Zitat:
Original geschrieben von Coach
Wer seine Jugendspieler nicht verlieren will, der sollte sie möglichst bald aus der Jugend raus tun.
Sobald die Möglichkeit einer Jugendfreigabe besteht, sollte der Schritt vollzogen werden.
Vorteile:
1. Ist der Spieler 15 Jahre oder jünger, dann hat er noch seine jugendliche Motivation. Besonders hoch ist die Motivation, jetzt gegen Erwachsene zu spielen.
-> Nutzt dieses Potential, bevor es zu spät ist!!!!!!!!
2. In diesem Alter macht man die größten Leistungsfortschritte.
-> Diesen Effekt sollte man ausnutzen, unabhängig von der Leistungsstärke.
3. Besonders wichtig ist der psychologische Aspekt. Wenn ich einen 15-jährigen für die Herren freihole, zeige ich ihm gleichzeitig, dass er für uns wichtig ist und eine besondere Verstärkung darstellt. Er wird als Persönlichkeit gesehen, was sein Selbstwertgefühl hebt.
-> ein späterer Übergang zu den Herren hinterlässt meist das Gefühl der Zwangsintegration
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Ich sehe das grundliegend anders. Deine Argumente, Coach, sind zwar schlüssig, greifen aber erst, wenn etwas anderes schlecht gelaufen ist. Dazu später mehr.
Grundsätzlich sollte Ziel sein, ein möglichst starkes Niveau in den Jugendklassen aufzubauen, um Jugendlichen möglichst lange Perspektiven innerhalb der Jugendklassen zu geben. Dafür ist wichtig eine regelmässige und jahrgangsübergreifende Jugendarbeitb zu betreiben, damit nicht nur einzelne gute Spieler empor kommen, die dann zu den Herren müssen, da ansonsten zu wenig Potential für eine höhere Spielklasse der Jugend vorhanden ist. Das heisst als 1.Schritt: Konstant gute Jugendarbeit in den Vereinen forcieren.
Nächster Schritt liegt bei den Verbänden: Eine Struktur aufbauen, bei denen es Spielklassen bis zur Verbandsebene gibt, wenn möglich eingleisig. Also nicht die Bezirksklasse Jugend als Maximum. Dann noch einen Anreiz wie in Niedersachsen oder Hessen schaffen, dass die beiden stärksten Mannschaften im Folgejahr eine zusätzliche Aktivenmannschaft auf entsprechender Ebene erhalten. Wenn Jugendliche ihre eigene Mannschaft mitbringen, bedeutet das mehr als Integration bei den Herren, im Gegenteil, die Herren fiebern beim Nachwuchs mit und unterstützen ihn. Das hat zur Folge, dass viele Vereine Jugendliche in so eine Klasse stellen, die sonst schon längst bei den Erwachsenen wären (sogar Kaderspieler) und so steigt das Niveau wiederum und eröffnen sich neue Perspektiven.
Wenn die Jugendlichen in einer so aufgewerteten Jugendklasse auf Verbandsebene keine Perspektive mehr haben, dann sollten teilweise Coachs Argumente greifen und die Spieler freigeholt werden.
Noch folgendes zu Coachs Argumenten:
1. Die Motivation im Jugendbereich kann genauso hoch bis höher sein, das hängt vom Motivator ab. In einer ansprechenden Jugendklasse kann sich ein Jugendlicher weiterentwickeln und sein Spielsystem ausbauen, wenn es häufig zu Top-Top-Duellen u.ä. kommt, als wenn er sich frühzeitig anpasst. Lieber das Spielsystem ausprägen, um es dann später auch im Erwachsenenbereich soweit möglich durchzusetzen. Natürlich ist es motivierend gegen Erwachsene zu spielen, mehr Unterschnitt und Material sind auch gewöhnungsbedürftig. Und genau dazu eignen sich hervorragend die E/J-Einsätze und Teilnahme am Herrentraining! Noch was zur Motivation: Für das Selbstwertgefühl der Jugendlichen ist sehr gut, wenn sie später sagen können, dass sie einst in der höchsten Jugendklasse gespielt haben oder gar dort einen Titel geholt haben (das ist gewissermassen einmalig für sie).
2. Natürlich sind in diesem Alter die Leistungsfortschritte gross. Und genau deshalb sollten Jugendliche ihr ,i.d.R. modernes offensives Spiel, ausprägen. Siehe Argumente bei 1. -> ein durchschnittlicher VL-Jugendspieler profitiert mehr vom Spiel gegen starke Jugendspieler als vom Spiel gegen Bk-Spieler bei den Herren, die oft eine Mischung aus Spiel zerstören und perfektionierten Notschlägen ihr eigen nennen (gibt natürlich auch andere).
3. Wenn Du von einer Zwangsintegration sprichst, läuft bei Euch was falsch. Wenn mit dem Spieler perspektivische Gespräche geführt werden, er auch im Training Kontakt zu den Erwachsenen hat und die Erwachsenen für die Jugendarbeit aufgeschlossen sind, fühlt sich der Spieler auch vorab bei den Herren integriert. Wenn man so verfährt, fühlt sich der Jugendliche als Teil des Ganzen und ist genauso stolz, dass die Erwachsenen sich schon auf ihn freuen, wenn er in 2-3 Jahren bei ihnen spielt. Ansonsten siehe E/J-Einsätze.
Wie gesagt, es gibt zwei Ausnahmen zu meinen Statements:
a) Der Spieler ist so gut, dass die höchste Jugendebene ihn nicht mehr fordert.
b) Der Verein des Spielers hat keine durchgängige Förderstruktur und kann einem Jugendlichen keine Mannschaft auf entsprechendem Level bieten.
Ansonsten rate ich dazu:
- Die allgemeine Jugendarbeit mit so einer Dichte betreiben, dass Punkt b) ausser bei Ausnahmekönnern kein Thema ist
- Auf Jugendklassen setzen, solange das Niveau es zulässt. Die krummen Gegner kommen früh genug
- Frühe Integration in Herrentraining/-spielbetrieb durch Ersatzstellungen