AW: Der Revalt - eine unkonventionelle zusätzliche Rückhand
Zitat:
Zitat von TopspinTechniker
Ich ändere meine Meinung gerne, sobald mir jemand einen Spieler nördlich der 2000 Punkte zeigt, der die konkurrierenden Techniken - Rückhandtopspin, Flip, Schupf, Druckschupf, Spinblock, Block, Konter - jeweils mit "normaler" Ellenbogenhaltung und Schlägerausrichtung sauber beherrscht und dennoch auf diesen Schlag zurückgreift - und daraus auch noch Vorteile zieht.
|
Bei diesem Matchvideo verrate ich mal nicht, wen ich meinen könnte der eine inverse Rückhand spielt:
Das ist weit nördlich der 2000 und seine Rückhand so stark (und so schnell in der Ausführung), dass nur K*nner wie ich  trotzdem erkennen, dass es sich bei manchen Ausführungen prinzipiell um eine Inverse handelt, bei manchen um einen gemischten Morph (Verschmelzung), und bei manchen um gar keine, d.h. er spielt seine aggressive Rückhand einfach nur hart "ohne nachzudenken" und unterscheidet selber nicht, ob sie eher einer regülaren RH (also bh-loop) entspricht oder schon mehr in Richtung einer Inversen (also inverse drive, inversem Treibschlag) geht: der Übergang ist bei K*nnern fließend/morphierend, und diese Tatsache war mir schon immer bewusst gewesen.
Habe auch schon viele starke Spieler gesehen, die einen so starken, festen/harten sicheren Rückhandtopspin ( bh-loop mit Pfeffer, der mir manchmal auch gelingt, eher zufällig) spielen, also mit tollster Qualität, und wahrscheinlich gehörst du @Topspintechniker zu diejenigen, ja denen fehlt es dann auch nichts. Sie können getrost auf so eine zusätzliche, wenn auch sehr versatil einsetzbare!, Rückhand verzichten. Ich propagiere ja auch nicht, dass man (=jeder) die Technik auf jeden Fall oder unbedingt erlernen sollte. Mit dem Thread geht es mir darum, Bewusstsein/Aufmerksamkeit zu formen, und dass ihr an mich denkt  und euch an den Namen "Inverse" erinnert, wenn ihr wieder mal einen zufällig beim gastpon/turnierpon/ligapon sieht/entdeckt, der so spielt.
Der im Video gezeigte Top-Spieler benötigt die Unterscheidung nicht, und irgendwann in Zukunft könnte ich organisch auch dorthin kommen, d.h. nur noch denkend "bei diesem Ball werde ich eine harte RH auspacken". Bis dahin aber hilft es dem sich Entwickelnden, wenn er gedanklich zwischen den zwei Schlagausführungen (Plural: reguläre backhand s vs. inverse backhand s) unterscheidet. Das Verschmelzen der zwei Techniken käme als allerletztes Stadium, wer's denn so haben will.
- Hattest du schon immer eine Inverse gespielt?
Nein, nie. Ich war mir ihrer Existenz nicht bewusst. Mein Wissen, Aufmerksamkeit, K*nnen war aufs Reguläre begrenzt. Ich war froh, überhaupt meine Rückhand —also bh-drive und bh-loop— durch Returnboardtraining (rb1) verbessern zu können. Sie wurde dadurch sicherer und kontrollierter, spinniger. Denn ohne Spin kann ein rb1 nicht funktionieren, gell.
- Seit wann hattest du angefangen sie üben?
Vor gut 1 Jahr. Das war ein bewusster Schritt gewesen. Zuvor k*nnte ich den inverse smash aus Jugendjahren, wo man einen sehr hohen Ball nicht mit der Vorhand von oben nach unten auf die Platte schmettert sondern ihn bis auf Hüfthöhe fallen lässt und dann mit vollstem geraden Armschwung eine einhändige Tennis-Rückhand durchzieht. Daran hatte ich mich erinnert, als ich vor 1 Jahr anfing.
- Was hatte dich dazu bewegt, war der Funke?
