Moin liebe Community,
nach über 10 Jahren Abstinenz von der Prügelei auf weiße Kügelchen habe ich wieder zur Kelle gegriffen und nach einigen Tests (unfassbar, wie viel neues Zeug in der Zeit auf den Markt gekommen ist) verschiedener Beläge ist der V15 Sticky auf meiner Vorhand gelandet. Da der Thread noch recht dünn ist, möchte ich euch eine Einordnung geben, was der Sticky so alles kann und wie er sich spielt.
Das Setup:
- 5+2 Holz von Gewo (Inner Arc Off-).
- V15 Sticky 2mm in schwarz
- Rückhand: irrelevant
Die Facts:
Der Sticky hat eine Schwammhärte von etwa 52 Grad, was man natürlich überall nachlesen kann.
Das Obergummi ist sehr griffig. Einen Test, ob der Ball sich anheben lässt, habe ich mir geschenkt. Nach ein paar Wochen dürfte sich das ohnehin erledigt haben, da man bei circa 3-4h Spielzeit die Woche nach 2-3 Wochen deutliche Abnutzungserscheinungen sieht. Eine Änderung an den Spieleigenschaften habe ich dadurch nicht wahrgenommen. Falls doch reden wir über Nuancen, die man durch regelmäßiges Spielen unterbewusst einfach verinnerlicht.
Referenzen zu anderen Belägen
Bei der Auswahl für die Vorhand habe ich beim Händler des Vertrauens diverse Hybride und härtere Tensoren (sagt man das noch so?) auf vergleichbaren Hölzern angespielt. Im direkten Vergleich waren
- XIOM Omega VIII Hybrid in MAX
- Victas V22 Double(?) Extra
- Gewo Elaxxon (45 und 50)
- Nexxus El Pro (vorher selbst den 43 gespielt, getestet aber auch die härteren)
Um euch den Vergleich leichter zu machen, versuche ich euch die Dinger auf einer Skala von 1-10 gegenüberzustellen. Die Skala ist relativ, d.h. 10 bekommt der Belag, der in der genannten Gruppe am besten performt.
Aufschlag
- Omega Hybrid: 9
- V22 Double Extra: 7.5 (nicht wirklich getestet)
- Elaxxon (beide): 7
- Nexxus Pro: 6
- V15 Sticky: 10
Der Sticky besticht dadurch, dass er dem Ball sehr wenig Tempo von aus mitgibt und man durch das griffige Gummi zusätzlich stark reinhacken kann.
Der Omega hat eine höhere Grundgeschwindigkeit und Dynamik. Dadurch leichter Abzug.
Der Elaxxon wirkt extrem unelastisch+träge und kann dadurch für mich das an sich auch sehr griffige Gummi nicht gewinnbringend einsetzen.
Die Nexxusbeläge sind in allesamt deutlich weniger griffig und durch die deutlich höhere Dynamik viel schwieriger im Aufschlagspiel zu kontrollieren. Dadurch (ja ja, die Technik) gelingt mir hier viel weniger Spin.
TLDR: V15 bietet viele Möglichkeiten Aufschläge zu variieren, sowohl in Tempo als auch Spin. Voraussetzung ist, dass man entsprechend reinhackt.
Topspin
- Omega Hybrid: 9.5 Spin, 9 Tempo, Kontaktzeit 8
- V22 Double Extra: 9 Spin, 10 Tempo, Kontaktzeit 7
- Elaxxon (beide): 7 Spin, 6 Tempo, Kontaktzeit 5
- Nexxus Pro: 8 Spin, 9 Tempo (die harten, der weiche eher 7), Kontaktzeit 7
- V15 Sticky: 10 Spin, 8 Tempo, Kontaktzeit 10
Im Gegensatz zu Aufschlägen sieht das Verhältnis hier etwas anders aus.
Der Omega und Sticky tun sich hier nichts. Beide packen den Ball spürbar und reißen ihn mit. Gefühlt könnte man auch den V22 hier einreihen. Da der mit Abstand der schnellste aus dieser Gruppe ist, entsteht der Eindruck, er würde weniger Spin geben, wobei er bei ähnlichem Spin mehr Tempo gibt -> Ergo: Man zieht evtl. langsamer.
