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Alt 14.08.2001, 20:32
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mh mh ist offline
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@Chaese
Ich kenne im Gegensatz zu Dir das Niveau der Mittagstalkshows nicht, denn zu dieser Zeit habe ich kein TV eingeschaltet.
Dieses Wort Menschenhandel habe ich bewusst verwendet.

Wie würdest Du folgenden Fall bewerten?:

Wor mehreren Jahren waren wir auf der Suche nach einer Spitzenspielerin der 2. Bundesliga und ich wurde von einem chinesischen Spielervermittler angesprochen und er bot mir an, uns eine in der ersten Liga spielende Chinesin zu vermittlen. Wir machten einen Termin aus und fuhren eines Abends zu dieser Spielerin hin. Was ich sah, liess mich entsetzt zusammenzucken:

Die Spielerin war in einem Baustellencontainer untergebracht elektrisches Licht und Heizung vorhanden, Fläche ca. 20 qm Toilette in einem Gebäude ca 50 m entfernt. Soviel zur vertraglich zugesicherten Wohnung.

Der Vertrag des Vereins mit der Spielerin war voll an die Anzahl der Einsätze gebunden. Dazu gab es Siegprämien.
Eine Krankenversicherung war nicht vorhanden.

Wie hoch die Einsatz- und Siegprämien waren ist mir nicht bekannt. Der soziale Kontakt zur Mannschaft war nahezu Null. Sie sprach keinen Brocken Deutsch.

Die Ansprüche die sie an uns hatte waren gering. Der Vertrag scheiterte im Endeffekt daran, dass der chinesische Spielervermittler eine Provision in Höhe eines halben Jahresgehalts der Spielerin forderte mit der Begründung, die Spielerin sei sehr billig im Vergleich zu Ihrer Spielstärke.

Als ich später den Manager ihres bisherigen Vereins einmal traf, fragte ich ihn, warum er diese Spielerin laufen lassen wollte, meinte er: Wenn die Chinesen das 2. Jahr hier sind werden sie zu teuer. Er wusste allerdings nicht, dass ich bei dieser Spielerin schon einmal zu Hause war. Es hat nur noch der Spruch gefehlt: Diese Verhältnisse sind doch um ein Vielfaches besser, als das was sie zu Hause hat.

Die Spielerin flog übrigens nach dieser Saison zurück nach China und kam nicht wieder.

So etwas bezeichne ich als Menschenhandel.

Dies ist sicher ein Einzelfall, aber genau für diese Fälle finde ich es dringend notwendig, wenn es Regularien gibt, dass so etwas unmöglich gemacht wird. Und dies ist mit der im Moment gültigen Ausländerregelung geschaffen, denn die notwendige Aufenthalterlaubnis wird an einen Vertrag gekoppelt, der ich glaube 36000.- DM/Jahr beinhalten muss.

Ich habe gelernt dass für manche Ausländer (z.B. Polen, Tschechen...) eine automatische 90 Tage Erlaubnis erteilt wird, und die „Aufwandsentschädigungen“ von den Finanzämtern unterschiedlich beurteilt wird. Interessant wäre in diesem Zusammenhang, was die Finanzgerichte dazu sagen. Ich kenne selbst Fälle, bei denen die Spesen dieser Spieler, nicht unbedingt mit den steuerlich erlaubten Sätzen konform gingen.
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen: Für bezahlte Tätigkeiten als Trainer benötigen diese Spieler eine Arbeitserlaubnis, die von dem 90 Tage Touristenvisum nicht abgedeckt wird.
Ein Verstoss gegen entsprechende Bestimmungen kann für den Verein unter Umständen den Verlust der Gemeinnützigkeit bedeuten. Was dies bedeutet weiß wohl jeder.

PS.: Der oben angeführte Verein ist mittlerweile - zumindest überregional - von der Bildfläche verschwunden.
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