Die Initialzündung kam durch die Verwunderung über die erfolgreiche Spielweise meines Mannschaftskameraden. Er spielte eine absolut unorthodoxe Rückhand, ständig pseudo-eröffnete die Rally damit, sowohl tischnah als auch tischfern; und ihm war klar, dass es sich um eine Eröffnung handelte. Es war ein No-spin Loop, gespielt per Inverse. Dann griff er weiter mit dieser Rückhand an, die Gegner waren einfach nur überrumpelt/perplex ... wenn auch mehr von der No-spin Loop Eröffnung (Funktion/Effekt) denn von der unüblichen Schlägerhaltung (Weise). Im Verlaufe der Monate bemerkte ich andere starke Spieler, die mir ihren inverse punch um die Ohren hauten. Ich erkannte die Gemeinsamkeiten mit meiner Jugenderfahrung, dass all diese Schläge auf derselben umgedrehten Schlägerhaltung basierten. Von da an war ich fasziniert, das Feuer war gelegt.
- Was hatte dich überzeugt dran zu bleiben?
Mein rb1. Ich wollte am rb1 das vor einem Punktspiel typische gegnerische Einkontern simulieren. Das Topspinnen war kein Problem, dafür ist ein rb1 ja da. Aber es kostete Bemühungen, bis ich die optimalen Voraussetzungen herausfand, damit auch Treibschläge funktionierten. Eine war (logischerweise!), dass der drive shot ordentlich Pfeffer (anstelle Topspin) hatte. Das klappte irgendwann ziemlich gut, ich war von meinem rb1 begeistert. Allerdings gelang mir das rb1-Einkontern nur per Vorhand! Mein Vorhand-Treibschlag war dafür hart genug. Offensichtlich musste das rb1-Einkontern aber auch per Rückhand möglich sein: es bedurfte dafür nur einer härteren Rückhand (ohne Topspin)! Mein Ehrgeiz from either wing gleich hart treibschlagen (hey nice new word!!) zu können, überzeugte mich dran zu bleiben. Gegen das rb1 per Rückhand treibzuschlagen (anstelle zu topspinnen) ist eine schöne Herausforderung und unheimlich spassig, wenn man darin besser wird. Kann ich jedem empfehlen, der mehr Spaß beim rbpon sucht!
- Du k*nnst mittlerweile wichtige subtile Variationen bzw Anwendungsfälle. Hast du eine Lieblingsinverse, welche?
Die Befriedigendste ist, wenn man einen tischnahen/-fernen, mit voller Wucht getroffenen inverse punch landet. Angewendet auf einen halbtiefen Unterschnittball, umso befriedigender: im Grunde genommen schmettert man da einen schwierigen Ball dem Gegner unerwartet zurück auf seine Platte. Und wer kann das schon mit seiner Rückhand? Wenn ich den lande, berührt der Gegner, obwohl er richtig steht, meist nicht einmal den Ball mit seinem Schläger. Der Ball, einfach zu schnell.
- Wie kann man die Variationen in aller Ruhe erlernen/üben/trainieren?
In aller Ruhe am besten im solopon. Am rb1 lässt sich nur der Grundschlag verfestigen, d.h. der inverse Treibschlag. Alle Variationen kann man prima am robi2 üben. Bei robi1 warte ich gespannt aufs Firmware-Upgrade für verbesserte Tauglichkeit zu diesem Übungszweck.
- Welche Variation hat sich in deinem Repertoire noch nicht verfestigt?
Das Ball-Treffen neben der Hüfte ("inverse punch aus der Hüfte") und jegliche Versionen einer Strawberry, also das Ball-Treffen auf der Vorhandseite. Beides sind für mich Niche-Schläge, nicht so wesentlich wie etwa ein loopy inverse, der ja für die Eröffnung verwendet wird. Aber klar, meine Strawberry will ich noch verbessern.
- Sollte jeder eine inverse Rückhand k*nnen, was meinst du?
Nein, k*nnen nicht, aber zumindest k*nnen. Es hilft ein erweitertes Bewusstsein zu haben und vieles zu k*nnen und sich dann evtl inspiriert zu fühlen. Sein eigenes Versagen am rb1 könnte einen anspornen die Inverse zu erlernen, so wie es bei mir der Fall war. Zum Vergleich: wenn mich ein Gegner vor allem durch seine besonderen Aufschläge niederringt, könnte das im Idealfall mich anspornen, genau dieselben Aufschläge zu erlernen AND meine cerve-receive skills noch mehr zu üben. In der Realität wäre ich aber zu unlustig, so fleißig u motiviert an so eine Aufgabe ranzugehen. Na klar sollte jeder besonders gute Aufschläge k*nnen. Wer mehr k*nn, ist klar im Vorteil!
- Wird sie denn benötigt, wenn man alle Grundschläge schon regulär kann?
