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AW: Abschneiden des DTTB bei der EM
Jetzt mal kurz meine Zusammenfassung von der EM
Ich kann jetzt als Tischtennisfan nicht sagen, dass ich mit dem Abschneiden der deutschen Mannschaft zufrieden bin. Das sind die Spieler selbst wohl auch nicht. Im Team-Wettbewerb kam ja nach einem relativ lockeren Sieg über England das Aus gegen Rumänien. Meines Erachtens entscheidend war die sehr konservative Aufstellung mit Boll, Wosik und Rosskopf. Den ein Timo Boll macht auch nicht immer zwei Punkte, vor allem wenn Rumänien mit Adrian Crisan ein Spitzenspieler hat, der jeden Akteur in Europa besiegen kann. Die Trainer haben natürlich einen schweren Stand hierbei, da sie über die Aufstellung entscheiden. In der ersten Reaktion auf die Niederlage von Jörg Rosskopf gegen Constantin Cioti habe ich ironischerweise noch angemerkt, ob Rossi bei der Aufstellung vielleicht nicht ein wenig mitgeredet hat. Ich denke mal, dass dieses bestimmt nicht zutrifft. Die Aufstellung machen die Trainer und keiner anderer.
Gut, ich gebe zu, dass ich für meinen Fall diese garantiert anders gestaltet hätte. Ich maße mir auf keinen Fall an, von diesen Aspekten mehr zu verstehen als ein Herr Schimmelpfennig oder Richard Prause (bin zwar auch nicht ganz grün im Trainerwesen - bastele zur Zeit an der Sporthochschule Köln an meiner B-Lizenz), allerdings ist eine freie Meinungsäußerung, solange sie nicht despektierlich oder beleidigend wird, in jedem Falle gerechtfertigt. Und konstruktive Kritik wird bestimmt niemand zurückweisen.
Klar ist das EM-Gold mit der Mannschaft das Ziel gewesen, vor allem für Jörg Rosskopf, der damit seine Sammlung komplettiert hätte. Der Erfahrungsfaktor spielt sicherlich eine gewichtige Rolle (davon haben Jörg und Torben sicherlich einiges), jedoch frage ich mich, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, den Spielern eine Chance zu geben, die im Moment einfach klar besser drauf sind und eventuell eine größere Siegchance gehabt hätten. -> Also Süß, Steger, ZFK. Jörg ist sicherlich noch heiß, nur seine Bilanz in der Bundesliga und andere Leistungen (z.B: Deutsche Meisterschaften) sind im Moment wohl auch nicht das, was er sich davon versprochen hat. Ich möchte ihm auf keinen Fall unterstellen, dass er sich den Platz auf Position 3 mit Gewalt hat sichern wollen, nur vielleicht hätte er auch freiwillig diesen Platz an einen im Moment stärkeren Spieler abtreten können. Ich denke mal, dass ihm dann niemand einen Vorwurf gemacht hätte, er wolle sich nur generös zeigen, denn Jörgs Verdienste um das deutsche Tischtennis sind unbestritten.
Nach meiner persönlichen Meinung jedoch hätte er nach dem WM-Silber im Team letztes Jahr zurücktreten sollen, denn da hat er gut gespielt und mit seinem Sieg über Oh Sang Eun erst dem DTTB die Finalteilnahme ermöglicht. Jedoch stellt sich dann die Frage, ob da noch eine Steigerung möglich ist. Klar, es gibt beispielsweise einen Waldner, der mit 38 Jahren (fast 39) bei Olympia in Athen noch auf den vierten Platz kommt. Nur ist Waldner für mich ein Jahrhunderttalent, dessen Leistungen wohl so schnell von niemandem wiederholt werden können. Und Jörg ist ja mit seinen fast 36 auch nicht mehr der jüngste. Es stellt sich hier die Frage, ob er durch sein Weitermachen vielleicht nicht seinen bisher so großen Ruf in Deutschland selbst schädigt.
Natürlich ist es rein rhetorisch zu vermuten, ob andere Spieler es gegen Rumänien besser gemacht hätten, allerdings wären bei der derzeitigen Form der Nationalspieler (kann da natürlich nur auf veröffentlichte Resultate schließen, da ich ja nicht mit ihnen trainiere geschweige denn ihr Trainer bin) andere Einsatzmöglichkeiten vielleicht besser gewesen.
Im Einzel ist nicht das herausgekommen, was man sich davon versprochen hat. Timo Boll verlor erneut gegen seinen Angstgegner Smirov. Das man Gegner hat, die einem nicht so gut liegen, ist vollkommen normal. Jedoch muss jemand, der auch die großen Titel gewinnen möchte, in der Lage sein, auch diese unbequemen Gegner aus dem Weg zu räumen. Und das ist im Moment nicht nur Smirnov; auch Crisan und Samsonov gehören nicht zu seinen bevorzugten Gegnern. Nur sind eben diese genannten Spieler (+einige andere) derzeit Europas Spitze. Vielleicht wäre ein Mental-Trainer eine Alternative??
