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Alt 16.07.2005, 14:25
MiHu MiHu ist offline
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AW: Klebt ihr nach der neuen Frischkleberegelung weiter?

Zitat:
Zitat von Hogar
Das sehe ich nicht so, für das Fair Play ist das sich an die Regeln halten zwingend notwendig. Siehe hierzu auch http://www.nok.de/projekt/faecher/sp...saeulen_1.html

1. Fairplay ist Ausdruck einer menschlichen Haltung, die sich im achtsamen Verhalten gegenüber sich selbst, gegenüber anderen, aber auch gegenüber der Um- und Mitwelt ausdrückt.Fairplay beweist sich im Sport, aber nicht nur!
2. Fairplay ist die Kernqualität der Einstellung im zwischenmenschlichen und mitweltbezogenen Bereich! Appelle, Verbote oder Strafen sind keine probaten Mittel, sie situationsübergreifend und mit Dauerwirkung zu fördern! Es müssen handlungswirksamere Methoden gewählt werden!
3. Faires Verhalten setzt bestimmte Fähigkeiten voraus! „Achtsamkeit“, „Ehrlichkeit“, „Selbstvertrauen“, „Rücksicht-nahme“, „Verlieren-können“ und „Einfühlungsvermögen“ („Empathie“) sind diese Voraussetzungen, die es dazu braucht, und die es gezielt zu fördern und zu entwickeln gilt! Moralisches Lernen bedeutet stets Arbeit an der eigenen Persönlichkeit! Faires Verhalten kann letztlich nicht gelehrt, dafür aber vorgelebt und gelernt werden!
4. Diese Fähigkeiten werden in einer Unterrichtsatmosphäre gefördert, in der Kameradschaftlichkeit, Offenheit und Verständnis möglich ist!
5. Dem Erfolgsprinzip, das sich in „Konkurrenz“, „Sieg“ und „Niederlage“ ausdrückt, muss die Schärfe genommen werden! Vielmehr müssen auch das Wohlbefinden, das Zusammenspiel, das Spielerlebnis, die Qualität eines Spiels überhaupt sowie die inneren „Sensationen“ angestrebt, betont, hervorgehoben und gepflegt werden!

6. Nicht nur was wir tun ist wichtig, sondern vor allem: wie wir es tun!
7. „Wir sind die Vorbilder!“ - Nicht unsere Worte, sondern die Art, wie wir mit den Schüler/innen umgehen, und die Art, wie wir Konflikte lösen, macht uns glaubwürdig!
8. Moralisches Handeln setzt Selbständigkeit und Verantwortungsgefühl voraus! Dafür müssen Lerngelegenheiten geschaffen werden, beispielsweise bei der Mitgestaltung des Unterrichts oder bei der Festlegung formeller und informeller Regeln!
9. Die Bereitschaft und Fähigkeit, Konflikte lösen zu können, muss frühzeitig gefördert werden! Konflikte dürfen nicht nur negativ bewertet werden; sie können und müssen auch als Chance zur Veränderung und zur Entwicklung, aber auch als Herausforderung, noch mehr am Thema „Fairplay“ zu arbeiten, aufgefasst werden!
10. Ziel der Fairplay-Erziehung muss es auch sein, weniger Schiedsrichter einzusetzen, nicht mehr! Der Schiedsrichter sollte in jeden Einzelnen von uns „transplantiert“ werden! Dies kommt im folgenden Zitat zum Ausdruck: „Jeder achtet darauf, dass er von seinem Nachbarn nicht betrogen wird. Aber es kommt der Tag, an dem er anfängt, darauf zu achten, dass er seinen Nachbarn nicht betrügt.

Canadian Olympic Association 1989
Aus: Schweizerischer Olympischer Verband in Verbindung mit der Deutschen Olympischen Gesellschaft (Hrsg.): Erziehung zu mehr Fairplay. Anregungen zum sozialen Lernen - im Sport, aber nicht nur dort! Bern 1998.


Fair play ist für mich analog des oben aufgeführten Zitats eine Einstellung und nicht Einhaltung der Regeln. Regeln können nämlich nie das ganze Spektrum erfassen und können zudem verschieden interpretiert werden. Manchmal muss ich eine Regel verletzen, weil sie mir einen Vorteil verschaffen würde bzw. meinen Gegner benachteiligt. Bei Schiedsrichtern nennt man das "Fingerspitzengefühl".

Das Problem in unserer Gesellschaft ist zum großen Teil die Unfähigkeit der Machthaber, egal ob im Verein, Verband, Politik, Kirche, einen tragfähigen Rahmen zu schaffen. Stattdessen wird versucht, auch um seine Unersetzlichkeit und seinen Arbeitseifer zu beweisen, die letzte Kleinigkeit zu regeln (Stichwort Sportkleidung). Was logischerweise zu Verdruss bei der Basis führt, da sie immer weniger mitgestalten können. Zweitens sorgt eine zunehmende Flut an Regeln dafür, dass nur noch wenige alle Regeln kennen. Die Regelhüter betreiben in der Folge nur noch Arterhaltung (Stichwort Elfenbeinturm). Sie müssen nämlich ihre ganze Energie verwenden, die bestehenden Regeln zu verwalten. Für die anderen verlieren die Regeln zunehmend an Bedeutung, da ja niemand mehr alle Regeln kennt. Die Regeln werden ignoriert. Trotzdem existiert das "Fair play" und wird praktiziert!
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"Eine Frau, die so gut sein will wie ein Mann, hat einfach keinen Ehrgeiz." (Bodo Hauser)

Geändert von MiHu (16.07.2005 um 14:28 Uhr)
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