Ob es an dem gute Lagertraining zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft gelegen hat?

Bei der laufenden Asienmeisterschaft in Suedkorea schafften die Damen aus dem Gastgeberland einen Wunder und bezwangen im Halbfinale die "allmaechtigen" Chinesinnen. Damit durchkreuzten sie nicht nur Chinas Plan, ihren 6. Damenmannschaftstitel in Folge bei der AM zu gewinnen, sondern machten die Chinesinnen zum ersten Mal seit 1990 zu Zuschauerinnen bei der Finale.
Noch vor zwei Tagen sah es ganz anders aus. Da verloren die Suedkoreanerinnen klar 0:3 gegen die Chinesinnen, die in die gleichen Gruppen gelost wurde. Viele trosteten sich mit der Argument, zumindest wuerde man bei den KO-Runden nicht mehr so frueh auf China treffen. Doch die Hauptrunden-Auslosung ging wieder zu Unguten des Gastgebers, die nicht wie erhofft erst im Finale, sondern schon im Halbfinale sich China wieder stellen musste.
Dafuer fuehrte die Cheftrainerin der suedkoreanischen Damenmannschaft, Ex-Weltmeisterin Hyun Jung Hwa eine taktische Manoever vor, die sehr an die beruehmte Sepp-Herberger-Taktik erinnert. Im Gruppenspiel gegen China versteckte sie ihre Lieblingsschuelerin Moon Hyun Jung, die bei der WM in Schanghai durch ihren Sieg ueber Wang Nan fuer die groesste Ueberraschung im Damen-Wettbewerb gesorgt hat. Bei der Halbfinal-Begegung durfte Moon dann als Erste antreten und erzielte mit ihrem Aggresiven Penholder-Angriffsspiel, die sehr an das Spiel ihrer Lehrerin Hyun erinnert, prompt den erwuenschten Erfolg: Sie schlug im Eroeffnungsspiel Niu Jianfeng mit 3:1. Danach setzte die Abwehrspezialistin Kim Hyung Ah eins darauf und bezang Guo Yue mit 3:2. Ploetzlich stand China mit dem Ruecken zur Wand.
Doch die Nummer drei der Chinesinnen, Guo Yan bewies Nerven und Moral. Mit groesster Anstrengung gewann sie mit 3:2 gegen Lee Eun Hee, ebenfalls Penholder-Spielerin und juengere Schwester von Lee Eun Sil, die vor kurzem ihre Karriere beendet hatte. Danach hatte China anscheinend wieder Luft zum Atmen bekommen, Guo Yue schlug im vierten Spiel Moon Hyun Jung souveraen mit 3:0.
Im Entscheidungsspiel trafen schliesslich Kim Hyung Ah auf Niu Jianfeng, bekannt als eine der weltbesten Spielerin gegen Abwehr. Noch vor zwei Tagen gewann Niu im Gruppenspiel muehelos mit 3:0 gegen Kim. Doch heute schien sie mit der Nerven am Ende zu sein. Sie verlor sang- und klanglos mit 0:3.
Chinas TT-Damen geht es im Moment wahrlich nicht gut. Nummer eins Zhang Yining leidet immer noch unter dem Knochenbruch ihrer Schlaegerhand; Nummer zwei Wang Nan ist seit der WM in einer Dauertief gefallen und hat in der laufenden Superliga-Saison einen unsaeglichen 11:10-Bilanz; Nummer drei Niu Jianfeng hat eine (chronischen) Ellbogenverletzung und musste zuletzt immer wieder pausieren; Nummer vier Guo Yue hat wegen der (ebenfalls chronischen) Huefteverletzung mehrere Wochen ausgesetzt und ist noch immer nicht ganz gesund; Nummer Fuenf Guo Yan, die aufgrund des Ausfalls der Spitzenspielerin ihrer Superliga-Clubs, Zhang Yining, ploetzlich selbst die tragende Spielerin der Mannschaft geworden ist, schien zunaechst dem Druck nicht ganz gewachsen zu sein und verloren mehrmals gegen vermeintlich schwaechere Gegnerin - immerhin war das aber eine gute Erfahrung fuer sie, aus der sie Nervenstaerke gewonnen hat, wie sie es heute unter Beweis stellte.
Fuer diese Asienmeisterschaft hat China vorherein erklaert, man werde die Chance nutzen, junge Spielerin und Spielerin auszubilden, und schickte jeweils nur eine Spielerin - Niu Jianfeng - und einen Spieler - Wang Liqin, die ueber 21 Jahre alt ist. Daher kann man sagen, China ist diesmal auf gewisse Niederlagen gefasst. Doch aller Erklaerungen und Ausreden kann die Tatsache nicht darueber hinweg taeuschen, dass die chinesische Damenmannschaft heute einfach schlecht gespielt hat. Die Niederlage erinnert sich an die Asiatischen Spielen (continentales Olympia) 2003 (ebenfalls in Suedkorea), als Chinas Damen in Mannschaftsfinale ueberraschend 1:3 gegen Nordkorea verloren. Damals gab die Fuehrungsspielerin Wang Nan zwei Punkte ab, heute erlag Niu Jianfeng in gleicher Position der gleichen Schicksal.
Nur ist Niu Jianfengs Position in der chinesischen Nationalmannschaft mit die von "Kaiserin" Wang Nan nicht zu vergleichen. Wenn Niu nicht zufaellig bei dem kommenden Einzelwettbewerb Gold holt, duerfte ihre Karriere als A-Kader-Spielerin der chinesischen Nationalmannschaft beendet sein. Junge Spielerin, die bereits erfolgreicher spielen als sie, gibt es nicht wenig.
Morgen treffen die Koreanerinnen in der Mannschaftsfinale auf China II - sprich Hongkong. Man darf gespannt sein, ob diese sich fuer ihre Schwester auf dem Festland raechen kann. Bei den Herren spielen in den Halbfinalen jeweils China gegen Hongkong und Suedkorea gegen Taipei.