Hoi zäme
Nach den vielen Threads über die Materialfragen zu Hölzern wage ich nun die Zusammenhänge zwischen dem "Holz" und der "Spielweisen" aufzuzeigen. Ich habe dabei bewusst auf die Parameter Tempo und Spin verzichtet, obwohl es sicher Zusammenhänge gibt. Ich werde Tempo und Spin separat im Zusammenhang mit dem Materialfragen zu den Belägen ausführlich behandeln und dann auch die Zusammenhänge zum Holz erschliessen.
Dieses System kann helfen, ...
-> einen kurzen Überblick über die sechs wichtigsten Parameter des Holzes zu erhalten.
-> das eigene Holz im Vergleich mit andern zu beurteilen.
-> für sich die eigene angestrebte Spielweise definieren und die passenden Eigenschaften des Holzes eruieren.
Achtung TT ist ein Spiel und ich empfehle ausdrücklich einen spielerischen Umgang mit dem System!
Holzgewicht
Theorie
Beim Gewicht der Hölzer gibt es grosse Unterschiede die von ca. 60 Gramm bei Balsahölzern bis zu 95 Gramm bei schweren Offensivhölzern reichen. Das Gesamtgewicht eines Schlägers ist auch stark von den Gewichten der Beläge (Unterschiedliche Schwammhärten führen zu grossen Gewichtsunterschieden) und vom Frischkleben (Eine Schicht je Belag frischkleben erhöht das Gewicht um 2 Gramm) abhängig.
Test
Nehmt eine Küchenwaage und misst das Gewicht des Holzes und des ganzen Schlägers: Ein Schlägergwicht um 150 Gramm und weniger ist sehr leicht, um 160 Gramm leicht, um 170 Gramm Durchschnitt, um 180 schwer und um 190 und mehr sehr schwer.
Spielsysteme
Ein schweres Holz (Schläger) verleiht einer VH- bzw RH-orientierten Spielweise viel Stabilität. Wenn z.B. einer meist mit der VH zieht und schiesst und mit der RH schupft und blockt, braucht er die RH-Seite kaum je stark geschlossen zu halten. Der Wechsel zwischen geschlossener VH und RH enfällt und da darf dann das Gewicht des Holzes auch ruhig etwas höher sein. Wenn ihr also der Meinung seid, dass es zu euch passt, eine Seite stärker zu entwickeln, ist ein etwas schwererer Schläger von Vorteil.
Ein leichtes Holz (Schläger) bringt Vorteile für ein beidseitiges Spiel, da die Wechsel zwischen RH und VH bei gleichen Schlägen (z.B. Topspin) schneller und dadurch auch kontrollierbarer werden. Wenn ihr der Meinung seid, dass ein schnelles beidseitiges Spiel euer Ding ist, dürfte ein leichterer Schläger die bessere Wahl sein.
Zusammenhang zwischen Holzgewicht, Tempo und Griffigkeit
Grundätzlich schwingt ein schweres Holz langsamer wie ein leichtes. Daher hat das Holzgewicht Einfluss auf das Tempo und den Spin. Die langsamere Eigenschwingung des schweren Holzes hat zur Folge, dass das Tempo langsamer ist und damit die Ball-Schläger-Kontaktzeit grösser ist, was unter anderem auch mehr Spin ermöglicht. Trotzdem darf der Einfluss des Holzes auf Tempo und Spin nicht überbewertet werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einfluss des Holzes auf Tempo und Spin zwischen 10% und 20% liegt. Auf Grund dieser Tatsache würde ich davon sprechen, dass das Holz Tempo- und Spineigenschaften zusätzlich unterstützt. Leichtere Hölzer unterstützen sinngemäss die Rotation weniger als schwere Hölzer. Möchte jemand trotzdem mit viel Spin agieren, sollte er darauf achten, dass die Beläge entsprechend griffiger sind. Bei eher kontrollierter Spielweise macht es Sinn, ein schwereres Holz und nicht zu dicke Beläge zu verwenden.
