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AW: Bush und das Amerikanische System
weil es gerade in einem anderen Thread in Richtung USA und Bush geht ...
Es ist durchaus nicht so, daß die USA nur von Kleingeistern bevölkert ist, die keine Ahnung haben, wo Deutschland überhaupt liegt, geschweige denn, wer Regierungschef ist. Es gibt in der Tat einen Haufen von denen, wahrscheinlich ein paar mehr als in Deutschland, aber so viel besser sind die meisten hier auch nicht informiert.
Vielleicht kann sich ja mal der melden, der auf Anhieb die Regierungschefs der Nachbarländer Deutschlands nennen kann.
Zurück zu den USA. Eigentlich sollte man denken, daß jeder Amerikaner, der ein wenig über seinen Tellerrand hinausblicken kann bzw. schon einmal im Ausland war, die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, sobald er das Wort "Bush" hört. In Wirklichkeit hat Bush jedoch auch in diesem Lager viele Wähler. Meines Wissens nach rekrutiert sich Bushs Wählerschaft aus den folgenden Gruppen:
1) Gerne zitierte Rednecks, die Pickup-Trucks fahren, das Militär toll finden und noch niemals außerhalb der USA gewesen sind (höchstens mal in Cancun). Die hören irgendwelche Parolen, Worthülsen, die gar nix aussagen, und wählen die Republikaner, egal was kommt.
2) Leute, die sich Vorteile erhoffen. Besserverdienende, die auf Steuergeschenke hoffen. Leute, denen eine Stärkung der Wirtschaft in bestimmten Bereichen (z.B. Öl) sehr zugute kommt. Ich war letzten Winter in Louisiana, wo die Wirtschaft stark auf Öl basiert. Baton Rouge und Lafayette zum Beispiel sind wahre Boomtowns. Ich habe einen Koch kennengelernt, der einen Catering-Service betreibt und sich daran dumm und dämlich verdient, weil die restliche Wirtschaft dort auch brummt. Der Mann wählt garantiert Bush - auch wenn er selbst schwul ist.
3) Religiöse Leute. Aus für mich unerklärlichen Gründen sind viel mehr Menschen in den USA sehr religiös, oft schon mit grotesk-naiven Zügen. Und da Bush es schaftt, sich als frommer Christ darzustellen, wählen sie ihn. Der Verstand ist in dem Punkt komplett ausgeschaltet - wie so oft, wenn Religion im Spiel ist, aber das ist ein anderes Thema.
Ich habe einen Bekannten aus einer ländlichen Gegend in Missouri. Er hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt, aber immer die neuesten Infos aus Redneck-Land erhalten. Da haben die Priester den Leuten vor der letzten Wahl doch glatt erzählt, bei einem Sieg der Demokraten würden ihnen die Bibeln weggenommen. Klar, wen die dann wählen.
Ein anderer Freund meiner Lebensgefährtin (sie ist selbst Amerikanerin) ist in Alabama verheiratet. Bis vor kurzem weitgehend religionsfrei und glücklich. Bis seine Frau "fast" eine Affäre hatte, ein schlechtes Gewissen bekam, und in die Kirche ging. Die Priester haben ihr dann lange genug eingeredet, daß ihr größtes Problem sei, daß ihre Familie nicht genug an Gott glaubt... Jetzt steht wohl die Scheidung vor der Tür.
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