Aufbau von Nachwuchs
Hallo Angus,
Bow hat schon sehr gut auf Deine Anfrage geantwortet, trotzdem erlaube ich mir, meinen Kommentar beizusteuern, da ich denke dieses Thema ist für Dich sehr wichtig und ich kann vielleicht etwas helfen.
Selbst wenn die Spieler Deines jetzigen Vereins die vergangenen Errungenschaften nicht zu würdigen verstehen, solltest Du auf jeden Fall weitermachen.
Bei der mangelhaften Unterstützung Deiner Vereinskameraden würde ich raten, Dich nicht weiter um Unterstützung zu bemühen. Man sollte immer überlegen, welche Art von Einsatz in welchem Bereich den meisten Erfolg verspricht. Bevor Du stunden- oder tagelang die Erwachsenen bekniest, sie sollen Dir helfen, ist es besser, Dich um Hilfsmittel für das Training zu bemühen und somit die Begeisterung der Jungen zu wecken.
Trainingszeiten: samstags stehen der TT-Abteilung oder dem Verein Hallenzeiten für die Punktspiele zur Verfügung. Prüfe, ob Du schon früher in die Halle kannst (zum Beispiel im Falle eines Spielbeginns der Herrenmannschaft um 17.00 Uhr einfach schon versuchen, um 15.00 Uhr die Halle legal (!) zu betreten. Dem Hausmeister klar machen, dass die Tische sauber aufgebaut werden müssen und man sich intensiv einspielen muß. Statt tatsächlichem Einspielen der Aktiven findet dann eben ein Stündchen getarntes Sondertraining der Kinder statt. Des weiteren prüfen, ob während des Punktspiels der Aktiven genügend Platz und Tische vorhanden sind, damit diese unter Deiner ständigen Aufsicht (Lärmpegel gering halten!) nebenher trainieren dürfen.
In den Sommerferien (Schülerferienprogramm) und kurz vor den Ferien (Projektwochen an vielen Schulen oder nach Vollendung des Lehrplans mit dem Sportlehrer sprechen - er freut sich wenn er mal nicht den Sportunterricht vorbereiten muß) abklären, ob man durch solche Aktionen TT-Schnupperkurse in den Grundschulen anbieten kann (4. sowie 5. Schulklasse). Dadurch dann möglichst viele Kinder ins TT-Training locken und dann den starken Trainingsbesuch fotografisch festhalten. Mit diesen Bildern dann zum Vorstand des Vereins (nicht zur TT-Abteilung selbst, denn da hast Du ja keinen Rückhalt) gehen und die Leute zu überzeugen versuchen, dass sehr viele Kinder im Training sind und man unbedingt Hallenplatz und Trainingszeiten braucht. Das kann hinhauen! Vielleicht einmal das persönliche Gespräch mit dem Bürgermeister suchen, um diesen direkt zu überzeugen. Ideal wäre, wenn sein Sohn, Neffe, Enkel, Nachbar ins TT-Training gehen würde.
Kooperation mit Nachbarverein. Wenn Ihr im Winter wenigstens einmal in der Woche in die Halle dürft, dann kannst Du Dich an einen Nachbarverein wenden, mit dem Du Dich gut verstehst. Kläre ab, ob die Interesse an einem weiteren Trainingsabend haben. Wenn ja und falls dieser nicht mit Deinem Trainingsabend identisch ist, solltest Du vorschlagen, dass die Spielerinnen und Spieler dieses "Partnervereins" zu Euch ins Training dürfen, im Gegenzug dürfen Eure Spieler zu denen ins Training. Das würde für beide Vereine einen weiteren Trainingsabend bedeuten. Wenn Du zusätzlich mit dem Lockmittel "organisiertes Training mit engagierten Kindern" wirbst, kannst Du evtl. die Leute vom anderen Verein überzeugen. Lasse Dich in diesem Fall gar nicht auf Diskussionen mit Deinen Vereinskameraden ein, denn die machen ja sowieso gar nichts.
