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AW: Würzburger Spieler massiv bedroht
ein sehr interessanter artikel in tischtennis-inside zur ganzen problematik und den folgen:
Jagdszenen, Betrugsvorwürfe, Schadenersatz-Klagen in Millionenhöhe, und Schuldzuweisungen in alle Richtungen: Die Affäre um den Eklat in Priego ist noch längst nicht ausgestanden und liefert Anwälten in mindestens drei Ländern Europas eine Fülle von Arbeit. Ausgerechnet der Nischen-Wettbewerb ETTU-Pokal hat dem Tischtennis durch die in jedem Fall skandalösen Umstände beim Achtelfinal-Wiederholungsspiel der Spanier gegen Bundesligist Müller Würzburg hierzulande die spektakulärsten Schlagzeilen seit langer Zeit gebracht, doch die Folgen sind noch nicht absehbar.
Zuvorderst Würzburgs Spieler-Manager Frank Müller drängt auf eine Aufarbeitung der Vorgänge in Andalusien. Verständlich, klangen die Meldungen aus der Bergstadt Priego de Cordoba vor dem Ausfall der Partie über Morddrohungen gegen seine Spieler und Person ebenso alarmierend wie hinterher die Berichte über tätliche Angriffe spanischer Fans auf die Mainfranken. „Wir sind juristisch gut aufgestellt und prüfen die Angelegenheit in aller Ruhe und Sachlichkeit.“
Rechtlicher Rat erscheint allemal angebracht, sitzt Müller derzeit doch noch auf den Kosten für den neuerlichen Trip nach Andalusien. Auf rund 20.000 Euro hatte der Unternehmer zuletzt seinen finanziellen Aufwand für das von der ETTU angesetzte Wiederholungsspiel in Priego beziffert. Aufgrund der inzwischen laufenden Verfahren jedoch will sich Müller vorläufig nicht mehr zu den Kosten, die laut der Wiederholungs-Entscheidung der ETTU Priego zu tragen gehabt hätte, nicht mehr detailliert äußern. Nur soviel sagte der 42-Jährige gegenüber Tischtennis Inside: „Wir summieren unsere Kosten auf und machen dann unsere Rechnung auf.“
Grundsätzlich zwar kann Müller beim Kampf um sein Geld auf die Unterstützung der ETTU setzen. „Wenn Priego seine Verpflichtungen nicht erfüllt, muss notfalls der spanische Verband einspringen“, erklärte der Stellvertretende ETTU-Präsident Eberhard Schöler im Interview der Woche von Tischtennis Inside unter Hinweis auf die ETTU-Statuten. Zugleich meldete der DTTB-Vizepräsident indes auch Zweifel an den von Müller zunächst genannten Kosten: „20.000 Euro oder darüber erscheinen mir unrealistisch und drastisch überzogen.“
Geld haben will aber auch Priego, obwohl der spanische Erstligist trotz offizieller Bestätigung des Wiederholungs-Termins gar nicht antrat und seine Spieler zum gleichen Zeitpunkt beim nationalen Ranglistenturnier in Alicante aufschlugen. Dennoch forderte Priegos Klubchef Miguel Angel Machado auf der Homepage des Klubs von der ETTU gleich eine Million Euro Schadenersatz von der ETTU. Zur Unterstützung hat der Verein aus dem 21.000-Einwohner-Städtchen Spaniens Sportministerium und auch sein Nationales Olympisches Komitee eingeschaltet.
Zudem kündigte Priego für das dritte Februar-Wochenende seine Ankunft in Tschechien an, um zum Viertelfinale gegen El Ninho Prag anzutreten. Gut möglich, dass sich Machado bei späteren Verfahren dabei auf die Website der ETTU beruft, wo peinlicherweise noch rund zwei Wochen nach der Annullierung von Priegos 3:1-Sieg im ersten Achtelfinal-Anlauf gegen Würzburg das Ergebnis als offiziell zu finden war und nicht einmal mehr 48 Stunden vor dem „neuen“ Viertelfinale zwischen dem Bundesliga-Spitzenreiter und Prag weiterhin das Match Prag gegen Priego angekündigt wurde.
