Zitat:
Zitat von TSV_Christian
Auch von mir danke für die immer tolle Übersicht.
Zu den Spielsystemen gebe ich nur mal wieder die Umfrage unter allen Spielern (die teilnehmen wollten) von Ende 2022 zu bedenken: In den Spielklassen unterhalb der jetzigen 2. Bezirksliga waren keine 30% mehr für 6er-Mannschaften. In der jetzigen 1. und 2. Bezirksliga sprach sich eine knappe Mehrheit (56%) für 6er-Mannschaften aus und in der jetzigen Bezirksoberliga wiederum nur etwa die Hälfte.
Es kann also keineswegs die Rede davon sein, dass 6er-Mannschaften klar bevorzugt werden. Die Umfrage ist aber eben auch schon mehr als drei Jahre alt. Ich habe eher das Gefühl, dass die Verbindlichkeit in den Vereinen noch weiter abgenommen hat und man das mit kürzerer Spieldauer (= 4er-Mannschaften) noch etwas auffangen kann. Ich kenne zumindest auch Spieler und Vereine, wo man sehr froh ist, nicht jede Woche an einem 3 oder 4 Stunden dauernden Spiel teilnehmen zu "müssen".
Und auch wenn es vielleicht manchen Spielern in den "oberen" Spielklassen nicht gefällt: Die Abstimmung beim letzten Bezirkstag war doch einigermaßen eindeutig. Und vielleicht sollte man nicht nur die Nachteile für die eigene Mannschaft oder den eigenen Verein sehen, sondern auch die Vorteile für untere Mannschaften (ggf. kann ein Team mehr gemeldet werden) und für kleinere Vereine. Es soll sogar Vereine geben, die bisher einen Aufstieg ablehnen mussten, weil einfach nicht genug Spieler für eine 6er-Mannschaft (regelmäßig) da waren. Aus meiner Sicht muss ich ganz klar sagen: Ich habe lieber viele kleine Vereine und dadurch abwechselnde Gegner als alles konzentriert in Großvereinen zu sehen. Entsprechend finde ich eine Unterstützung für kleinere Vereine auch viel wichtiger als für die Vereine, die mit 8, 10 oder 12 Erwachsenen-Mannschaften irgendwo spielen.
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Da habe ich eine Andere Meinung.
Die zitierte Umfrage von Ende 2022 ist als Entscheidungsgrundlage mittlerweile kritisch zu betrachten. Zum einen ist sie mit über drei Jahren Alter kaum noch repräsentativ für die aktuelle Stimmungslage nach den praktischen Erfahrungen mit 4er-Teams. Zum anderen – und das ist der entscheidende Punkt – basieren die Ergebnisse nur auf den Spielern, die „teilnehmen wollten“. Diese selektive Datenbasis verzerrt das Bild massiv, da oft nur diejenigen abstimmen, die eine Veränderung erzwingen wollen, während die Zufriedenen schweigen. Man hat hier eben nicht jede Meinung gehört, sondern nur ein Stimmungsbild einer aktiven Teilmenge erhalten.
Viel wesentlicher als alte Umfragewerte sind jedoch die strukturellen Realitäten, mit denen wir in den Vereinen täglich kämpfen. Die Argumente für eine Wiedereinführung der 6er-Mannschaften bis zur 3. Bezirksklasse wiegen schwerer als das subjektive Empfinden einer kürzeren Spieldauer:
1. Lösung von Hallenkapazitätsproblemen
Die Umstellung auf 4er-Mannschaften hat zu einer künstlichen Aufblähung der Mannschaftszahlen geführt. Wer seinen aktiven Mitgliedern weiterhin Stammplätze bieten will, muss mehr Teams melden. Das führt in vielen Vereinen – auch bei uns – zu massiven Engpässen bei den Hallenkapazitäten. Das 6er-System ist hier die effizienteste Lösung: Es ermöglicht mehr Spielern gleichzeitig, an einem Abend an weniger Tischen aktiv zu sein, und entlastet so den Belegungsplan der Hallen.
2. Stärkung des Vereinsgefüges
Ein 6er-Team bringt pro Spieltag 50 % mehr Menschen zusammen. Tischtennis lebt in den unteren Klassen nicht nur vom Ergebnis, sondern vom Teamgeist, der gemeinsamen Anreise und dem sozialen Miteinander nach dem Spiel. 4er-Teams atomisieren den Spielbetrieb und schwächen diesen sozialen Kern unseres Sports massiv ab. Wir riskieren, dass der Mannschaftssport zu einer reinen Abwicklung von Einzelterminen verkommt.
3. Nachwuchs- und Breitensportförderung
Das 6er-System bietet mit dem unteren Paarkreuz den idealen geschützten Raum, um Jugendspieler oder Wiedereinsteiger behutsam in den Herrenbereich zu integrieren. In einem 4er-System ist der Leistungsdruck pro Einzel deutlich höher. Das macht es für Kapitäne viel schwerer, Ersatzspieler oder Nachwuchstalente einzubauen, ohne den sportlichen Erfolg der gesamten Mannschaft zu gefährden.
4. Sportlicher Wert durch das Doppel
Das Doppel ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Sportidentität. Nur das 6er-System bietet die volle taktische Breite mit drei Eingangsdoppeln und einem echten Entscheidungsdoppel. Im 4er-System (Bundessystem) wird das Doppelspiel stark entwertet, was den sportlichen Reiz und die taktische Tiefe des Mannschaftskampfes spürbar reduziert.
Fazit: Anstatt sich auf veraltete und lückenhafte Umfragen zu stützen, sollten wir die Zukunftsfähigkeit der Vereinsstrukturen in den Fokus rücken. Das 6er-System sichert die Hallennutzung, fördert die Integration und bewahrt den sozialen Charakter, der unsere Vereine ausmacht.