Motivation der Kinder: sehr schwierig. Hängt von Deinen Fähigkeiten ab und von den Umständen in der Halle. Genügend Tische? Genügend Platz? Ausreichend Hilfsmittel, um das Training interessant zu gestalten? Beispiel Aufwärmen - da gibt es Literatur vom Hofmann-Verlag in Schorndorf, worin beschrieben wird, wie man ohne sowie mit den unterschiedlichsten Hilfsmitteln ein interessantes Aufwärmtraining durchführt. Da sind so um die 800 verschiedene Möglichkeiten drin. Gestern abend nahm ich eine Möglichkeit heraus und setzte sie wie folgt um: auf dem Hallenboden sind farbige Linien, die Rechtecke darstellen. In die Mitte eines solchen Rechteckes legte ich einen Holzreifen (als Sportgerät in vielen Hallen verfügbar, man kann auch ein Springseil ringförmig auslegen). In den Holzreifen legte ich vier Gegenstände (zwei Packungen Papiertaschentücher, einen Schwamm zum Schlägerreinigen und ein Belagreinigungsspray). Die Aufgabe bestand darin, von einem bestimmten Startpunkt aus loszurennen, einen Gegenstand vom Boden innerhalb des Rings aufzunehmen und auf eines der 4 Ecken zu legen. Dann sofort zum Ring zurück, nächster Gegenstand auf die nächste Ecke und so weiter. Sobald alle vier Gegenstände auf den Ecken liegen (immer nur einen Gegenstand aufnehmen, auf jede Ecke ein Gegenstand), wieder zum Ausgangspunkt zurück und dann sofort zum nächsten Eck, um dort den Gegenstand aufzunehmen und wieder in den Ring abzulegen. Jetzt noch die anderen drei Gegenstände einzeln holen und sauber in den Ring ablegen. Dann ganz schnell zum Ausgangspunkt zurück und der nächste ist dran. Nach zwei Durchgängen sind die Kinder trotz Pause (deren Länge ist abhängig von der Zahl der Teilnehmer und deren Spurtschnelligkeit) echt platt.
Weitere Beispiele dieser Art gibt es echt mehr als genug....
Die Kinder an das TT binden, indem das Training interessant und abwechslungsreich gestaltet wird. Aufwärmen habe ich schon angerissen. Während des TT-Spielens mit verschiedenen Bällen spielen lassen. Einen normalen TT-Ball zur Hälfte mit Edding-Stift bunt anmalen (dunkelblau, dunkelgrün, dunkelrot, schwarz). Ist für Beläge nicht schädlich, da der Farbstoff wasserfest aber alkohollöslich ist. Einmal mit dem Schlägerspray drüber und schon sind mögliche Farbantragungen auf der Belagoberfläche wieder weg. Im Sportgeschäft oder Spielwarengeschäft einen Tennisball aus Schaumstoff besorgen. Der kann zum TT-Spielen ebenfalls verwendet werden. Ist geräuschlos und springt ganz anders als ein 40-mm-TT-Ball. Gut für Koordination! Im TT-Fachgeschäft einen Jumbo-Ball kaufen. Der springt auch etwas anders, ist viel langsamer und gerade Anfänger machen damit weniger Fehler als mit dem 40er-Ball.
Plattenaufstellung: Wenn Ihr Platten habt, die aus zwei getrennten Hälften bestehen, hast Du Riesen-Glück. Entweder die Kinder auf einer halben Platte spielen lassen (auf der für das Doppel wichtigen Linie ein Brett aufstellen, das etwa so hoch wie das Netz ist). Oder eine Hälfte an einen Tisch anfügen, so dass ein langer Tisch entsteht. Jetzt sollen die Kinder auf den beiden äußeren Hälften spielen, der Ball darf nicht auf das mittlere Drittel springen. Notfalls zwei Netze ganz normal anschrauben. Das ist gut für die räumliche Orientierung und die Koordination, später echt genial für Halbdistanz bzw. Topspin auf Topspin oder Ballonabwehr.
Noch etwas zu Hallenzeiten: öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie Mini-Meisterschaften (Sponsoren wie Banken oder Firmen oder Sportgeschäfte gewinnenn) und dann einen Zeitungsartikel veröffentlichen lassen (Lokalredaktion ganz gezielt auf die Veranstaltung hinweisen und zwecks Pressetermin einladen!).
Was Bow über das Verhalten der Anderen schreibt, ist leider ziemlich zutreffend! Sehr gut von ihm erklärt.
Auch ich schließe mich den Wünschen von Bow an und hoffe, dass Du genügend Stehvermögen hast. Wenn Du mal eine Jugend- und oder Schülermannschaft am Laufen hast, wird Dich das für viel Ärger und Frust entschädigen.
Gruß
wolfgang10
|