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Alt 19.08.2005, 09:48
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AW: Birand Bingül - Ping Pong


Also, Dan Brown ist ein Verzweiflungsautor: er bringt den Leser zur Verzweiflung...das Zeugs mit der Antimateriebombe hört sich ja noch ganz cool an, auch wenn man spätestens beim Namen dieser hypergeheimen Schweizer Forschungsanlage das Lachen nicht mehr verkneifen kann. Die Story verfügt weder über einen sogenannten linearen Verlauf, wodurch "Spannung" inszeniert wird, denn der Leser hat keinen Plan, was als nächstes noch fürn Scheiß mitreingezogen wird. Also, sowohl mit der Aufmache "Anitmateriebombe" hätte man einen mittelprächtigen Sci-Fi-Roman aufziehen können als auch mit der Kombi "dunkle Sekte vs. Vatikan" nen ganz netten Grusel-Psychothriller oder mit "Schatzsuche quer durch Rom, wobei sich sexy Forscherin und Gruftie näherkommen" nen Adventure-Liebesschmöker, aber die Kombination von all dem ganzen führt zu einem einzigen Wirrwarr aus undurchdachten Verwicklungen und einem Plot, der dem Leser, der noch in der Lage ist, ihm zu folgen (was durch Dan Browns Schreibstil eigentlich erleichtert wird, um mal was gutes zu sagen; er schafft nämlich die Verknüpfung von Kapiteln mit dem billigsten Trick der Romanschreiberei. Ende des Kapitels: "die Tür öffnete sich langsam, X ergriff eine Flaschenscherbe udn zückte sie Richtung Kerkertür undd herein trat mit grausamem Gelächter...(Ende des Kapitels).
Nächste Seite, Anfang des neuen Kapitels: "Y...lachte leise, als er die Bürotür zumachte und sich seiner Arbeit zuwandte."
Ist ja ganz nett und oft angewandt, aber nach 20 mal gehts auf die Nerven...)
Zurückblebt ein Publikumserfolg sondergleichen, weil Brown es schafft, all dass zusammenzubraten, was den Leuten gefällt und es in einem derart aufreißerischen Stil schreibt mit derart unglaubwürdigen Begebenheiten, dass die an sich bedrückenden Inhalte (bedrückend sowhl von Sinn und Logik als auch vom behandelten Thema) extrem lächerlich erscheinen und der Leser nie den Eindruck hat, im entferntesten in Browns Welt einzutauchen oder sich mit einem der samt und sonders platten und klischeehaften Charaktere zu identifizieren. Man liest das Buch in einem Rush runter, um sich danach zu fragen, ob man nicht lieber ins Schwimmbad gegangen wäre oder einen Wannabe verschlungen und etwas für allgemein anerkannte Bildung getan hätte, die einem Oma vielleicht noch mit nem 10er belohnt...
Meine Empfehlung als trashiger Publikumsschlager: John Grisham, bekannt als Autor von "die Akte" und "die Firma". Weiterhin auch noch ganz gelungener Roman: Der Pate von Mario Puzo.
Beide schreiben logisch sinnvoller und doch aktionreich und sind nett zu lesen. Ist doch klar, dass keiner in unserem Alter Bock hat auf Goethe und die ollen Kamellen, aber bitte kein Dan Brown
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Isaac Newton, 4.1.1643 (Woolthorpe) - 31.03.1727 (Kensington), gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten. Er hatte entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung von Astronomie, Physik und Mathematik und hatte leider noch nicht das Glück, nichtlustig.de zu kennen.
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