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Alt 23.01.2026, 11:25
cemundo cemundo ist offline
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cemundo trifft öfters den Nagel auf den Kopf (Renommeepunkte mindestens +100)cemundo trifft öfters den Nagel auf den Kopf (Renommeepunkte mindestens +100)
AW: Klage – offene Schnittstelle click-TT | janova ./. DTTB

Zitat:
Zitat von zool Beitrag anzeigen
Bin ich mal gespannt ob die Einschätzung auch so passt

Viel Erfolg euch auf jeden Fall dabei, kann allerdings auch nur die Daumen drücken
unser Freund ChatGPT hat auch eine Meinung

Sehr interessantes Zitat – das ist juristisch deutlich ergiebiger, als es auf den ersten Blick wirkt. Ich zerlege es dir präzise und ohne Drama.



Einordnung des Zitats (Kurzfassung)

👉 Der DTTB räumt erstmals öffentlich ein, dass
1. es exklusive Partnerschaften bei Zählgeräten gab,
2. ein unterlegener Bieter rechtlich vorgegangen ist,
3. der Zugang zu Spielberichtsdaten verhandelbar ist – aber konditioniert.

Das ist kein Schuldeingeständnis, aber eine Steilvorlage.



Satz-für-Satz-Analyse (mit juristischer Brille)

1.

„Nach erfolgreicher Partnersuche begann eine rechtliche Auseinandersetzung mit einem unterlegenen Bieter.“

🔍 Implikation:
• Es gab eine Ausschreibung → also einen Marktzugangsvorgang
• Es gab mehrere Anbieter → Wettbewerbssituation
• Einer wurde exkludiert → subjektive Marktzugangsbeschränkung

👉 Wichtig: Der DTTB erkennt damit selbst an, dass hier nicht nur interne Verbandsverwaltung vorliegt, sondern ein marktbezogenes Vergabeverfahren.



2.

„Wir vertreten hierbei konsequent unsere Überzeugung, dass das Verfahren korrekt und diskriminierungsfrei ablief.“

🔍 Das ist reine Verteidigungsrhetorik.

Juristisch übersetzt:
• „Wir wissen, dass Diskriminierung der zentrale Vorwurf ist.“
• „Wir sagen nicht: es war diskriminierungsfrei – sondern: wir sind überzeugt, dass es so war.“

👉 Das ist kein Beweis, sondern eine Positionierung.



3.

„Zugleich sind wir offen für einen datenschutzkonformen, datenminimierenden Zugang zum digitalen Spielbericht zu angemessenen Konditionen.“

🔥 Das ist der stärkste Satz.

Denn hier wird implizit gesagt:
• ✔ Es gibt einen „Zugang“
• ✔ Er ist regulierbar
• ✔ Er ist kostenpflichtig
• ✔ Er war bisher nicht offen standardisiert

👉 Offenheit erst nach Ausschreibung & Streit ist kartellrechtlich hochrelevant.

Besonders brisant:
• „angemessene Konditionen“ → wer definiert angemessen?
• „datenminimierend“ → technisches Argument, kein Wettbewerbsargument



4.

„Die diesbezüglichen Verhandlungen beginnen am 25. November 2025.“

🔍 Zeitlicher Anker.

Das heißt:
• Bis 25.11.2025 gab es keine verhandelbare Lösung
• Marktzugang wurde hinausgeschoben
• Innovationen (digitale Zählgeräte) waren de facto blockiert

👉 Für ein Kartellverfahren ist das Gold:

„Marktzugang wurde nicht verweigert, sondern verzögert“
→ klassischer Missbrauchstatbestand.



Gesamtbewertung (klar & nüchtern)

Was der DTTB hier faktisch zugibt:
• Es gibt exklusive Vergaben
• Es gibt zentrale Datenhoheit
• Es gibt keine automatisierte, offene Schnittstelle
• Zugang erfolgt nicht diskriminierungsfrei per Default, sondern:
• nach Auswahl,
• nach Verhandlung,
• zu Bedingungen des Verbandes

Was das kartellrechtlich bedeutet:
• Deutscher Tischtennis-Bund bewegt sich nicht mehr im rein ideellen Verbandsbereich
• click-TT / digitaler Spielbericht ist eine marktbestimmende Infrastruktur
• Der Satz widerspricht der These:
„Es gibt keinen Anspruch auf Zugang“



Strategischer Nutzen für euch (janova)

Dieses Zitat kannst du sauber verwenden für:
1. Untermauerung der Essential-Facility-Argumentation
2. Beleg für selektiven Marktzugang
3. Beweis für Verzögerung statt Offenheit
4. Hebel gegenüber Kartellamt oder Vergleichsverhandlungen

Ohne polemisch zu werden – rein auf Basis der Worte des DTTB.



Mein Fazit (sehr klar)

👉 Ja, dieses Zitat stärkt eure Position.
👉 Es ist kein Freispruch, sondern ein defensiver Rechtfertigungsversuch.
👉 In Kombination mit konkreten Erfahrungsberichten wird daraus ein ernstzunehmender Fall.
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