Ich finde, hier werden zu viele Sachen in der Diskussion vermischt. Auch wenn ich wahrscheinlich auch selbst zur Vermischung beitragen werde durch die Komplexität des Themas.
Insbesondere die uralte Diskussion "click vs. tt-info" nach 20 Jahren wieder hochzuholen, finde ich nicht hilfreich. Ich bin froh, dass wir von den Insellösungen weitgehend weggekommen sind und bis auf wenige Ausnahmen (mit nachträglicher Übertragung der Daten für den TTR) bundesweit vergleichbare Werte und eine gemeinsame Datenbank haben (ich finde es immer nur unterirdisch, wenn es um Spieler aus S-H, Berlin, Sachsen geht > wegen Nutzung anderer Spielbetriebsverwaltung ohne direkte Schnittstelle).
Click-tt ist zuverlässig, aber nur ein Dienstleister, der Dinge (gut) ausführt, die beauftragt wurden. Insofern finde ich es völlig kontraproduktiv, in diese Richtung "Schuld" zu adressieren.
Das Problem schon früher und heute immer mehr im Zuge des Konglomerats DTTB/ mytt sind die Schnittstellen. Wenn es offene Schnittstellen gibt, können die Daten vielfältig weiterverarbeitet werden. Ob bei der Ergebnisverarbeitung, ob beim TTR und der Rangliste (durch die Spielstärke endlich messbarer und vergleichbarer wurde), ob bei der Darstellung der Daten auf einer Online-Plattform wie mytt, ob bei den digitalen Zählgeräten.
Wenn es offene Schnittstellen gäbe, könnten verschiedene Anbieter um die bessere Lösung konkurrieren unter marktwirtschaftlichen Prinzipien. Aber auch IT-kompetente TT-Enthusiast*innen könnten damit privat bzw. unentgeltlich und frei zugänglich besser innovativ neue Ideen entwickeln.
Für die meiste Aufregung der letzten Jahre sorgt ja mytt und seine mangelhafte Umsetzung der Verarbeitung der von Click sauber zur Verfügung gestellten Daten. Dass das schon so lange so miserabel unsanktioniert läuft ist eine Farce, durch das PPP-Modell (Public Private Partnership) mit Dachverband und Landesverbänden als Gesellschafter sowie den Interessen von Ebner / Sporthouse AG kaum durchdringbar. Dabei wurde mytt eine Monopolstellung verschafft und durch fehlende Schnittstellen nach außen abgeriegelt. Dadurch kann mytt praktisch machen, was sie wollen. Gleichzeitig werden Geschäftsmodelle geschaffen, bei denen diejenigen, die die Daten eintragen, für die (oft mangelhafte) Verarbeitung derer bezahlen müssen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Eigentlich sind Daten heutzutage viel wert und man bekommt eher einen Benefit dafür, als dass man dafür zahlen muss. Gepaart mit Werbung und Verbandsumlagen eine Dreifachfinanzierung. Dahinter das rhetorische Totschlagargument, dass dies ja auch den Vereinen zu Gute käme, weil ja sonst die Verbandsumlagen ohne die Einkünfte aus mytt viel höher wären (die trotzdessen permanent steigen).
Die Frage, die man sich immer wieder stellen muss: Wem nützt das? Wer sind die Profiteur*innen? Welche Interessen stehen dahinter?
Fangen wir vielleicht mal damit an, wem es nutzen sollte und wer profitieren sollte?
Der Tischtennissport allgemein, die Amateurvereine, die Amateur-Spieler*innen, die Verbände, der Profisport. Motivation sollte sein, die öffentliche Wahrnehmung des Tischtennissports zu verbessern, mehr Menschen für den Tischtennissport (aktiv und passiv) zu gewinnen, eine gute Infrastruktur und Unterstützung für die Basis in den Vereinen zu schaffen.
Dafür ist es erstmal gut, einen Plattformanbieter zu haben, der den TT-Sport kennt. Dann stellt sich die Frage, ob dieser in erster Linie Geschäftsmann oder TT-Visionär ist? Dazu gehören auch die Fragen von Betriebsorganisation, Kundenservice, Kapitalinteressen und politisch-strategische Einflussnahme durch den Auftraggeber (Verband).
