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Bernd Beringer schreibt, ein Wegfallen der ausländischen Spieler als Trainer hätte ein erhebliches Absinken des Niveaus der Ligen zur Folge und führe deswegen zu einer "tödlichen Spirale nach unten".
Ich stelle jetzt einmal ein paar bewusst provozierende Thesen in den Raum:
1. Diese "Spirale nach unten" wird von der Öffentlichkeit und von 90 Prozent der aktiven Tischtennis-Spieler nicht wahrgenommen, weil es sie nicht interessiert.
2. Der "harte Kern" an TT-Junkies hat mehr Interesse daran, das Talent vom Nachbarverein in der Regionalliga spielen zu sehen als für ihn "namenlose" Tschechen, Ungarn oder Chinesen.
3. Für die Zuschauer, die auf Bezirks- oder Kreisebene den Schläger schwingen oder (in seltenen Fällen) gar nicht aktiv spielen, sind auch etwas "schlechtere" Spieler in den oberen Ligen immer noch Helden.
4. Die Tischtennis-Szene wird überschaubarer. Vereinen fällt es schwerer, sich schnell mit Finanzspritzen hochzu"beamen" (und dann oft ebensoschnell ins Bodenlose abzustürzen), weil der verbliebene Kreis der konkurrenzfähigen Spieler kleiner ist und damit auch ihr Preis steigt -> es wird für deutsche Spieler wieder finanziell interessanter.
5. Die Förderung des absoluten Spitzensports ist im Tischtennis sehr aufwändig und wird maßgeblich von den Verbänden finanziert, die sich diese Ausgaben angesichts der Haushaltslage eigentlich gar nicht mehr leisten können. Die Verbände sollten sich völlig aus dieser Arbeit zurückziehen und es den Vereinen überlassen, nach ihren Möglichkeiten Förderung zu betreiben.
6. Ein Rückgang deutscher Erfolge auf internationaler Ebene wäre dann aus finanzieller Sicht nicht mehr so dramatisch für die Verbände. Die geringere staatliche Förderung wäre leichter zu verschmerzen. Ob deutsche Tischtennis-Spieler international konkurrenzfähig sind, interessiert eh niemanden (siehe oben). Und echte Spitzentalente setzen sich auch in Zukunft durch...
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Mit Realismus hat das selbstverständlich nicht viel zu tun, ich weiß.
Aber wie gesagt - man muss manchmal provozieren, ein Thema absolut gegen den Strich bürsten.
Ich finde, hier ist das einmal dringend notwendig. Das Erfolgsdenken um jeden Preis, das sich in der Personalpolitik von vielen höherklassigen Vereinen manifestiert, finde ich einfach nur übel.
Langfristig arbeiten, Augenmaß besitzen, mit etwas zufrieden sein... das ist natürlich nicht "in", gilt als langweilig und mittelmäßig. Aber einen Verein über einen langen Zeitraum hinweg sportlich, finanziell und gesellschaftlich "gesund" zu halten, das ist meiner Meinung nach die allergrößte Kunst.
P.S.: Ich bin kein strikter Gegner von Hochleistungssport. Ein Modell, wie es in Langweid seit vielen Jahren erfolgreich betrieben wird mit einem tollen Unterbau und einer langfristig angelegten Idee, finde ich super.
Zum Kotzen finde ich allerdings die Vereine, die UFO´s in die Höhe steigen lassen, bei denen es nur eine Frage der Zeit ist, bis die abstürzen und dabei dann oft auch die Bodenstation noch kräftig demolieren...
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Pfannaflicka - der "Kampfname" der Rainer Tischtennisspieler; in Erinnerung an unseren unvergessenen Peter Drabek (1965 -1997), der diesen Begriff geprägt hat
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