Der v15 kommt im Gegensatz mit weniger Grundtempo daher. Das heißt, in Relation fliegt der Ball langsamer mit entsprechend viel Rotation. Trotz der Härte bekommt man dank recht langem Ballkontakt sehr gute Rückmeldung.
Ob stark nach vorne oder mit Bogen gezogen ist in Punkte Flugkurve egal, weil die sich quasi immer einstellt, solange man nicht flach gegen den Ball geht. Das heißt: Auch feste nach vorn gespielte Topspins bekommen kräftig Rotation.
Die Nexxus Beläge sind wieder komplett anders vom Gefühl. Die packen den Ball nicht so stark. Ja, man kann viel Rotation entwickeln. Man merkt aber einfach durch die Dynamik, dass die das gar nicht so sehr (können) sollen, sondern nach vorne schieben wollen.
Die Elaxxon Beläge fand ich hier überraschend schwach. Durch die geringste Elastizität in der Vergleichsgruppe bleibt die Ballkontaktzeit recht kurz, sodass die Griffigkeit vom Gummi wieder nicht soll zur Geltung kommt.
Dynamik
- Omega Hybrid: 8
- V22 Double Extra: 9
- Elaxxon (beide): 4
- Nexxus Pro: 10
- V15 Sticky: 7
Hier gibt es ein sehr breites Fenster. Insgesamt haben die harten Hybride weniger Eigenleben als bspw. die Nexxus Beläge. Aber: Während die Nexxus einen sehr deutlich spürbaren, früh einsetzenden Katapult entwickeln (gefühlt sogar exponentiell), sind der V22 und Omega nicht weit hinterher, kicken den Ball aber erst, wenn man mit einem bisschen mehr Kraft reingeht. Dann feuern aber auch die beiden den Ball mit massig Tempo raus.
Der V15 verhält sich hier deutlich linearer. Das macht ihn leichter berechenbar und überlässt dem Spieler mehr die Entscheidung, wie viel Tempo der Ball bekommen soll. So fällt es deutlich leichter, auch mal einen langsameren Ball einzustreuen. Durchgezogen klingelt es auch hier, muss man sich aber erarbeiten.
Den Elaxxon ignorieren wir hier mal. Der Kerl zieht keinen Hering vom Teller.
Da versprüht selbst unser Kanzler mehr Dynamik.
Blocken
Hier könnt ihr die Beschreibungen vom Bereich Topspin und Dynamik kombinieren.
Der V15 gibt durch die überschaubare Dynamik mehr Kontrolle über Tempo und Platzierung. Omega und V22 spielen sich hier lediglich etwas schneller mit vergleichbarer Rückmeldung.
Die Nexxus Beläge fand ich wegen der sehr hohen Dynamik witzigerweise schwierig. Der Sticky möchte, dass man für Tempo ihm etwas mitgibt, während die Nexxus eher fordern, dass man das Tempo rausnimmt, damit der Ball nicht zu lang wird. Letzteres bewirkt eine gewisse kognitive Dissonanz, dass am Ende nicht ich entscheide, was mit dem Ball passiert.
Ich schieb das jetzt mal darauf, dass ich über 10 Jahre Pause gemacht und ohnehin nie mittel- oder hochklassig gespielt habe
Passives Spiel
Hier könnt ihr die Beschreibung zum Aufschlagspiel übernehmen.
Einordnung und Fazit
Der V15 Sticky ist, auch wenn es in dem Bericht nicht immer den Anschein macht, ein insgesamt schneller, offensiver Belag, der spinreiches Spiel gut unterstützt.
Ein Hauptmerkmal besteht darin, dass der Spieler vergleichsweise viel selbst über das gespielte Tempo entscheidet, wenn man mal andere "Turbobeläge" daneben legt. Gepaart mit dem harten Schwamm und der hohen Griffigkeit sollten Spieler angesprochen sein, die durch Variation im Verhältnis von Spin/Tempo ihre Punkte machen wollen und weniger durch reine Durchschlagskraft.
In puncto Bewegungsablauf sollte man sich im Klaren darüber sein, dass der Belag auffordert, im offensiven Spiel mit Druck in den Ball zu gehen. Halbherzige Schläge landen dank dem (nicht extrem) hohen Austrittswinkel nicht notwendigerweise im Netz, könnten aber schnell eine Einladung zum Gegenangriff werden.