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Alt 25.08.2001, 11:46
Michael Frey Michael Frey ist offline
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Michael Frey ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
So, jetzt werde ich mal zu den Beiträgen Stellung nehmen (nachdem ich mich gestern nacht nicht ins Forum einloggen konnte).

Zunächst zu Deinem Beitrag, Ahdow:
Wenn ich in meinem vorherigen Beitrag von "global" (meint Nationalmannschaften und Weltmeisterschaftsambitionen, und Zusammenhänge zwischen Jugendförderung und Ausländern) und "gesellschaftspolitisch" (meint EU-Erweiterung) gesprochen habe, so meinte ich das sicher nicht in der Weise, die Du es aufgefasst hast.

Global ist es insofern, dass deutsche Nachwuchsspieler in der Spitze natürlich im Vergleich mit anderen Nationen bestehen sollen. Das ist ja das -unbestrittene- Ziel der Übung.

Die Frage ist, auf welchem Weg ist dieses Ziel in Deutschland zu realisieren. Eine gewisse Schulbildung ist in Deutschland (oder in der EU) zwingend erforderlich, da man als TT-Profi nur in den seltensten Fällen von 15 Jahren Profitum ein Leben lang leben kann. (Soweit dürfte dies auch unbestritten sein)

Also muß die Talentförderung in Deutschland (im Gegensatz zB mit China) neben der Schule laufen. Damit muss das deutsche Talentförderungssystem diesen Nachteil irgendwie kompensieren, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Wie geht das möglicherweise?
Meine Antwort: wir müssen professioneller und intensiver arbeiten. Die jungen Talente müssen in jedem Training mit einem hochklassigen Sparringspartner mindestens einmal täglich (besser zweimal, aber Problem: Schule) trainieren. (Ich füge an, dass dies das Modell ist, das z.B. bei den Rohrs und bei Laura Stumper zu großen Erfolgen geführt hat)
Diese Sparringspartner mit entsprechender Spielstärke (Regionalliga) müssen finanziert werden. Bei allen Talenten, die nicht so finanzkräftig sind, muß die Fianzierung über dritte, idealerweise über den Verein laufen.

Zwischendurch zu dem Einwand, es handle sich hierbei um Trainer und nicht um Spieler (von mh):
In irgendeinem anderen Thread wurde festgestellt, dass die Jugendlichen schneller besser werden, als eine normale Erwachsenenmannschaft aufsteigen kann. Das ist mE zutreffend. Voraussschauende Vereinsverantwortliche planen daher anhand der zu erwartenden Leistungssteigerung auch die Spielklassen der entsprechenden Mannschaften (bei uns als Unterbau Regionalliga und Verbandsliga Damen und Herren). Diesen "Vorabstandort" der Mannschaften erreicht man dadurch, das die Sparringspartner in den Teams eingesetzt werden, in die die Talente eingebaut werden sollen und hat damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
Talente bleiben beim Verein, weil sie entsprechend gefördert werden (mit den Ausländern als Sparringspartnern) und weil die entsprechende Spielklasse (dank der Ausländer als Spieler) vorhanden ist. Nur beiläufig sei erwähnt, dass die Talente ihre ausländischen Spieler durch das häufige Training gut kennen und so der entsprechende Teamgeist vorhanden ist.
In dieser Form gibt es gerade KEINEN Gegensatz zwischen Ausländern und Jugendförderung, ich hoffe, das ist hiermit deutlich geworden. Die Ausländerregelung hindert uns dabei, diese Strategie weiterzuverfolgen.

Wir betreiben ausserdem in unserer eigenen Halle eine Tischtennisschule, die Wochen und Wochenend, sowie Tageskurse anbietet. Somit haben auch auswärtige Spieler die Möglichkeit, von diesem Konzept zu profitieren.

Jetzt zu dem Einwand "muß eigentlich mehr ehrenamtlich laufen" (ahdow) bzw "läuft das bei euch nur noch gegen Geld" (mh)

Bei uns läuft es so: Die Vereinsspitze arbeitet komplett ehrenamtlich (das ist bei einer Buli, 2 RL, 2 VL, 8 Herren und 2 Damenmannschaften) einiges. Wir haben aber erkannt, dass wir ehrenamtliche in einigen Bereichen trotz großen Arbeitsaufwandes (für absolut "umme") nicht das Optimale herausholen. Deshalb haben wir unser Team ergänzt mit Profis: A-Lizenztrainer (2) sowie einem ehem. russ. Jugendnationaltrainer mit der höchsten russ. Trainerlizenz für die Qualität im Training, Sparringspartner für die Qualität der Ballwechsel, eine Managerin für die Bundesliga-Tagesgeschäfte und unser umfangreiches Rahmenprogramm.

Wir haben eine eigene Halle und können auch Erfolge unseres Konzeptes vorweisen: Jennifer Käshammer: Bronzemedaille bei den Deutschen Schülerinnen und Mädchenmeisterschaften, 2 Talente unter 16 in der Damen-RL-Mannschaft, vier Talente und ehemalige Talente in der RL-Mannschaft, zwei 15jährige in der VL-Mannschaft, etliche Südbadische Meister, Grünes Band schon 1994...

und vieles mehr.

Deshalb müssen wir für unser Konzept kämpfen...
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"Glut wird alles, was ich fasse,
Asche alles was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich"
(Nietzsche)
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