Zitat:
Zitat von Miron Keuler
Finde ich ehrlich gesagt nicht. Erstens habe ich den Eindruck, dass im modernen Tischtennis die Ballwechsel im Schnitt deutlich spektakulärer sind als mit dem 38mm-Ball, nicht andersherum. Wenn man sich einfach mal irgendein Video von früher anschaut, kann man denke ich auch zu keinem anderen Ergebnis kommen.
|
Ich sehe es genau anders herum. Natürlich gibt es auch heute sehr gute Ballwechsel, aber im gesamten finde ich die von 38mm Ball sehr viel ansprechender.
Ein längerer Ballwechsel ist auch nicht zwingend spektakulärer als ein kurzer. Wenn man jetzt vom Profisport weggeht und Richtung Hobbysportler schaut ist das sehr deutlich. Für mich gibt es nichts unspektakuläreres als bei Günther und Harald das Spiel zu zählen wo nur geschupft und gehoben wird.
Diese Spiele werden natürlich nicht im Fernsehen ausgestrahlt, aber mein Punkt bleibt der gleiche.
Am Ende ist das aber subjektiv und jeder kann und darf sich da seine eigene Meinung bilden.
Zitat:
|
Zweitens ist doch das Spiel ganz klar schneller, nicht langsamer geworden, d.h., die Reaktionszeit hat sich VERKÜRZT, nicht verlängert. Die These, dass man wegen der kürzeren Reaktionszeit früher tischferner gespielt hat, halte ich also für Quatsch. Dass man heute tischnäher spielt, liegt denke ich an anderen Faktoren aber die Reaktionszeit ist definitiv keiner.
|
Wo habe ich denn gesagt dass sich die Reaktionszeit verlängert hat? Fakt ist, dass ein Mensch nicht unendlich schnell reagieren kann. Das hat mit der Nervenleitgeschwindigkeit und der Verarbeitungszeit des Reizes zu tun. Viele Profisportler, vor allem Rennfahrer und auch Tischtennispieler trainieren, um diese so klein wie möglich zu halten, aber man kann nicht die Grenzen des körperlich möglichen sprengen. Heute wird das mit kürzeren Schlagbewegungen ausgeglichen, die man eben näher am Tisch ausführen kann. Die Reaktionszeit der Spieler ist wahrscheinlich gleich geblieben oder (durch weiterentwickeltes Training) minimal schneller geworden.
Der Grund, warum man die Bewegung verkürzen kann liegt in meinen Augen am Ball und modernen Belägen.
Kurzgesagt: Durch schnellere Beläge und einen größeren Ball kann der Spieler den Ball mit einer kürzeren Bewegung so spielen, dass er auf den Tisch kommt. Man muss weniger Ausholen und das spart Zeit. Um den Gegner (der den gleichen Vorteil hat) unter Druck zu setzen, muss man näher an den Tisch gehen, um die Distanz und damit auch Flugzeit des Balls so gering wie möglich zu halten.
Lange Erklärung
Wenn der Ball größer wird hat er erstens einen höheren Luftwiderstand und zweitens eine höhere Masse. Der Luftwiderstand ist abhängig von Stirnfläche, dem Cw Wert und der Geschwindigkeit zum Quadrat. Selbst eine kleine Erhöhung des Durchmessers resultiert in einer merklichen Erhöhung in der Stirnfläche und somit (vor allem bei hohen Geschwindigkeiten) zu einem höheren Luftwiderstand. Der Ball wird über die Flugzeit immer langsamer.
Auch eine höhere Masse bewirkt einen langsameren Ball, da man mehr Energie aufwenden muss um das zusätzliche Gewicht zu beschleunigen. Hochmoderne Beläge wurden entwickelt um genau dem entgegenzuwirken. Vergleicht man einen Belag vor 2000 zB. mit einem Tenergy sind diese tendenziell langsamer und vergleicht man einen Tenergy mit einem Offensivbelag von 2024/25 ist der Tenergy tendenziell langsamer.
Der Ball an sich ist langsamer geworden, aber anderes Material gleicht das an.
Mit dem Material des Balls hat sich auch die Oberfläche geändert. Dem Luftwiderstand ist das relativ egal, dem Magnus Effekt aber nicht. Ich habe das Gefühl (ACHTUNG MEINUNG), dass der Plastikball einen stärkeren Magnus Effekt aufweist, als Zelluloid. In der Praxis muss man um die gleiche Krümmung der Flugbahn zu erreichen, weniger Rotation spielen. Direktes Resultat davon ist, dass man den Ball weniger tangential und mehr frontal spielen kann, was zu höheren Geschwindigkeiten führt.
So ein frontalerer Balltreffpunkt gleicht eher einem Schlagspin als einen reinen Topspin und man kann eine kürzere Bewegung ausführen um ihn zu spielen. Kürzere Bewegung bedeutet weniger Zeitverlust bei der Schlagbewegung, sodass man näher an den Tisch gehen kann.
Besonders gut kann man das daran erkennen, dass die Rückhand immer bedeutsamer wird. Sie weist kürzere Bewegungen mit weniger Hebeln auf, was damals ein Nachteil war, da sie nicht so durchschlagskräftig war wie die Vorhand. Jetzt wo kurze Bewegungen wichtiger werden, gleicht sich der Nachteil an.