Wegen handfesterer Gründe jedoch sieht Müller die ETTU als Sündenbock: „Die ETTU hat auf der kompletten Linie versagt“, meint Würzburgs Chef auch nochmal in Anspielung auf die tatsächlich fragwürdige Neuansetzung des Matches in Priego sowie wegen der mangelnden Möglichkeiten zur verbindlichen Kontaktaufnahme zu ETTU-Verantwortlichen: „Bis auf wenige Ausnahmen ist die ETTU mangelhaft organisiert, und wenn da nur Dilettanten arbeiten, muss die ETTU dafür eben die Konsequenzen tragen.“
Die ETTU ihrerseits hat sich die komplette Aufklärung des Skandals von vorne bis hinten zum Ziel gesetzt. Unabhängig von einer Bewertung der Vorgänge beim ersten Spiel und rund um den zweiten Termin lässt die ETTU derzeit jedoch von Rechtsanwälten prüfen, ob gegen Priego wegen des scheinbar provozierten Ausfalls auch eine über das eigentliche Höchstmaß von zwei Jahren hinausgehende Sperre verhängt werden kann. Intern soll ETTU-Generalsekretärin Jeanny Dom jedenfalls gesagt haben, dass ihr zwei Jahre als Strafmaß für das Verhalten der Spanier nicht hoch genug seien.
Doch die Luxemburgerin muss auch selbst geradezu detektivische Arbeit leisten. Denn in dem Skandal mehren sich auch Ungereimtheiten und widersprüchliche Angaben. Während von Würzburger Seite zu hören war, dass sich die Halle in Priego erst nach Eintreffen der Würzburger in der Arena langsam mit feindselig eingestellten Fans der Gastgeber gefüllt hätte, berichten mehrere Medien in Spanien übereinstimmend, dass die Ankunft von Müllers Team in der Halle ein laufendes Volleyball-Match unterbrochen hätte. Zudem verneinte der französische Oberschiedsrichter auf Befragung durch die ETTU mittlerweile tätliche Angriffe von Hallenbesuchern gegen Müller und seine Spieler. „Vielmehr“, berichtete Dom, „war die Rede davon, dass Herr Müller das Publikum provoziert hat.“ Darüber hinaus ist inzwischen im Internet ein Foto veröffentlicht worden, das während des ersten Matches Zuschauer in Sommerhemden und Bikini zeigt.
Weitere Unklarheiten in den Informationen zu Würzburgs erstem Auftritt in Spanien sind laut Schöler auch der Grund für den Entschluss des Executive Boards der ETTU für eine Neuansetzung und den Verzicht auf eine direkte Disqualifikation Priegos gewesen. Das Gremium hätte lange über die Situation beraten und keineswegs einstimmig für die Wiederholung gestimmt: „In Anbetracht aller Umstände hatten wir das für die richtige Entscheidung gehalten“, sagte der frühere WM-Zweite. Der deutsche Rekordmeister räumt allerdings auch die Möglichkeit eines Fehlers ein: „Die Neuansetzung kann zu dem Dilemma beim zweiten Spiel in Priego beigetragen haben.“
Zu dem Dilemma gehören auch zwei Schreiben vom Tag vor dem Match mit einer Bitte Priegos um Absage der Partie aus Sicherheitsgründen und der Ablehnung von Sicherheitsgarantien für Würzburgs Mannschaft durch die Polizei. Beides faxte Müller nach einem Telefonat mit Schöler in der Nacht vor dem Spiel an den DTTB-„Vize“, der Würzburg zuvor jedoch nicht im Alleingang und ohne ausreichende Erkenntnisse über die Echtheit der Dokumente einen Verzicht auf die Partie raten wollte.
Für Müller ist der Zweck der beiden Schreiben inzwischen längst klar. „Priego hat nie daran gedacht gegen uns zu spielen, weil seine Spieler ja bei der Rangliste zu spielen hatten. Entweder wollten die Spanier, dass wir abreisen und sie dann auch noch mit einer anderen Mannschaft antreten und zum Sieger erklärt werden, oder sie wollten die ETTU durch die Verbreitung von Drohungen nötigen, das Spiel wieder abzusetzen.“
Zweifel an der Richtigkeit seiner Schilderungen weist Müller kategorisch zurück. „ich bin froh, dass ich über die Vorgänge reden kann und nicht tot bin. Außerdem ruft ein Frank Müller doch nicht einen Eberhard Schöler an, obwohl er vorher nachdem er 25 Jahre kaum gesprochen hat. Das Foto mit dem Bikini zum Beispiel ist auch eine Fotomontage. Außerdem haben wir es gar nicht nötig, die Sache aufzubauschen.“
Finanzielle Interessen seien ebenfalls nicht vorhanden. Müller: „Ich ziehe so etwas doch nicht für Geld durch. Wirtschaftlich wäre es für mich sogar das Beste, wenn ich mich ganz aus dem Tischtennis zurückziehen würde.“
Eines steht fest: Der „Fall Priego/Würzburg“ wird zumindest die ETTU-Instanzen noch einige Zeit auf Trab halten.
frage mich nur, warum der autor nicht mit seinem namen dazu steht.
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