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Alt 27.02.2005, 15:30
Gerd.Brinkmann Gerd.Brinkmann ist offline
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AW: Spielverbot für Damen oberhalb der 3. Kreisklasse

Hallo zusammen,

ich finde die Diskussion bisher wirklich spannend und habe aus Euren Beiträgen einige Anregungen aufenommen. Vielen Dank. Jetzt möchte ich noch einmal auf den eigentlichen Vorgang zu sprechen kommen. Es geht für mich nicht um die Fragen, ob sich der Kreis Lippe an die WO halten muss (meine Meinung: selbstverständlich) oder ob Frauen in Herrenmannschaften eingesetzt werden sollen (meine Meinung: nein). Die entscheidende Frage im Moment ist für mich:

Wie gehen wir Vereine in Lippe miteinander um?

Dazu möchte ich für die Nicht-Lipper unter Euch noch einmal einen kurzen Rückblick geben: Im Sommer 2003 hat die Kreisversammlung einem Antrag des TTV Lemgo Extus zugestimmt, nach dem Damen unter gewissen Voraussetzungen in der 3. Herren-Kreisklasse spielen dürfen. Das war zu der Zeit auch gegen die WO, wurde aber umgesetzt und auf dem folgenden Verbandstag eine WO-Änderung beantragt. Dieser Antrag wurde (gegen den Willen des WTTV-Vorstandes) von den Delegierten beschlossen. Damals hat in Lippe kein Huhn und schon lange kein Hahn dagegen gekräht, dass die Vorgehensweise rein rechtlich nicht in der richtigen Reihenfolge war.

Dann wieder die gleiche Prozedur: Antrag an die Kreisversammlung auf Einsatz der Damen auch oberhalb der 3. Kreisklasse, diesmal ohne Gegenstimmen angenommen, Umsetzung und geplanter Antrag zum nächsten Verbandstag. Die Einstimmigkeit ist hier noch einmal zu betonen, auch wenn ein Beschluss mit 51% von allen zu akzeptieren ist, bleibt bemerkenswert, dass damals kein Verein dagegen war!

Nun geht aber einem Verein anscheinend die Demokratiefähigkeit verloren, wenn es um die eigene Nase geht (Abstiegsangst). Egal, ob es der Wille aller Vereine war, egal, ob die Folge eine klare Wettbewerbsverzerrung ist und vor allem egal, ob hier einzelne Menschen betroffen sind, die ab sofort ihren Sport nicht mehr ausüben dürfen: Es wird eine Beschwerde eingebracht, möglicherweise um doch noch den Abstieg zu vermeiden.

Klar ist Lage-Sylbach im Recht - juristisch gesehen. Aber die moralische Bewertung muss bei allem Verständnis für die sportlichen Nöte anders ausfallen: So geht man nicht miteinander um!

Wenn Lage-Sylbach mit der Vorgehensweise der Kreisversammlung nicht einverstanden ist, dann hatte man vor der Saison immerhin mehr als ein halbes Jahr Zeit, diese Beschwerde beim Verband zu stellen. Oder man hätte der Kreisversammlung oder zumindestens dem Kreisvorstand diese Vorgehensweise ankündigen können, damit vor der Sasion noch ausreichend Zeit bleibt, zu reagieren. Fraglich ist auch noch, warum man die Saison 2003/04 beschwerdelos ausspielen ließ, obwohl die Situation damals identisch war. Genauso interessant ist die Frage, ob Lage-Sylbach ihre Meisterschaftsspiele gegen Mannschaften mit Damen-Einsatz nur unter Protest bestritten hat. Entsprechende Vermerke müssten ja auf den Spielberichtsbögen zu finden sein. Für mich ist diese Vorgehensweise ohnehin realitätsfern: Wenn eine Mannschaft auf dem letzten Platz steht, dann liegt es sicher nicht daran, dass eine einzige Mannschaft in der Staffel eine Dame eingesetzt hat, oder?

Wir brauchen ja auch eine vernünftige Perspektive für die Zukunft. Immerhin treffen sich zweimal im Jahr die Vereine in Lippe, um über alle sportlichen und organisatorischen Probleme im Kreis zu beraten. Die Beschlüsse der Kreisversammlung müssen für alle Vereine bindend sein, ohne dass zuvor eine Horde Rechtsanwälte konsultiert werden muss. Auf alle Fälle sollten wir nicht vergessen, dass der Tischtennissport unser Hobby ist. Egal, aus welcher Motivation so eine Beschwerde gestellt wird - wenn die Folge ist, dass einige Sportskameradinnen ihren Sport nicht weiter ausüben dürfen, ist diese Vorgehensweise meiner Meinung nach nicht zu akzeptieren.
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Gerd Brinkmann
WTTV e.V. Kreis Lippe
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Geändert von Gerd.Brinkmann (27.02.2005 um 15:36 Uhr)