Einzelnen Beitrag anzeigen
  #73  
Alt 29.05.2005, 19:17
Hogar Hogar ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 2000
 
Registriert seit: 22.07.2004
Ort: Bremen
Alter: 70
Beiträge: 2.494
Hogar befindet sich auf einem aufstrebenden Ast (Renommeepunkte mindestens +40)
AW: Flow IV: "Spass am Spielen" contra "Siegen wollen"

Zitat:
Zitat von martinspin
Flow ist etwas, was entsteht, wenn Spass an einer Tätigkeit vorhanden ist und man völlig in ihr aufgeht.
Hallo Martin,
folgende Beschreibung von Flow habe ich in
http://www.kommdesign.de/texte/flow.htm
gefunden.
Zitat:
Zitat von kommdesign
Die ersten Bestimmungsstücke, die für die Definition des Begriffs Flow wichtig sind, wären also eine fokussierte Aufmerksamkeit und ein Abgeschirmtsein gegenüber Ablenkungen. Dieser Effekte können so intensiv sein, daß das Zeitgitter, in welches wir unsere Handlungen und Erfahrungen gewöhnlich einordnen, kurzerhand mitvergessen wird. Damit haben wir schon ein weiteres wichtiges Merkmal der Flow-Erfahrung dingfest gemacht, nämlich ein Verlust des Zeitgefühls. ...
Hier lauert, das erste Problem, der Verlust des Zeitgefühls kann eine sehr entspannende Wirkung sein, doch dahinter steht die Gefahr die Realität falsch einzuschätzen.
Zitat:
Zitat von kommdesign
Flow ist eine uneingeschränkt positive Erfahrung, die sich aus einem eigentümlichen Gemisch von Anstrengung und spielerischer Leichtigkeit, hoher Konzentration und Selbstvergessenheit zusammensetzt. Dies geht einher mit einem Gefühl von Effizienz und "Können". Flow-trächtige Handlungen werden deshalb gerne und oft wiederholt, und sie werden oft um ihrer selbst Willen ausgeführt, selbst wenn sie bestimmten Zielen dienen...
Wenn dann aber der Alltag sich nicht so Flow-trächtig gestaltet, dann besteht die Gefahr, aus dem Alltag so weit zu entfliehen, dass es schwierig ist, in diesen zurück zu kommen. So habe ich mit dem Schach nach dem Ende einer Beziehung angefangen, dabei hatte ich alles in Frage gestell, und in übertrieben Maße die Leichtigkeit des Schachs gesucht. Das Studium wurde sträflich vernachlässigt, die Beziehungsprobleme zu meiner ehemaligen Frau und meiner Tochter wurden nicht bearbeitet. Man kann sagen, dass ich der war, der mit einem beschränkten Talent am intensivsten Schach gespielt hat. Nun hatte ich Glück (Leichtigkeit des Seins?) und hatte nach einiger Zeit, meine jetzige Frau und ihren Sohn kennengelernt.

Zitat:
Zitat von kommdesign
Der Motor, der sie in einer Situation antreibt, liegt also nicht in einem später eintretenden Erfolg oder einer von außen kommenden Belohnung, sondern gewissermaßen im Ausführen der Handlung selbst. Czikzentmyhalyi, der ein ausgesprochener Freund von Wortneuschöpfungen ist, spricht in diesem Zusammenhang von "autotelischem" Verhalten (auto = selbst, Telos = das Ziel). ...
Die neue Beziehung verlief natürlich nicht ohne Konflikte und meine Frau machte mir damals häufig den Vorwurf, dass ich mich in das Schach flüchte, anstatt an den Konflikten zu arbeiten. Dies führt dann auch zu einer zum Glück nur zwischenzeitlichen Trennung.

Zitat:
Zitat von kommdesign
Eine wichtige Voraussetzung für das Zustandekommen einer Flow-Erfahrung ist, daß die Anforderungen und Fähigkeiten im Gleichgewicht sind. Wenn eine Aufgabe zu schwierig wird, besteht andauernd die Gefahr von Fehlern. Der Handlungsfluß wird dann häufig unterbrochen, man beschäftigt sich gedanklich mit einem möglichen Mißerfolg, und damit entsteht Angst oder Ärger, aber kein Flow. Im umgekehrten Fall, also einer Unterforderung durch eine zu leichte Aufgabe, hat es sich ebenfalls schnell ausgeflowt. Interesse und Konzentration lassen nach, und es entsteht Langeweile. Nun sind natürlich bei sehr primitiven Tätigkeiten (sagen wir, beim Kauen von Kaugummi) Anforderungen und Fähigkeiten ebenfalls im Gleichgewicht, aber niemand käme auf den Gedanken, hier von einer besonders intensiven Erfahrung zu sprechen. Was "keine Kunst" ist, erzeugt also keinen Flow. Die folgende Tabelle faßt diese Zusammenhänge noch einmal zusammen:

http://www.kommdesign.de/texte/bilder/tabflow.gif
Beim Schach aber auch beim TT ist die Anforderung durch die Fähigkeit der Gegner bestimmt. Wie die eigenen Fähigkeiten erworben werden ist mir fraglich. Geschieht dies auch in einer glücklchen Leichtigkeit, oder ist es eine Art von herrstellender Realisation, in der durch einige Tricks die sich widersetzende Umwelt überlistet wird?
Nun habe ich neben Flow und Erfolg noch andere Triebfedern kennen gelernt, doch davon später.

Liebe Grüße,
Horst
__________________
Kann man überhaupt von "Leben" sprechen, wo kein Vergnügen ist? (Erasmus von Rotterdam)
Mit Zitat antworten