Betriebsorganisation:
Stellt sich die Frage, was wird selbst geleistet und was extern beauftragt. Hier ist festzustellen, dass es keine/ kaum IT-Kompetenz bei mytt gibt, stets auf Externe/ Andere bei einem permanenten Performance-Gau nach dem anderen verwiesen wird. Monatelang und jahrelang werden zugesagte Dinge nicht umgesetzt und gemeldete Fehler nicht behoben. Vermutlich technische Konstruktionsfehler, die eher neu aufgesetzt statt verschlimmbessert gehören. Hier sollte das Learning sein, dass man zumindest eine*n interne*n IT-Expert*in benötigt, die/ der den technischen Hintergrund, Programmierung und die TT-Zielgruppe und deren Bedürfnisse und Anforderungen wirklich kennt, versteht und berücksichtigt. Vielleicht eine*n Redakteuer*in weniger und dafür etwas interne IT-Kompetenz. Es gibt sowieso ein Ungleichgewicht zugunsten der Profisport-Berichterstattung (singuläres Interesse) und Anliegen der breiten Basis.
Kundenservice:
Eigentlich ist hier Kunde der falsche Begriff. Mytt sollte ein Bewusstsein haben, dass die Spieler*innen der Basis die Grundlage für die Existenz von Verbänden sind, die wiederum ihre Auftraggeber sind. D.h. ein Verband und dessen Hauptamt sollte der verlängerte Arm des Ehrenamtes und der beitragszahlenden Basis sein. Und mytt als Dienstleister wiederum deren Auftragsnehmer. Insofern wäre ein devoterer Umgang mit den Usern wünschenswert - aus der Denke, dass es ohne diese weder Verband noch Dienstleister geben würde. Radikal könnte man auch denken, da ruft Eine*r meiner hunderttausend Vorgesetzten an. Die Realität ist eher "wer stört", "wir haben keine Zeit und andere Prioritäten" bis zu Androhungen von Sperrung, wenn man als Verein seine eigenen eingegebenen Daten mal falsch verlinkt. Mytt gibt das Gefühl den Usern "Wir sitzen auf dem Thron, Du hast hier nichts zu sagen" statt "wir sind für Euch da". Auch eine Haltungs- und Führungsfrage - "why did the cat get so fat"?
Kapitalinteressen:
Wieviel "Private" ist drin? Wieviel "Public" ist drin? Wieviel "Partnership" ist drin? Natürlich ist es legitim, dass eine private Unternehmung auch Gewinne generiert. In einem öffentlich-privaten Konstrukt im Auftrag der Basis stellt sich natürlich die Frage, ob eine schwarze Null das Ziel sein sollte, um ausgewogen zwischen Basisinteressen (angemessene Vereinsbeiträge) und Erträgen zu wirtschaften. In dem Moment, in dem die Eigeninteressen der privaten Unternehmung im Vordergrund stehen, ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen. Dann die Grundsatzfragen von Premium-Accounts und Turnierlizenzen als private Einnahmequelle der Zielgruppe für die Zurverfügungstellung und Nutzung der Infrastruktur zur Ansicht der selbst zur Verfügung gestellten Daten bei gleichzeitiger (indirekter) Finanzierung über Vereins- und Verbandsbeiträge. Und im Fall der Turnierlizenz sogar noch als Vorfinanzierung einer nicht erbrachten Leistung.
Politisch-strategische Einflussnahme durch Verband:
Zudem stellen sich hier auch Compliance-Fragen, für die Verbände leider sehr anfällig sind, da hier leider auch viele Menschen in Spitzenfunktionen der Verbände sind, um diese (auch und manche vor allem) für privat(wirtschaftliche) Interessen zu nutzen. Machtzentrierung, Vetternwirtschaft und Amigos gibt es hier nicht selten. Es gibt bestimmt auch die Idealist*innen, die hier unabhängig bleiben wollen, was allerdings schwierig in so einem System ist. Oft kommt das Argument, man solle selbst Verantwortung übernehmen, statt sich nur zu beschweren. Grundsätzlich richtig, aber kaum realistisch, außer in Momenten, wo irgendwo alle ohne Nachfolge hinwerfen. Dann gilt es Verträge zu erfüllen, man wächst in Abhängigkeiten, verliert den Antrieb, Grundsätzliches zu verändern. Dass irgendwo so ein Machtvakuum entsteht, ist aber die absolute Ausnahme. Normalerweise wird die Nachfolge vorab geklärt, um das System am Laufen zu halten.
