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AW: 2. bundesliga nord 2004/2005
Schade, dass es hier teilweise so persönlich zugehen muss. Dabei ist die Situation doch eigentlich perfekt, um sachlich darüber zu diskutieren, wie es ja auch größtenteils gemacht wird.
Meine Sicht der Dinge (auch wenn vieles sicherlich zum xten Male wiederholt wird):
Natürlich ist es ein Armutszeugnis für den DTTB, dass die Liga auf sportlichem Wege nicht voll wird. Hier muss man sich wirklich Gedanken um Strukturen, Antrittsgelder etc machen.
Allerdings liegt die Schuld nicht nur beim Verband, sondern auch an den Strukturen im TT an sich. Und daran sind auch die Vereine und die Spieler nicht ganz unschuldig.
Bisherige Zweitligisten wenden extrem hohe Etats auf, um in der 2. Liga zu spielen, teilweise aber mit der feststehenden Prämisse, auf keinen Fall in die 1. Liga aufsteigen zu wollen, da eine Ebene höher genau das gleiche Problem der explodierenden Kosten herrscht. Leider gibt es aber in Deutschland anscheinend nur eine Hand voll (naja, vier Sägewerk-Arbeiter-Hände voll, wenn man die Zahl der Zweitligisten anschaut) Vereine, die solch einen Aufwand betreiben können/wollen, um Zweitliga-TT zu präsentieren.
Was ist das Ergebnis: faktisch schon fast eine Struktur wie in US-Profiligen: Wer eine bestimmte Summe Geld aufbringen kann spielt in der höchsten Klasse, eine etwas geringere Summe reicht aus, um in der zweiten Klasse zu spielen, wirklicher sportlicher Wettbewerb um Auf- und Abstieg erfolgt erst darunter in den "Amateur"-Ligen.
O.K., ganz so weit sind wir im TT noch nicht, aber die Tendenz scheint eindeutig dahin zu gehen.
Ich persönlich mag solche geschlossenen Ligen nicht - ist natürlich Ansichtssache. Dass nun die Klassen mit sportlich (weil finanziell) sicher deutlich schwächeren Teams aufgefüllt ist, kann solche Tendenzen vielleicht abschwächen. Vielleicht kommt ja mal ein sportlicher Aufsteiger auf die Idee, nicht unter Teams spielen zu wollen, die schlechter sind als man selber, oder man sagt sich, O.K., wenn die das können können wir das auch, wir haben ja sogar noch bessere Möglichkeiten, mal was zu gewinnen. (Voraussetzung wäre natürlich, dass zumindest die Kosten durch Meldegeld etc gemindert würden).
Die Unterschiede zwischen den Klassen müssten kleiner werden, um sportliche Aufstiege wieder attraktiver zu machen, das geht wohl momentan nur, indem die höheren Klassen durchschnittlich etwas an Niveau verlieren.
Und das kann nur gehen, wenn nicht immer die gleichen Leute in ihren Ligen spielen. Bisher ist es doch so, dass Mannschaften beim Auf- oder Abstieg fast komplett ausgetauscht werden. Es gibt eine Kreis von Erstligaspielern, von Zweitligaspielern, von Regionalligaspielern und so weiter, die in ihren Ligen bleiben, egal bei welchem Verein. Von daher ist es doch ganz erfrischend, auch mal andere Leute in der zweiten Liga zu sehen, auch wenn ein etwas geringerer Leistungsunterscheid natürlich wünschenswert wäre.
Wie Ihr seht kenne ich natürlich auch kein Patentrezept, um wieder eine bessere Durchmischung der Ligen zu gewährleisten.
Natürlich ist das Auffüllen durch sportlich nicht qualifizierte Teams, die das (auch finanzielle Abenteuer) eigehen wollen, auch ein klassisches Merkmal dieses oben angespochenen "Profi-Ligen-Problems". Dennoch finde ich persönlich es besser, als die Anzahl der Teams zu reduzieren.
Aber diese Frage ist halt persönliche Ansichtssache und genau darum dreht sich die Diskussion auch so im Kreis.
Was jetzt die Vereine und Spieler abgeht: Jeder Spieler muss für sich selber entscheiden, ob er einmal zweite Liga spielen möchte, auch wenn er das mit sehr bitteren Niederlagen erkaufen muss.
Ich persönlich habe auf niedriger Ebene genau so eine Saison mitgemacht (Aufstieg trotz klarer Schwächung des Teams - Ergebnis: Abstieg mit 1:35 Punkten und Rückrunde mit persönlicher Bilanz von 0:15). Ich würde es nicht wieder machen, und in der Rückschau war es auch ein Fehler. Denn obwohl wir wussten, dass wir überfordert sein würden, hatten wir die negative Wirkung einer solchen Saison doch unterschätzt. Ergebnis war, dass wir auch nach dem Abstieg eine Klasse darunter nur noch 8. wurden und ich persönlich erst nach einem Vereinswechsel wieder richtig Spaß am TT gefunden habe.
Dennoch denke, ich dass jeder Spieler das Recht hat, die Entscheidung selber zu treffen, ob er eine solche Erfahrung machen will, und bei dem einen oder anderen mag sich das ja auch ganz anders auswirken. Und darum finde ich es im Endeffekt gut, dass Jever seinen Spielern zumindest die Möglichkeit gibt, für sich zu entscheiden, ob man 2. Liga spielen will oder nicht, und ihnen diese Chance nicht verbaut.
Ob der Verein im Endeffekt etwas davon hat, bezweifle ich. Klar, man kann in der Öffentlichkeit mit Zweitligasport aufwarten. Aber das Interesse wird mit den klaren Niederlagen schnell erlahmen, auch die Zeitungen werden nach dem vierten 9:1 oder 9:0 ihre Berichte verkleinern und die Fans werden auch nicht in Scharen in die Halle pilgern. Ich persönlich hatte zum Beispiel vor, mir mal das ein oder ander Regionalligaspiel, in dem es spannend werden könnte, anzuschauen. Zweite Liga werde ich vielleicht mal besuchen, da es sich um ein Kuriosum handelt, aber um mir klare Niederlagen eines regoinalen Vertreters anzuschauen, kann ich doch lieber nach Bremen fahren, wo das ganze noch auf höherem Niveau passiert, oder bleibe gleich in Hude bei unserer ersten, wo man dann zumindest nach dem Spiel noch ein Bier mit der Mannschaft trinkt.
Aber wie gesagt: im Interesse der Spieler habe ich absoluten Respekt vor der Entscheidung des Vereins und hoffe, dass es keine großartigen negativen Effekte für den MTV hat.
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