Nein, dann nicht. Aber wie viele Spieler können denn feste und sicher mit der Rückhand schmettern? Ist man zufrieden, wie sicher und hart man mit der Rückhand kontern kann? Wer also gewissen Schwächen in den Grundschlägen hat, kann hiermit Löcher stopfen und ausgleichen. Früher war meine Rückhand unausgebildet, unsicher, und vor allem schwach. Wenn ich in einer Konter-Rally bin, packe ich mittlerweile lieber/möglichst die Inverse aus, weil sie einfacher (und imho natürlicher) auszuführen ist, sicherer ist (DENKE AN DIESES THEMA das nächste Mal, wenn du beim bh-loop Versuch einen Luftschlag erzeugst und dadurch sofort den Punkt verlierst!!), und auch mehr Spass macht.
- Ist deine reguläre Rückhand oder deine Inverse sicherer?
Was Luftschläge betrifft, ist jede Inverse sicherer, da Luftschläge nicht mehr vorkommen, besonders nicht in brenzligen Matchsituationen. Einfach die umgedrehte Bratpfanne hinhalten und der Ball ist abgefangen. 
Was die Fehleranfälligkeit in einer Konter-Rally betrifft, so würde ich zugeben, dass meine reguläre Rückhand etwas sicherer ist, einfach weil der Ball durch das Mehr an Oberschnitt mehr im Bogen über die Netzkante fliegt. Na gut. Dafür trainieren wir ja, um die Sicherheit aller Schläge zu erhöhen, um weniger Fehler zu produzieren. Gegen einen bestimmten Gegner lege ich mich gedanklich fest, ob ich hauptsächlich regulär oder invers vorhabe zu spielen. Kommt der Ball aber nur etwas hoch, heisst das für mich auf jeden Fall die Inverse auszupacken, denn ich finde es unheimlich awkward (bei meiner Körpergröße) auf einen hohen Ball einen harten Rückhandtopspin anzuwenden. Das Gelingen eines harten Rückhandtopspins ist bei mir eh eine Sache des Zufalls/Glücks. In Matchsituationen kann meine Inverse also die sicherere Alternative sein. Weich ausgeführt, ist das ein Schlag mit wenig Risiko.
- Ist dein Wunsch oder Bestreben in Zukunft eine verschmolzene harte Rückhand zu haben?
Falsche Frage, habe ich mir nie so gestellt. Sagen wir so, ich hätte nichts dagegen irgendwann eine einzige Superrückhand zu haben (spinny, sicher, hart, konsistent), genauso wäre es okay für mich, wenn ich weiter zwischen den zwei unterscheiden muss. Ich strebe, bei beiden die Sicherheit und Konsistenz zu erhöhen und die Zufälligkeit eines harten Rückhandtopspins zu reduzieren. An/über eine Verschmelzung zu denken, ist zu früh oder außerfrage.
- Letzte Frage: Was wäre der überzeugendste Aspekt sie zu erlernen?
Bei mir, Härte. Auch als meine reguläre Rückhand immer respektabler/lobenswerter wurde, blieb ihr in Matchsituationen die Puste aus, wo ja die Bälle manchmal lahm oder spinleer übers Netz kommen und so eine Situation gar nicht mehr mit dem hochqualitativen diagonalen RH-Einkontern vor Matchbeginn vergleichbar ist. Wer's nicht gelernt hat, eigene Power von seiner Rückhandseite aus zu produzieren, der hat eine schwache Rückhand. Wer meint, eine schwache Rückhand (also eine, die nicht knallt und auch nicht schnell übers Netz fliegt) zu haben AND Schwierigkeiten hat sich einen harten Rückhandtopspin anzueignen, der sollte wie ich diesen alternativen Pfad betreten ("Umweg"). Es ist so leicht, so natürlich/unawkward, hart per Inverse zu schlagen!, siehe inverse smash Beispiel aus der Jugend.
- Kannst gerne noch was schwätzen, ich höre schon gar nicht mehr zu. Mein Ohr ist abgefallen.
Wer gewisse gesundheitliche Schulter- oder Schulterblatt-Probleme bei der exzessiven Ausführung seines regulären bh-loop erleidet, dem ist hier geholfen. Die Inverse ist sehr schulterfreundlich.
- Danke fürs Eigeninterview!
Ja du mich auch.
__________________
< User mit höchstem "Besucher ÷ Beiträge"-Verhältnis pon Erklärung siehe Profil >
|