Schlägergrösse
Theorie
Hauptsächlich reden wir im Zusammenhang mit der Schlägergrösse von der Blattgrösse. Offensive Hölzer haben oft ein kleineres Schlägerblatt mit einer Grösse z.B. von 149 mm (Breite=breiteste Stelle) X 153 mm (Länge=von der Spitze bis zum Griffanfang). Schlägerblätter von Abwehrhölzern sind in der Regel grösser und haben z.B. die Masse 157 mm x 163 mm oder noch mehr. Die Längen des Griffs (Griffschalen) sind fast bei allen Hölzern meist um 100 mm rum.
Test
Misst euer Holz mal aus, vergleicht es mit der Katalogangabe und mit andern Hölzern, die es auf dem Markt gibt.
Spielsysteme
Ein kleines Holz ermöglicht ein schnelles und stabiles Spiel am Tisch. Nachteilig verhält sich das kleine Holz beim Spiel aus der Halbdistanz, da es zu wenig Beschleunigung und damit Stabilität hat. Seid ihr der Meinung, dass für euch ein tischnahes Spiel stimmig ist, seid ihr mit einem eher kleinen Holz gut beraten.
Ein grosses Holz verleiht dem Spiel aus verschiedenen Distanzen mehr Kontrolle. Insbesondere das Spiel aus der Halbdistanz wird durch das etwas grössere Schlägerblatt stabiler und die Trefferquote wird wegen der erhöhten Blattgrösse höher. Am Tisch spielt es sich mit einem grossen Schlägerblatt wegen der langsameren Beschleunigung nicht gleich kontrolliert wie mit einem Kleineren. Seit ihr der Meinung, dass ein Spiel mit varibalen Distanzen zu euch passt, ist ein grösseres Holz von Vorteil.
Ausnahmen
Es gibt einige tischnahe Spieler, die ein grösseres Schlägerblatt bevorzugen. Das hat unter anderem den Vorteil, dass sich ein grösseres Blatt gefühlvoller bzw. spinniger spielt und darüber hinaus der Sweetspot wegen der Grösse auch umfassender ist. Für tischnahes Schupf-, Stör-, Block- und Konterspiel dürfte dieses Material durchaus seine Vorteile haben. Für ein aggressive und hartes Spiel mit Spin in Tischnähe halte ich das grosse Schlägerblatt für nicht sehr geeignet.
Holzbalance
Theorie
Ein Holz kann grundsätzlich Kopf-, Mittel- oder Grifflastig sein. Grundsätzlich sind kleinere Hölzer
mit Belägen kopflastiger, da das Belagsgewicht einen höheren prozentualen Anteil am Gesamtgewicht hat. Auch hier gilt es letzlich die Lastigkeit des ganzen Schlägers zu betrachten.
Test 1
Der Schwerpunkt eures Holzes (Schlägers) lässt sich relativ leicht mit der Ein-Finger-Methode herausfinden. Haltet den gebogenen Mittelfinger unter das horizontal gehaltene Schlägerblatt und sucht den Punkt, wo das Holz ausbalanciert ist.
Test 2
Nehmt eine Leiste, einen Massstab oder so was und legt das Holz quer. Sucht die Stelle, wo das Holz im Gleichgewicht ist.
Ist dieser Punkt ca. in der Mitte der Gesamtschlägerlänge ist das Holz mittellastig. Ist der Schwerpunkt mehr zur Schlägerspitze hin, ist das Holz kopflastig und der Schwerpunkt näher zum Griff hin weist auf ein grifflastige Holz hin.
Spielsystem
Ein mittellastiger Schläger (grifflastige Schläger gibt es meines Wissens nicht sehr oft) liefert grössere Stabilität beim Spiel über Tisch und eignet sich für (Spin-)Block, Schupf, (Spin-)Konter, Schuss, Flip, Stör, usw. Seid ihr der Meinunung, dass euch das Spiel über Tisch besonders liegt, empfiehlt sich ein mittellastiger Schläger.
