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Alt 25.02.2005, 09:09
Jaskula Jaskula ist offline
hasst die 11
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AW: NPD-Parteiverbot

@ Bow

Super Beitrag ! Kann ich fast komplett zustimmen.
Mit folgenden Einschränkungen:

Zitat:
Zitat von Bow
"Verfall der Moral"
Das ist absolut ein Problem unserer Zeit, das auch allen Menschen in unserer Gesellschaft auffällt und sie beschäftigt.
Das Problem ist nur, daß dieses Thema gerade von den rechten Parteien, allen voran der NPD, mißbraucht wird, um Stimmung zu erzeugen.
Der Verfall der Moral liegt nicht an der Einwanderung von Ausländern und auch nicht an Hartz 4 oder der Gesundheitsreform.
Ursache ist, wie Du schon gesagt hast, daß aufgrund des schlechten Vorbilds, das unsere Politiker und die Wirtschaftsbosse geben, jeder Einzelne sich nicht mehr an Recht, Gesetz und Moral gebunden fühlt.
Die rechten versuchen aber damit Ausländerhaß zu schüren. Nur, meines Wissens ist Ackermann kein Türke, Esser kein Pole und unsere korrupten und raffgierigen Politiker stammen nicht aus dem arabischen Raum oder dem Balkan.
Der Verfall der Sitten und der Verlust der moralischen Werte ist ein Problem unserer heutigen Gesellschaft und hat absolut nichts mit Ausländeranteilen zu tun.

Zitat:
Zitat von Bow
Es sagt sich leicht "mein Gott, nach 60 Jahren kann man aber mal langsam Gras drüber wachsen lassen". Aber diese Leute haben bitterstes Unrecht am eigenen Leibe erfahren, ebenso wie Juden, Polen, Tschechen, etc...das streitet niemand ab, der sich noch ein einigermaßen objektives Gesamtbild behalten konnte.
Weil das deutsche 3. Reich einen niederträchtigen, menschenverachtenden, etc.pp. Angriffskrieg und Völkermord geführt hat, ändert das nichts daran, dass diese Menschen dennoch schweres Leid erlitten haben. Und zwar derart, dass sie es nicht werden vergessen können, bis sie unter der Erde sind. Mit dem letzten Atemzug werden sie noch an ihre Heimat denken, das ist auch eine Verbundenheit, die heute annähernd unbekannt ist.
Daher wartet man auch ab, bis das "Problem" ausstirbt.
Auch nicht fein von unserer Demokratie. Ist halt ne Minderheit. Sie werden nicht gehört, haben keine Lobby, fertig.
Natürlich war die Vertreibung der deutschen aus Ihrer Heimat Unrecht, ebenso wie es anschließend 40 Jahre lang Unrecht in der DDR gab, das ebenfalls nicht wiedergutgemacht wurde. Auch aus dem ersten Weltkrieg leben noch Menschen, denen Unrecht widerfahren ist. Und die nachkommen aus den Zeiten davor hätten sicherlich auch Grund sich zu beklagen.
Das Problem ist, daß solcherlei Unrecht, gerade aus Kriegen und totalitären Systemen herrührend, nicht wiedergutgemacht werden kann, ohne neues Unrecht zu schaffen.
Wollte man in der DDR enteigneten Menschen ihr Eigentum zurückgeben, dann müsste man z.B. die neuen Besitzer wieder enteignen, die das Eigentum evtl. rechtmässig erworben haben.
Wie soll man Vertriebene nach 60 Jahren entschädigen ?
Vertriebene wurden im Nachkriegs-Deutschland meist maximal unterstützt beim Aufbau einer neuen Existenz. In vielen Fällen wurde Ihnen Grund und Boden zur Verfügung gestellt, wo sie Siedlungen aufbauen konnten. In Städten erhielten sie oft bevorzugt Wohnungen und wurden auch finanziell unterstützt. Diese Unterstützung, die den Vertriebenen über Jahrzehnte gewährt wurde, wurde den bereits hier lebenden, die evtl. auch alles verloren hatten nicht in gleichem Maße gewährt.
So wurde vom Staat versucht, ähnlich wie heute mit dem Soli für den Osten, einen Ausgleich zu schaffen.
Was natürlich nicht ausgeglichen werden kann, ist der Verlust der Heimat, aber das ist einfach die Konsequenz aus dem Verlauf der Geschichte.
Man sollte nicht vergessen, daß es neben dem stark beweinten Verlust der Heimat auch den Verlust an Menschen gab, der m.E. noch schwerer wiegt. Frauen, die ihren Mann und ihre Söhne verloren haben, sind m.E. schlimmer betroffen, als diejenigen, die mit ihrer ganzen Familie einen Neuanfang in einem anderen Teil des Landes machen müssen.

Was mich am meisten nervt ist, daß in den Vertriebenenverbänden die überwiegende Zahl bereits vor Ihrer Geburt vertrieben wurden. Wenn der Vorsitzende eines Vertriebenenverbandes noch keine 50 Jahre alt ist, dann ist das ein Witz. Ich müsste mal Ahnenforschung betreiben, irgendwann sind Vorfahren von mir bestimmt auch mal vertrieben worden (Napoleon, Cäsar lassen grüßen). Ich fordere also in jedem fall Entschädigung.

Im übrigen haben die Vertriebenenverbänden sehr wohl eine Lobby, sogar eine viel zu starke. Die CSU kriecht z.B. immer wieder in deren Arsch.
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