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Zitat von ulim
Ich kenne diese konkrete Situation nicht, aber ich finde es gut, dass man Weidel nun für solche konkreten Aktionen kritisiert und die Nazikeule mal im Schrank lässt. Denn wenn man die rausholt, dann werden "ganz normale" Verfehlungen wie z. B. diese (wenn das so stimmt) einfach nicht mehr thematisiert.
Wenn man wirklich gegen die AfD kämpfen möchte, dann muss man die Partei tatsächlich ein Stück weit ernstnehmen, um dann überhaupt die Möglichkeit zu haben sie auf dem politischen Feld zu stellen. Solange man einfach nur sagt "Nazis" oder "Dumpfbacken", läuft man eher Gefahr eine Art Schutzschirm über die AfD aufzuspannen, unter dem sie ungeniert agieren kann.
Vielleicht habe ich auch unrecht und man kann mit der Nazikeule tatsächlich diese Partei kleinkriegen und ihre Wähler dazu bringen eine andere Partei zu wählen. Bisher sieht es aber eher so aus, als ob die Nazikeule derart abgenutzt wurde, dass sie keiner mehr ernstnimmt.
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Stell dir mal eine andere Frage:
Warum sollten Parteien links der Mitte aktuell überhaupt ein Interesse an einer Schrumpfung der AfD haben?
Lass mal alle weltanschaulichen Punkte außen vor und schau dir mal die möglichen Strategien an.
Betrachtet man diese, dann kann den "linken" Parteien aktuell nichts Besseres passieren als die aktuelle Situation.
Warum!?:
Die AFD hat die FDP rausgekickt, ein Konkurrent weniger.
Obwohl die linken Parteien jetzt und in naher Zukunft femeinsam niemals die Mehrheit bekommen, garantiert ihnen die "Brandmauer" fast zu 100% eine Regierungsbeteiligung.
Die AFD ist aufgrund ihres neoliberalen Flügels in der Partei kaum in der Lage sämtliche Wähler, die nicht mehr die drei klassischen Parteien zzgl. FDP wählen wollen, einzubinden. Diese greifen BSW und Linkspartei ab.
Also ergibt sich aktuell parteistrategisch für CDU, SPD und Grüne nahezu der Idealfall. Wie es aktuell scheint, werden, sofern die AFD nicht in Richtung absolute Mehrheit geht, 2029 die Grünen DANK der AFD fast sicher in der Regierung sein. Benötigt man noch einen vierten Player, dann steht die Linke bereit, die Mehrheit zu bringen. Egal ob mit Tolerierung oder ob man koaliert.
Die einzige Gefahr ist, dass die Union derart an Zustimmung verliert, dass sie die Brandmauer gegen die AFD aufgeben. Das wird aber solange nicht passieren, sofern man jenseits der AFD die stärkste Fraktion ist.
Daraus ergibt sich das Paradoxon, dass man gerade bei SPD und Grünen eigentlich hoffen muss, dass die AFD irgendwo um die 30-35% bekommt, dann ist man nahezu sicher in der nächsten Regierung und wenn, das wäre für diese Parteien der Idealfall, die zusätzlichen Stimmen von der CDU zur AFD wandern, hat man sogar die große Chance einen "linken" Kanzler zu stellen.
Lediglich die Union hat ein mögliches Interesse an einem Verbot oder an einer Reduktion der Stimmen der AFD. Man kann darauf hoffen, dass entweder Stimmen zurückwandern oder durch den höheren Anteil an Nichtwählern ihr prozentualer Stimmenanteil steigt.