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Zitat von JanMove
Jemandem grundlos Vermögen zu entziehen nur weil er viel hat, empfinde ich zumindest als ziemlich ungerecht. Und durch Vererben vergrössert sich das Vermögen eben nicht. Das ist falsch. Die Superreichen vergrössern ihr Vermögen, weil sie sich armrechnen können und sich dadurch Steuerzahlungen entziehen, und weil sie das Geld für sich arbeiten lassen können. Und genau da muss man ansetzen. Das ist das, was ich und wahrscheinlich auch die meisten als zutiefst ungerecht empfinden.
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Was heißt hier grundlos? Der Grund ist, wie bei allen Steuern, der Geldbedarf des Staates. Natürlich vergrößert sich generationeller Reichtum mit Erbschaften. Der größte Teil der Multimillionäre in D hat den Reichtum geerbt. Vorhandenen Reichtum zu verwalten und zu vergrößern ist ein Kinderspiel gegenüber dem initialen Aufbau, insbesondere bei der desolaten Lage in D (keine Erbschaftsteuer für besonders Reiche, keine Vermögensteuer, Steuerschlupflöcher für Firmen und Stiftungen all überall).
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Zitat von JanMove
Dass Superreiche sich den Steuerzahlungen entziehen können, ist eine ganz andere Baustelle, die nichts mit einer Erbschaftssteuer zu tun hat. Und nein, einen direkten Zusammenhang zum Auspressen der Mittelschicht sehen ich nicht, da allfällige Mehreinnahmen von den Superreichen nicht dieser Mittelschicht zugute kommen würde. Habe ich aber auch schon mehrfach geschrieben.
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Der Punkt ist, dass der Staat Geld braucht. Bekommt er mehr von den Reichen, muss er die Mittelschicht nicht so ausquetschen. Einen speziellen Kulturpessimismus, dass der Staat die Mittelschicht in jedem Fall ausquetschen würde, selbst wenn erhebliche Einnahmen durch Besteuerung der Reichen erzielt würden, teile ich eben nicht.
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Zitat von JanMove
Auch das ist eine ganz andere Baustelle, wenn Medien und Politiker sich durch Milliardäre kaufen lassen. Das ist beispielsweise eine Frage der Machtbegrenzung und Monopolisierung. Ansonsten kannst Du mir auch gerne noch die Frage beantworten, ab wie viel Millionen jemand schon zu viel Macht hat und sollten wir dann nicht eigentlich schon dafür sorgen, dass es überhaupt keine Millionäre gibt?!
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Ach, weil es, wie bei vielen Fragen, schwer fällt, eine genaue Grenze zu ziehen, gibt es die Grenze gar nicht? Mann, das ist schlampiges Denken. Klar ist doch, dass ein ausreichend motivierter Milliardär einen völlig überzogenen Einfluss (für eine Demokratie) auf das politische und gesellschaftliche Geschehen nehmen kann. Ich bin kein Freund von Schwarzweiß-Lösungen à la Linke mit fast kompletter Enteignung, etc. Aber ein Bremsen der Vermögensakkumulation, eine Entflechtung von Medienimperien und strenge Beschränkungen des Lobbyismus sind absolut notwendig, wenn wir uns nicht mittel- bis langfristig in eine autoritäre Dystopie entwickeln wollen.