breite.
Diese neue WRL müsste dann mit viel mehr Daten gespeichert werden, als dies momentan der Fall ist. Die jetzige Form ist viel zu stark von reinen Zufälligkeiten wie beispielsweise einer guten Auslosung abhängig. Es muss hier vor allem auch die Wertigkeit der Stärke der gespielten Gegnerinnen und Gegner einfliessen. Eine Spielerin, die beispielsweise in der 1.Runde relativ knapp gegen Wang ManYu verliert, muss völlig anders bewertet werden als eine Spielerin, die in der 1.Runde relativ klar gegen eine Adina Diaconu verliert. Das ist momentan nicht der Fall und wird gleich bewertet.
In dieser Form können auch offizielle nationale Spiele in die Wertungen mit einfliessen. Wenn bspw. in China in einem Spiel um die Meisterschaft eine Shi XunYao eine Sun YingSha besiegt müsste das FÜR BEIDE ebenso in eine Bewertung einfliessen wie wenn in Deutschland bspw. eine Nina Mittelham gegen eine Franziska Schreiner verliert.
Auch kontinentale Meisterschaften müssen unterschiedlich bewertet werden anhand der Stärke ihrer Teilnehmer. Es kann nicht sein, dass beispielsweise eine Siegerin der Ozeanien-Meisterschaft die nahezu doppelte Punktzahl bekommt wie die Finalistin der Asien-Meisterschaften. Auch dies verfälscht die WRL bis zur Unkenntlichkeit. Wenn eine Min die gleiche Punktezahl dafür erhält, dass sie in Ozeanien sich gegen 5 andere Australierinnen durchgesetzt hat als eine Kim Kum-Yong, die sich in Asien gegen eine Harimoto und 63 andere meist zur Weltklasse zählenden Gegnerinnen durchgesetzt hat, dann stimmt da gewaltig etwas nicht mehr. Das muss alles korrigiert und neu aufbereitet werden.
Hier ein wirkungsvolles und gerechtes System zu erarbeiten, ist eine der leichtesten Übungen, wenn man es nur will. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die WRL zu reformieren. Sie muss gerechter werden.
So, wie sie momentan besteht, ist sie jedenfalls nicht das Papier wert, auf der sie geschrieben wird. Übrigens auch nicht an ihrer Spitze, obwohl das hier immer wieder behauptet wird.
Auch hier ein kleines Beispiel dazu: Wang YIDi und Chen XingTong sind in etwa gleichstarke Spielerinnen auf dem absolut gleichen Leistungslevel. Ihre Bilanz in China lautet 13:12 für Chen XingTong.
Aber in der WRL ist Wang YiDi immer im Vorteil. Warum ist das So ?
Nun, relativ einfach erklärt. Wang YiDi ist als die langzeitige Nummer 4 dieser WRL für alle Turniere spielberechtigt und hat sie auch alle gespielt. Chen XingTong dagegen als Nummer 5 nicht. Sie ist normalerweise von Champions-Turnieren ausgeschlossen. Angreifen kann sie Wang YiDi bei dem derzeitigen System nicht wirklich, da YiDi immer genug Punkte bei jenen Turnieren sammeln kann, an denen Tongtong nicht teilnehmen darf. Ein Teufelskreis also, der bei einer reformierten Weltrangliste nicht mehr bestehen würde.