Die Bronzemedaille im Doppel mit Christian Süß ist sicherlich nicht schlecht, denn gegen die anderen Doppel, die auf dem Podium standen, kann man durchaus verlieren. Nur was ich nicht verstehe, ist Timos Verhalten bei der Siegerehrung. Die Begründung mit dem Arzttermin am Montagmorgen ist für mich nicht nachvollziehbar, da die Ehrung am Sonntag bestimmt nicht seine Reisepläne durcheinander gebracht hat. Auch ist ja hier im Forum bekannt geworden, dass heute auch ein Sponsorentermin anstand. Wie dem auch sei, die Erklärung des DTTB hat mich nicht überzeugt. Auch ist dieses Verhalten für den Nachwuchs ein schlechtes Beispiel. Ich wäre nicht gerade erfreut, wenn einer der von mir betreuten Schüler bei einer Kreis- oder Bezirksmeisterschaft o.ä. nicht auf das Podest gehen möchte, nur weil er nicht gewonnen hat und dann sagt, dass der Timo das ja auch getan hat. Leider ein schlechtes Vorbild.
Wosik und ZFK haben mich im Einzel überzeugt, obwohl Zolli gegen Primorac nicht gut gespielt hat. Süß hat gegen Kreanga einen tollen Kampf geliefert, auch in Ordnung. Steger hat sich eventuell nach seinen Leistungen in der Bundesliga und den Deutschen Meisterschaften vielleicht zu sehr unter Druck gesetzt und konnte nicht das abrufen, wozu er fähig ist. Rosskopf hat mich im Einzel enttäuscht, da er gegen den Dänen Martin Monrad (der zur Zeit kein überragender Spieler ist und den er trotz seiner zur Zeit wohl nicht so guten Form auf jeden Fall schlagen kann) nach einer 3:1 - Führung noch als Verlierer die Platte verließ.
Boll/Süß im Doppel auf dem Podium ist okay, jedoch waren ZFK/Wosik erschreckend schwach. Rosskopf/Hielscher konnten ja aufgrund der Erkrankung von Lars gar nicht erst antreten. Und ein Doppel ist immer etwas anderes als ein Einzel, da spielt es keine so große Rolle, dass Rossi zur Zeit nicht so gut in Form ist. Siehe Schlager/Jindrak: Jindrak ist nicht unter den Top 100 der Weltrangliste, spielt aber ein sehr gutes Doppel mit Schlager. Klar sind sie eingespielt, sicher mehr als Rossi und Lars, allerdings kann man da immer was reißen.
Bei den Damen war das aus im Team zwar bitter, aber sie haben dem späteren Sieger Rumänien eine guten Kampf geliefert. Es hat ein wenig Glück gefehlt, aber es war kein enttäuschendes Ergebnis, wenn man die Auslosung betrachtet. Im Einzel sind Nicole Struse und Elke Wosik weit gekommen, haben gut gespielt, sie sollten in Shanghai dabei sein. Nicole Struse auf jeden Fall, denn wenn die deutsche Meisterin bei einer WM nicht dabei ist, wertet das den Status einer DM doch gewaltig ab. Die anderen deutschen Spielerinnen war nicht überragend, doch solide, wobei die Viertelfinalteilnahme von Tanja Hain-Hofmann und Elke Wosik im Doppel sicherlich beachtenswert war.
Vielleicht wäre all diese Kritik nicht gekommen, wenn die Erwartungshaltung eine andere gewesen wäre. Nur nach der letzten EM mit drei deutschen Herren auf dem Podium und den auch selbst gesetzten Ansprüchen in diesen Wettkampf (von den Herren und den Damen) war nach einem Desaster, was es insgesamt betrachtet in meinen Augen auch war, so etwas zu erwarten. Ich hoffe, dass die WM von den Resultaten besser wird (an Medaillen denke ich dabei gar nicht). Es sollte nur auf keinen Fall jetzt der Versuch gemacht werden, dieses Debakel schön zu reden á la "Es waren viele Positive Ansätze zu sehen, darauf können und werden wir aufbauen..."
Denn beschönigen lässt sich das hier sicherlich nicht.
So, falls ich jetzt irgendeinem der Nationalspieler (die ja sich hier manchmal blicken lassen) auf den Schlips getreten sein sollte bzw. despektierliche oder beleidigende Äußerungen gemacht habe, tut mir das leid. Ich habe mich bemüht, meinen Gesamteindruck von dieser EM wiederzugeben und das in ehrlicher, konstruktiver Form. Und dazu stehe ich auch.
Gruß
Sportstudi
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Auch eine Noppe spielt sich nicht von alleine...
B-Lizenz Trainer
Geändert von Sportstudi (04.04.2005 um 16:17 Uhr)
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