Der kopflastige Schläger liefert mehr Kontrolle bezüglich der Bewegungsebene beim Spiel mit Rotation und eignet sich gut für Rotationstopspin, US-Abwehr, Topsspins aus der Halbdistanz, Ballonabwehr, usw. Spielt ihr gerne mit steileren Bewegungsebenen und seid diesbezüglich variabel, ist ein kopflastiger Schläger von Vorteil.
Holztempo bzw. -kontrolle
Theorie
Eines der wichtigesten Entscheidungen beim Kauf eines Holzes ist dessen Tempo. Da mehr Tempo auf Kosten der Kontrolle geht, stehen diese beiden Fakten proportional zueinander. Ein superschnelles Holz, kann nicht die gleich hohe Kontrolle haben wie ein langsameres Holz. (... auch wenn Werbeprosa das gerne anderst sieht). Werte zum Holztempo liefert jeder TT-Katalog und jede Internetsite über TT-Material. Beachtet werden muss, dass es bezüglich der Tempoangaben der verschiedenen Marken grosse Unterschiede gibt. Die Werte sind als relativ innerhalb einer Marke zu verstehen und nicht absolut.
Test
Das Tempo könnt ihr am Einfachsten durch Vergleichen mit andern Hölzern ermitteln. Geht in einen Shop und tippt mit den verschiedenen Hölzern den gleichen TT-Ball. Es werden sehr schnell Unterschiede im Absprungverhalten erkennbar. Je schneller der Ball das Blatt wieder verlässt, umso schneller ist das Teil.
Spielsystem
Das schnelles Holz streut die Bälle stärker und die Winkel können damit schneller und direkter angespielt werden. Wegen der stärkeren Streuungen des schnellen Holzes sind kleinste Platzierungsunterschiede beim parallelem Spiel zur Mitte weniger präzise gespielt. Seid ihr der Meinung, dass eure seitlichen Platzierungen hauptsächlich über die Winkel bzw. diagonale Platzierung laufen sollten, ist ein schnelles Holz zu empfehlen.
Das tempo-kontrollierte Holz streut den abgehenden Ball weniger und hat dadurch deutlich mehr Möglichkeiten für die parallel mittige Platzierung zur Verfügung. Nachteilig beim kontrollierten Holz verhält es sich bei schnell gespielten Platzierungen in die Winkel, weil ihr euch tendenziell erst einmal richtig hinstellen müsst und nicht einfach bloss die Hand richtig stellen könnt. Seid ihr der Meinung, dass ihr extrem gerne die Platzierung variieren wollt und euren Gegner häufig auf den Körper oder dem Wechselpunkt abspielt, ist ein kontrolliertes Holz besser (... und der Ball wird wahrscheinlich öfter auf dem Tisch landen wie mit einem schnellen Holz)
Abstimmung Holztempo-Schwammstärke
Hast du dein ideales Material gefunden, macht es Sinn, die Schwammstärke auf das Holztempo abzustimmen. Das schnelle Holz streut die Bälle stärker und mit dickem Schwamm hast du ein höheres Grundtempo der Schläge zur Verfügung. Mit einem kontrollierten Holz kannst du präziser zur Mitte platzieren und mit kleiner Schwammstärke ist das Grundtempo deiner Schläger langsamer. Durch die verschiedenen Schwammstärken innerhalb deines Spielsystems kannst du deinen Schläger feintunen und die Schwammstärke auf das Holz abstimmen.
Spielweise und Tempo
Schnelle Hölzer sind beim Einsatz von frontalen Schlägen (Block, Konter, Schuss) schwieriger zu kontrollieren. Je mehr ihr mit tangetialen Schlägen spielt, umso mehr ist es möglich, das Tempo in Spin umzuwandeln. Es ist eine Grundsatzentscheidung, ob ihr mit einer oder gar beiden Seiten eher frontal oder tangential spielt. Je mehr Topspin euer Spiel aufweist, umso schneller darf das Holz sein und umgekehrt. Spielt ihr z.B. mit der VH gerne tangetial und mit der RH eher frontal, könnte ein Kombiholz das Richtige sein.
