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AW: Wie geht es mit dem BTTV weiter?
Zunächst möchte ich einmal hervorheben, dass dies seit langem ein Thread ist, der weitestgehend sehr konstruktiv gestaltet ist. Leider sind subjektive Einschätzungen nicht immer vermeidbar (so z. B. manche Äusserungen von Gerhard Schauer, der an anderer Stelle bereits seinen „Frust“ sehr unkontrolliert abgeladen hat und anscheinend sehr viel von sich selbst bzw. den oberbayerischen Trainern hält – vielleicht sollte er seine an sich sinnvollen „Anforderungen an einen Trainer“ auch einmal an sich selbst spiegeln). Weiter sollte versucht werden, Vermutungen (z.B. über Kosten des Internats) zu vermeiden, wenn keine Klarheit darüber besteht – die Erfahrung zeigt, dass leider an anderen Stellen in TT-News Vermutungen immer sehr leichtfertig als Fakten dargestellt wurden.
Nun aber zum eigentlichen Thema:
Die Beantwortung der Fragen, ob ein Verband einen „leitenden Verbandstrainer“ benötigt und ob „die in den Bezirken vorhandenen Trainer geeignet sind, die Erwartungen des Verbandes grundsätzlich zu erfüllen“, ist ohne nähere Analyse nicht möglich.
Meiner Meinung nach besteht in einem Verband ohne einen leitenden Verbandstrainer keinerlei Aussicht auf erfolgreiche Jugendarbeit, nämlich der Förderung und Entwicklung talentierter und leistungswilliger Jugendlicher bis hin zum Hochleistungssport. Generelle Voraussetzung ist natürlich, dass der Verband diese Zielsetzung auch verfolgt und sich nicht ausschließlich auf den Breitensport zurückzieht (letztendlich müssen sich sogar die Bezirke als Unterorganisation des Verbandes mit dieser Zielsetzung identifizieren und eine mittelfristige bis langfristige Strategie unterstützen).
Die Anforderungen an einen „leitenden Verbandstrainer“ möchte ich wie folgt skizzieren:
Welche Pflichten hat ein VT?
- Umsetzung der vom Verband vorgegebenen Strategie hinsichtlich einer zielgerichteten Förderung und Weiterentwicklung talentierter Jugendlicher des Verbandes mit regelmäßiger Zielkontrolle und Berichterstattung an das Präsidium.
-Verantwortungsvolle Betreuung der Jugendlichen bei Trainingsmaßnahmen, Lehrgängen und Turnieren nicht nur in sportlicher Sicht sondern und insbesondere auch in den Bereichen der Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit / körperliches Wohlbefinden und Schule (letztere Punkte auch in Hinblick auf die Interessenlage der Eltern, die während dieser Zeiten einen Teil ihrer Verantwortung an den/die Trainer abgeben, ihre Vorstellungen in diesen Bereichen aber auch sichergestellt haben möchten).
Welche Aufgaben muss aus meiner Sicht ein leitender VT u.a. abdecken?
- Zusammenarbeit mit den Bezirken in Bezug auf Auswahl und Förderung talentierter Jugendlicher und festlegen Trainingsprogramm
- Entwickeln Konzept für flächendeckendes Training (Bezirks- und Verbandsstützpunkte) und umsetzen dieses Konzeptes
- Koordination der unterschiedlichen Trainingsmaßnahmen (Termine und Inhalte)
- Betreuung der Kaderspieler/innen: Planung, Organisation und Durchführung von Lehrgängen, Vorbereitung für und Begleitung bei Turnieren.
- Rundumbetreuung der Internatskinder bzw. Sicherstellung dieser Betreuung (Übernahme elterlicher Pflichten, Aufgaben und Verantwortung (s.o.)).
- Zusammenarbeit mit den Eltern (insbesondere der Kaderspieler/innen).
- Unterstützung der Bezirke bei der Förderung des jüngsten Nachwuchses.
Um die Strategie des Verbandes umsetzen zu können, muss der leitende Verbandstrainer mit ausreichenden Befugnissen ausgestattet sein, was durchaus zu „Kompetenzproblemen“ mit anderen Trainern, die ihm nicht direkt unterstellt sind, führen kann bzw. in der Praxis mit Sicherheit führt. Ein leitender Verbandstrainer muss das Standing haben, sich vor die Jugendlichen zu stellen. Er muss in der Lage sein, Konflikte sachlich und intern auszutragen – öffentliche Anschuldigungen und persönliche Missfallensäusserungen z. B. über TT-News sprechen nicht gerade für die Qualität eines Trainers.
Die oben skizzierte (nicht vollständig beschriebene) Rolle eines Verbandstrainers zeigt, dass dieser neben seiner Qualifikation als Trainer in noch größerem Maße umfassendes Organisationsgeschick und persönliche Qualitäten (Charakterstärke, Ausbildung etc.) besitzen muss.
