Hallo Leute,
ich muss jetzt mal zu dem Posting von Tommy Stellung nehmen, den ich -auch wenn er eine andere Meinung vertritt als ich- für seine vernünftigen und sachlichen Postings schätze:
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Mit einigen Diskutanten scheint die Phantasie durchzugehen. Wer Schadensersatzforderungen stellt, obwohl er so spielen kann, wie er will (einstweilige Verfügung), der hat irgendetwas nicht verstanden.
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Hier meine ich, geht es primär nicht um SE-Forderungen, die sich daraus ergeben, dass bestimmte Spieler nicht spielen dürfen, sondern vielmehr um den Verlust von Sponsorengeldern. Hierzu müssen die Vereine den natürlich nicht einfachen Beweis führen, dass die Verabschiedung der Ausländerregel kausal für das Platzen eines Sponsoringvertrages war.
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Zu Ende gedacht haben aber noch nicht viele das bestehende Dilemma: Was macht ihr denn, wenn einige Vereine im Hauptverfahren gewinnen, andere aber verlieren? Was macht ihr, wenn einige wegen Verfahrensfehlern gewinnen (was die alten Regelungen in Kraft setzt), andere inhaltlich.
Gibt es dann für jede Gruppe eine eigene Liga?
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Ich meine, das von dir aufgezeigte Dilemma ist realiter nicht so groß, wie Du Dir das vorstellst. Zunächst: Ob ein Verein deshalb gewinnt, weil die Ausländerregelung formal rechtswidrig verabschiedet wurde oder ob er gewinnt, weil die Regelung materiell rechtswidrig ist, spielt mE keine Rolle. Der erlangte (Leistungs-)Titel ist derselbe, nämlich Einsatz der Ausländer wegen Rechtswidrigkeit (=Nichtigkeit, § 134 BGB) der Regelung.
In beiden Fällen wird mE die alte Regelung (der status anterior), dh Freigabe aller Ausländer aus ETTU-Staaten fortgelten. Mir ist kein Verein bekannt, dessen eingereichte Aufstellung dieser Regelung widerspräche.
Also mE kein Dilemma.
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Einige sehr Aufgeregte tun so, als wäre das das erste Mal, dass jemand gegen einen TT-Verband wegen irgendetwas vor Gericht zieht. Nein, das ist in den letzten Jahren dutzende Male passiert. Meist haben die Verbände gewonnen, nicht immer.
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Du hast Recht: Es gab (zu) viele Prozesse gegen TT-Verbände. Unrichtig ist, dass die Verbände "meist" gewonnen hätten. Gerade in Sachen Ausländerregelungen haben die Verbände vor ordentlichen (ordentlich hier im doppelten Sinn) Gerichten bislang IMMER verloren.
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Sollten die Verbände immer, wenn jemand klagt, klein beigeben?
Nein, Leute, wir haben gut reden. Geht mal irgendwo wirklich in die Verantwortung in einem Verband, dann holt euch die Realität schnell ein, dann merkt ihr, wie in unserem Sport, der doch angeblich so ein "Randsport" ist, mit juristischen Haken und Ösen gekämpft wird, an ganz vielen Ecken. Da ist es dann ganz leicht, alle Funktionäre als "Amateure" und noch schlimmer zu beschimpfen.
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Ich meine, wer sich öffentlich als "Wahrer des Sports" aufspielt, sollte sich zumindest dann überlegen, ob es einen Sinn hat, weiterzuklagen, wenn die eigene Existenz gefährdet ist. Wer die Verabschiedung der Ausländerregelung (die Panne mit der Wortlautgeltung für die 1. BuLi; die unsaubere Abstimmung; das Chaos, bei dem einige Delegierte nicht wussten, wofür sie den Finger hoben) muss den Eindruck gewinnen, dass es sich bei vielen Funktionären um Amateure handelt. In juristischen Sachen (und das ist nun mal eine Ausländerregel) sind die meisten sogar unbestreitbar schon von berufswegen Amateure.
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Es gibt natürlich eine Alternative: Alle Verbände stellen einen hauptamtlichen Juristen ein.
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Mir fiele noch eine weitere ein: Wenn ich eine Regelung über ein juristisch so heikles Thema machen will, hole ich mir einen Rechtsgelehrten einer Universität und gebe lieber Geld für Gutachten vorher aus, als das ich hohe Prozesskosten zahle und für Verwirrung in den Ligen sorge. Solche Gutachter hätten nämlich die Sache anders angegangen: Rückfrage bei der EU-Kommission, Übergangsregeln, Bestandsschutz, Leitung der Versammlung zur Herbeiführung eines satzungsgemäßen Beschlusses.
Gerade aufgrund der vielen vorangegangenen Rechtsstreits über dieses Thema muss ich doch wissen, dass ich dieses Thema professionell(er) vorbereiten muss. Da kann ich dann nicht kommen mit einer Aussage eines namhaften Funktionärs "Wir haben uns gut informiert..." Nicht ausreichend gut, würde ich sagen!
Bitte nicht den Einwand von wegen "zwei Juristen, drei Meinungen" bringen: Will ich, dass die Regel hält, nehme ich die weitere Lösung und nicht, wie der Verband die engere, und probiere auf Kosten des Sports, ob diese hält.
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Bezahlen wir als Vereine dann die verdoppelten Jahresbeiträge? Oder schimpft ihr dann nicht lieber über eben diese Beitragssteigerungen?
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Die Vereine bezahlen lieber Geld für ein vernünftiges Rechtsgutachten als hohe Summen infolge verlorener Prozesse!
Zitat:
Original geschrieben von Tommy
Ich bleibe dabei: Die Vereinsegoisten sind am juristischen Zuge, vielleicht zu Recht, sie stilisieren sich zu Glaubenskämpfern hoch, die sie nicht sind, sie werden vielleicht gewinnen, und doch haben sie ihre Liga sportlich zerstört.
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Das ist so Schwarz-Weiß gedacht, wie wenn ich behaupte, die Verbände würden sich als Wahrer des Sports und der Jugendförderung aufspielen!
Soweit mal dazu