Holzhärte
Theorie
Ob sich ein Holz gefühlvoll spielen lässt oder eher ein hartes Angriffsspiel unterstutzt hat mit der Härte des Holzes zu tun. Im Zusammenhang mit der Holzhärte tauchen auch Begriffe auf wie Feeling und Rückmeldung. Grundsätzlich sind Angriffshölzer eher hart ausgelegt und Allroundhölzer eher weich. Weiche Hölzer erlauben eine bessere Rückmeldung an die sensomotorischen Stellen der Hand und somit kann die Flugkurve des Balls besser gesteuert werden. Harte Hölzer haben in der Regel eine höhere Grundschnelligkeit und liefern weniger Rückmeldung
Test
Auch hier geht's nur über einen Vergleich zwischen verschiedenen Hölzern. Legt das Holz auf eure Hand und lasst den TT-Ball auf das Holz fallen. Wie stark spürt ihr das Auftreffen des Balls auf der Hand im Vergleich zwischen den verschiedenen Hölzern?
Spielsystem
Das harte Holz hat ein schnelles Absprungverhalten und eignet sich dadurch sehr gut für lange Bälle, also für Konter, Schuss, schnelle Topspins, Flips usw.. Nachteilig wirkt sich ein hartes Holz beim Aufschlag/Rückschlag, beim Kurz-Kurz-Spiel, beim variblen Blockspiel, usw. aus. Seid ihr der Meinung, dass ihr die Bälle hauptächlich lang spielen wollt, ist ein hartes Holz von Vorteil.
Das weiche Holz hat eine dämpfende Wirkung auf den Ballabsprung und die Länge der Flugkurve kann dadurch besser differenziert werden. Vorteile des weichen Holzes sind die oben erwähnten Nachteile des harten Holzes. Seid ihr der Meinung, dass ihr gerne die Länge der Bälle variieren wollte, seid ihr mit einem weichen Holz gut bedient.
Biegefestigkeit
Theorie
Hölzer verhalten sich unterschiedlich elastisch. Abwehrhölzer verbiegen sich z.T. beim Ballauftreffpunkt leicht und Kunsstoff-Angriffshölzer verhalten sich sehr steif. Es werden folgende Elastizitässtufen unterschieden: Elastisch, kontroll-elastisch, tempo-elastisch, fast steif und steif. Ein wichtiger Vorteil von steifen Hölzern ist der vergrösserte Sweetspot, d.h. dass das Absprungverhalten auf dem ganzen Schlägerblatt fast gleich ist. Oft wird die Biegelastizität den verschiedenen Spielsystemen DEF, ALL und OFF zugeordnet, wobei OFF tendenziell steife und schnelle Hölzer sind und DEF elastische und langsame Hölzer.
Test
Wieder muss ein Vergleich mit verschiedenen Hölzern her. Haltet das Holz am Griff und lasst den TT-Ball darauf fallen. An der Höhe des Ton könnt ihr die Biegefestigkeit des Holzes erkennen. Je höher es klingt, umso steifer ist es.
Spielsystem
Das steife Holz produziert einen flachen Ballabsprung und ist daher besser für Schläge mit flacher Flugkurve geeignet. Schläge mit deutlich gebogener Kurve sind mit steifem Holz schwieriger zu spielen. (z.B. Rotationstopspin) Bist du mehr so der Typ "Flach spielen - Hoch gewinnen" ist für dich ein steifes und schnelles Holz die bessere Wahl.
Das elastische Holz produziert eine gebogenere Flugkurve und eignet sich gut für Flugkurven mit variablen Höhen. In der Regel spielen sich elastische Hölzer weniger schnell und die Stärke liegt eher im Rotatiosbereich wie im Tempobereich. Spielst du gerne mit variabler Flugkurve und variabler Rotation, ist ein elastisches Holz für dich das Richtige.
Glückwunsch an alle, die bis nach unten gelesen haben und irgendwas verstanden haben.
Wäre super, wenn ihr das Spiel mit euerem Material mit meinen "Behauptungen" vergleichen würdet.
Gruss
Martin