Ein Trainer, der „nur“ ein guter Trainer ist, reicht für die o.g. Aufgaben (leider) nicht aus.
Persönlich halte ich es somit nicht für vertretbar, auf eine leitenden Verbandstrainer zu verzichten. Im Gegenteil, ich bin sogar der Meinung, dass dieser wesentlich intensiver auf Bezirksebene tätig sein müsste. Es ist sogar zu überlegen ob es nicht besser wäre, dem leitenden Verbandstrainer (mit Unterstützung einer ausreichenden Anzahl weiterer Verbands- Honorartrainer) die Steuerung der Trainingsmaßnahmen eines Verbandes ganzheitlich und verantwortlich zu übertragen. Denn jede weitere Untergliederung hat u.a. Reibungsverluste, Abstimmungsprobleme und Kompetenzstreitereien zur Folge – und dies alles auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen.
Alternativvorschläge hinsichtlich „gleichberechtigtes Trainerteam“, „demokratisches Entscheiden“, „Einstellen/Entlassen eines hauptamtlichen Trainers durch Team von Honoratrainer“ (wer stellt /beurteilt und entlässt dann eigentlich die Honorartrainer?) halte ich nicht für durchführbar und auch nicht für sinnvoll.
Hinsichtlich der sportlichen Förderung müssen m. E. die vielfältigen Möglichkeiten und deren Zusammenwirken betrachtet werden, wie z.B.:
- Vereinstraining
- Bezirksstützpunkte
- Verbandsstützpunkte
- Internat.
Jede dieser differenzierten Fördermaßnahmen hat seine spezielle Bedeutung. Anstatt grundsätzlich auf die eine oder andere Fördereinrichtung zu verzichten sollte man sich eher Gedanken darüber machen, wie sich diese einerseits voneinander abgrenzen und wie diese andererseits aufeinander aufbauen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass in einem kleinen Bundesland eine andere Struktur sinnvoll sein mag als in einem flächenmäßig großen Bundesland wie Bayern. Aus letztem Grund erscheint eine Förderung der besten bayerischen Jugendlichen ohne ein Internat optimal nicht machbar. Andernfalls müßten um jeden dieser Jugendlichen gezielte Trainingseinheiten vor Ort aufgebaut werden, was nahezu unmöglich sein dürfte. Wesentlicher Vorteil eines Internats ist u.a., dass täglich weite Fahrten zu unterschiedlichen Trainingseinrichtungen vermieden werden können (die Fahrtzeiten können somit wesentlich effizienter und effektiver für Trainingseinheiten und Schule verwendet werden).
Als nächstes müßte man sich auch Gedanken über die Lage eines Internats machen. Auch hier gibt es unterschiedliche Zielkonflikte: so sollte das Internat einerseits möglichst zentral in Bayern liegen (und nicht wie am Beispiel Würzburg am äußersten Rand von Bayern – die Entscheidung für diesen Ort dürfte wohl auch stark durch die persönliche Ortsgebundenheit von VT Müller getroffen worden sein), andererseits sollte es aber auch in der Nähe eines hochklassigen Vereins angesiedelt bzw. kostengünstig sein. Zielsetzung eines Internats, daraus abgeleitete Anforderungen an ein Internat und Randbedingungen müßten also genauestens analysiert werden.
Bei all diesen Überlegungen darf eines nicht ausser Acht gelassen werden (und was m. E. bei allen Kommentaren leider generell der Fall ist): die zu fördernden Kinder selbst. Denn hier spielen die persönlichen Eigenschaften, Voraussetzungen, Umfeld etc. die letztendlich wesentliche Rolle – als weitere Komponente kommt somit eine gewisse Flexibilität ins Spiel. Nicht jedes talentierte Kind bekommt im Verein die richtige Förderung, hat einen geeigneten Stützpunkt in seiner Nähe, ist bereit in ein Internat zu gehen, bringt die nötigen schulischen Voraussetzungen mit. Weiter müssen auch die Eltern bereit und in der Lage (zeitlich, finanziell, fahrttechnisch etc.) sein, um die unterschiedlichen Fördereinrichtungen dem Kind bieten / ermöglichen zu können.
Mit all den o.g. Beispielen möchte ich nur die Komplexität aufzeigen. Ohne eine hierarchische Trainerstruktur und ohne einen verantwortlichen und in organisatorischen Belangen versierten VT sind die Probleme wohl nicht zu lösen. Entsprechend der Situation in Bayern muss ein Konzept erarbeitet werden, es muss eine verantwortliche Person geben, die dieses Konzept umsetzt und die Fäden in der Hand hat. Diese Person muss aber auch in der Lage sein, die vielfältigen Trainer mit ihren unterschiedlichen Charaktären und pers. Vorstellungen einzubeziehen.
Trotz der Komplexität der Sachlage bin ich überzeugt, dass durch systematisches Vorgehen und mit Sachverstand eine vernünftige Lösung gefunden werden kann.
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