Handlungsperspektiven:
Wenn man sich dafür in Stellung bringen möchte, ist Anpassung und Konformität i.d.R. wichtiger als Änderungsideen und konstruktive Kritik. Deshalb engagieren sich viele Leute, die ich kenne (zu denen ich mich auch selbst zähle), lieber an der Basis, wo man direktere Einflussmöglichkeiten für genau diese Basis hat. Leider ändert sich auch wenig, wenn sich nicht Gruppen zusammenschließen und bereit sind, offensiv Verantwortung mit Änderungswillen zu übernehmen.
Vom Ziel nicht unbedingt gut für den TT-Sport in der Gänze, aber ein Szenario, bei dem viele Machtmenschen unruhig werden, wenn hier genügend mitziehen, wäre ein mehrfach vorgeschlagener Parallelverband. Denn hier würde die Finanzierungsgrundlage für das Konstrukt entzogen, denn ohne die "Cashcow Basis" funktioniert das alles nicht. Finde ich als Gedankenspiel zwar spannend, halte ich aber (leider) für ein unrealistisches Szenario. Und in letzter Konsequenz hätte der TT-Sport durch so viel Selbstbeschäftigung gerade in der Außendarstellung hier auch viel zu verlieren.
Kündigung Premium-Accounts und Boykott Turnierlizenz können zwar wichtige Signale sein, werden aber nur sehr begrenzt was verändern. Die Zahlen sind nicht wirklich transparent, außer wenn man in einer Hochglanzpräsentation Ziele nennt. Was dann daraus wird und wie der Stand ist, erfährt man i.d.R. nicht. Was nicht erfolgreich ist, bleibt intern. Bleibt die jährliche Meldung der Gewinnausschüttung von mytt an die Verbände. Wir sollen dankbar sein.
Offene Schnittstellen / Open Source:
Zurück zur Technik. Leider setzen Verbände mit mytt auf ein Retro-Konzept. Im Sinne von digitaler Souveränität bekommen offene Schnittstellen von IT-Systemen und mit noch größerer Konsequenz Open Source eine immer größere Bedeutung. Gerade auch aus Erfahrungen aus Tech-Monopolen inkl. politischer Einflussnahme. Während das vor 20 Jahren eher noch IT-Hippies auf einer Insel zugeornet wurde, ist das als Innovation unter dem Motto "sharing is caring" in den letzten Jahren immer weiter in allen Gesellschaftsbereichen angekommen, inzwischen auch in der öffentlichen Verwaltung. Wenn inzwischen Bundesländer und große Kommunen sich auf den Weg machen, solche Wege zu gehen, sollte das für einen Sportverband doch auch möglich sein, oder? Gute Anregungen findet man z.B. hier:
https://www.zendis.de/. Gerade mit einer extrem IT-fitten TT-Community gäbe es hier so viele Chancen und Potential, kollaborativ im Kollektiv den Tischtennissport digital voran zu bringen, statt zu versuchen, sich hermetisch abzuriegeln. Ein kleiner Schritt wären zumindest offene Schnittstellen, um einen echten Wettbewerb um die besten Ideen und Lösungen zu ermöglichen. Das wäre nur zum Vorteil von Verband und Basis in letzter Konsequenz, statt hier auf Monopolbildung zu setzen und dadurch mytt ohne Konsequenzen (und leider oft auch Kompetenzen) den Takt vorgeben zu lassen. "Open Desk" wäre zum Beispiel eine Antwort, wie man verschiedene dezentral entwickelte Funktionalitäten wieder zusammenführt, denn Insellösungen sind auch nicht die Lösung - und alle Funktionalitäten, Ansichten, Tools sollten auf einer Plattform bzw. Open Desk zusammengeführt und an einem Ort zugänglich sein.