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Es ist schade, dass viele von Euch ohne Vision, ohne zukunftsweisende Konzepte, ohne Strategie, ohne Blick für das große Ganze diskutieren. Europa wächst zusammen - auch im Sport. Warum ist keiner auf mein Argument eingegangen, dass sich in drei bis vier Jahren die ganze Ausländer-Diskussion ohnehin erledigt hat? Dann sind die Osteuropäer keine "Ausländer" mehr. Warum also heute eine Ausländerregel einführen, die morgen der Vergangenheit angehört?
Bei allen (nachvollziehbaren) Gefühlen: Es gibt objektive Tatsachen. Zum Beispiel die, dass die Ligen schwächer werden ohne "Ausländer", dass es weniger finanzierbare Trainer und weniger gute Sparringspartner gibt. Und dass so der deutsche Nachwuchs relativ schnell ebenfalls schwächer wird. Dadurch bekommt der Tischtennissport in Deutschland immer weniger öffentliche Gelder. Dies wiederum bedeutet für a l l e Vereine und Verbände: weniger öffentliches Geld, mehr Eigenmittel, weniger Hochleistungssport, mehr schwer zu findende Sponsoren, weniger Öffentlichkeit, mehr Druck für die Spitzenvereine/Spieler, letztlich weniger Nachwuchs, weil auch weniger Mittel für den Breitensport vorhanden sind.
Die Spirale dreht sich nach unten - jetzt schon! Die Statistiken beweisen es. Tischtennis ist auf dem absteigenden Ast. Wie wollen wir da gegensteuern? Mit weniger Klasse, mit weniger Qualität? Das wird nicht gutgehen. Wir brauchen beides: Klasse und Masse. Und die Masse kommt nur, wenn wir Vorbilder, sprich Klasse "produzieren". Übrigens: Den Kindern kommt es weniger auf die Nationalität an als den Erwachsenen!
Ich persönlich, ehrenamtlicher Manager eines Regionalliga-Vereins, der schon einige wirklich gute Jugendliche herausgebracht hat, finde schlichtweg gut, was die DJK Offenburg und Michael Frey machen - obwohl ich kein Freund zentraler Strukturen bin. Häufig werden gerade auf dem Land die Kinder zu den größten Talenten. Deshalb sollten die Trainer zu den Kindern kommen und nicht umgekehrt. Tischtennis-Internate oder Großvereine, die alles an sich ziehen, sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.
Obwohl mein Verein bis vor einem Jahr völlig ohne "Ausländer" gespielt hat und wir auch jetzt nur einen (übrigens total engagierten) Tschechen (an Nr.4) einsetzen, bin ich der Meinung: Der Mittelweg wäre das Richtige. Zwei bis drei "Ausländer" (ruhig bis zur 1. Bundesliga) wäre sportlich, finanziell und sportpolitisch der richtige Weg.
Die Förderung des Nachwuchses geht ohnehin nur im "dualen System". Das heißt: Vereine und Verbände müssen ganz eng zusammenarbeiten, damit was Gescheites herauskommt. Durch die Konfrontation des DTTB mit einigen wichtigen Vereinen ist auf Monate, wenn nicht auf Jahre hinaus der Konsensweg versperrt. Wie soll da ein guter Nachwuchs gedeihen?
Ein runder Tisch könnte könnte auch hier Wunder bewirken. Also, ihr Funktionäre: Runter von Eurem Sockel, reden und handeln!
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