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AW: ITTF Weltmeisterschaften 2025 (17.05. - 25.05.2025, Doha, QAT)
In Asien ist der Teamgedanke, um den hier gerade wieder diskutiert wird, in der Gesellschaft völlig anders verankert als hier in Europa. Und das ist natürlich gerade auch im Tischtennis feststellbar.
Ich als jemand, der in beiden sportlichen Systemen schon gearbeitet hat, konnte hier immer und zu jeder Zeit einen eklatanten Unterschied feststellen. Ich will das hier auch überhaupt nicht werten, sondern lediglich feststellen
Das aber hat weder einen finanziellen oder gar politischen Hintergrund, sondern vielmehr einen kulturellen bzw. gesellschaftlichen Hintergrund.
Und denjenigen, die sich hier jetzt schon wieder dem obsoleten und absurden Klischee der *bezahlten chinesischen Sportler-Jubler* bedient haben, denen sei gesagt, dass es beispielsweise in Japan nicht viel anders ist als in China - und Japan hat ja bekanntlich ein völlig anderes politisches System als bspw. China.
Das ist aber beileibe keine Frage nur des Tischtennis, sondern es ist eben in der Gesellschaft ein anderes Verhalten * mehr ein Miteinander * verankert. So ist es bspw. in SO-Asien für die Menschen selbstverständlich, bei einem Schnupfen, Husten, Grippe mit einem Mundschutz unterwegs zu sein, um andere nicht anzustecken. In Europa eher ein undenkbares Szenario.
Wie gesagt, ich werte das nicht, sondern stelle fest.
Aber wieder zurück zum Sport bzw. Tischtennis. Natürlich wird in China dem Ganzen auch finanziell Rechnung getragen. Alle erhalten dort bei Großereignissen die gleichen Prämien, sowohl die Superstars wie eine Sun YingSha, eine Wang ManYu oder eine Chen Meng, als auch diejenigen Sportler-/innen, die bei diesen Großereignissen ebenfalls dabei sind, als Trainingspartner-/innen, wie bspw. eine Liu WeiShan oder eine He ZhuoJia.
Die Superstars generieren dann eben noch ihre Extra-Einnahmen aus hochdotierten Werbeverträgen abseits des Sports, die sie dort alle haben.
Ganz wichtig:
Dieser Teamgedanke wird den jungen Sportlerinnen und Sportlern dort schon in der Jugend vermittelt und nahe gebracht, wobei hier das jeweilige Elternhaus natürlich auch einen großen Anteil daran hat. Das alles ist mit europäischen Maßstäben und Verhältnissen überhaupt nicht vergleichbar.
Dafür ist die Wertschätzung dieser *Teamspielerinnen* dort auch eine völlig Andere. Als das chinesische Team nun aus Doha zurückkehrte, wurden eben nicht nur die 4 Weltmeister Sun YingSha, Wang ManYu, Kuai Man und Wang ChuQin gefeiert, sondern das gesamte Team inclusive der Trainingspartnerinnen. Und eine Liu WeiShan oder eine Yang YiYun fühlen sich nicht nur als Mitglieder des Weltmeisterteams, sondern SIE SIND vollwertige Mitglieder dieses Weltmeister-Teams und diese Wertschätzung erhalten sie auch von der Öffentlichkeit. Das sind also alles andere als bezahlte Söldner und Jubler, sondern diese Sportler-/innen sind fest in diesem Verbund eines erfolgreichen Sportteams integriert und erhalten dafür auch die entsprechende Anerkennung.
Beispiel: Ich habe mich, speziell was diese Thematik betrifft, einmal sehr lange mit Yang YiYun unterhalten. Yang YiYun, für diejenigen, die sie nicht kennen, ist die derzeit beste junge chinesische Defensivspielerin, die vor kurzer Zeit ihr erstes Damen-Einzelturnier auf WTT-Ebene gewonnen hat. Sie war schon vor 2 Jahren bei der WM in Durban als Trainingspartnerin dabei und ihr kommt da eine wichtige Bedeutung als exzellente Defensiv-Spielerin zu. Ebenfalls dabei war sie in Paris bei Olympia. Sie war und ist vornehmlich die Trainingspartnerin von Chen Meng und Wang ManYu, aber auch von Sun YingSha und Chen XingTong. Sie hat mir dabei auch erzählt, welche Ehre es für sie war, dort dabei zu sein und teilzuhaben an den WM-Titeln und Olympiasiegen. Gerade speziell Durban sei für sie eine unglaublich wertvolle Erfahrung gewesen für ihre weitere Entwicklung,, auch was das Ausleben dieses Team-Spirits betraf.
Das sind also alles keine Sportlerinnen, die nur des Geldes wegen die Top-Spielerinnen trainieren und bejubeln, wie dies hier wieder in typischer Klischee-Manier behauptet wurde, sondern sie sind integriert in einem Gesamtteam, wo eine Yang YiYun eben nicht als weniger wichtig angesehen wird als eine der Medaillen-Gewinnerinnen.
Kann man dies auf deutsche Verhältnisse 1:1 übertragen ?
Nein, sicherlich nicht. Das sind völlig unterschiedliche Voraussetzungen. Trotzdem gibt es einiges in unserem europäischen Sportsystem, wo man von den Asiaten lernen könnte. Weniger beim Tischtennis, denn hier ist der Popularitätsunterschied Asien/Europa einfach zu groß, aber eben generell, was den Sport betrifft.
Aber Gift für einen solchen gelebten Team-Spirit, auch wenn er hier in Deutschland natürlich nicht so gelebt wird wie in Asien, sind diese schon angesprochenenn "Extra-Würste" bspw. für einen Boll oder Ovtcharov, die sie über die Jahre sicher genossen haben, denn dies ist einem solchen Team-Spirit natürlich extrem abträglich und befördern eben die "Ich-AG's"
Geändert von Wolf11 (28.05.2025 um 15:59 Uhr)
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