|
AW: Asien-Meisterschaft: Chinas Damen verloren gegen Suedkorea
Das Schicksal ist noch immer hart fuer den suedkoreanischen Tischtennis. Gestern unterlagen sowohl ihre Damen- als auch Herrenmannschaft im Finale - wieder einmal kurz vor dem Ziel und tragisch gescheitert.
Gegen Hongkong wartete die suedkoreanische Damentrainerin Hyun Jung Hwa erneut mit einer taktischen Ueberraschung auf. Sie stellte zwei Abwehrspielerin, Kim Hyung Ah und ihre Doppelpartnerin Kim Bok Rae auf die Position eins und zwei, ihre Schuelerin Moon Hyun Jung auf drei. Diese Aufstellung machte technisch wenig Sinn - zumal Kim Bok Rae keine wirkliche Weltklassenspielerin im Einzel ist, dafuer taktisch um so mehr Sinn. Als Ziel gilt klar, die gegnerische Mannschaft durch langatmiges Abwehrspiel zu zermuerben und verunsichern, um sie dann mit Hilfe des Finaldrucks und der Heimpublikum mental zu zerbrechen. Zudem setzte Hyun offenbar sehr stark auf die Erfahrung und Fuehrungsstaerke der beiden aelteren Abwehrspielerin (Kim Hyung Ah war Einzel-Bronzmedaillist in Athen und hat dort im Doppel mit Kim Bok Rae knapp eine weitere Bronzmedaille verpasst). Allerdings ist diese Taktik gleichzeitig auch hochriskant, denn die Hongkongerin, allersamt Ex-Nationalspielerinnen aus China, haben alle nicht wirklich Angst vor Abwehr.
Das Eroeffnungsspiel verlief aeusserst umkaempft. Gegen Kim Hyung Ah trat Lin Ling an und versuchte mit einer Kombination von Schupfen und weichen Topspins durchzukommen. Allerdings war ihre Schupfbaelle ziemlich schlecht - langsam, schnittarm, unplaziert, und sie machte dabei auch noch zu viele Fehler. Ab und zu zog sie einen harten Topspin und hatte oft Erfolg, aber irgendwie traute sie sich nicht, ihr Spiel richtig darauf umzustellen. Nach 1:1 und 2:2 kam es zum Entscheidungssatz, wo das Spiel richtig hochklassig wurde. Kim schien jeden Ball zurueckzubringen, auch wenn sie ein ums andere Mal mehrere Schuesse hintereinander parieren musste. Lin zeigte keine Schwaeche und haute mit allem Kraft darauf. Am Ende riskierte Kim vielleicht zu viel mit ihren Konterattaken, mit der sie zwar viele Punkte gewannen, aber auch viele verschenkte - vor allem, wenn Lin schon darauf gefasst war. Das Spiel ging 3:2 an Hongkong.
Im zweiten Spiel trat Kim Bok Rae gegen Tie Yana an, die ebenfalls eine Kombination von Schupfen und Topspins spielte. Ihre Schupfbaelle war besser plaziert als die von Lin Ling, und ihre Topspins war ein wenig haerte, vor allem variationsreich in Richtung. Damit konnte sie Kim immer wieder voellig verladen, oder direkt auf ihren Koerper spielen. Nach einem schnell gewonnen ersten und eben so schnell verlorenen zweiten Satz machte Tie kurzen Prozess und gewann 3:1.
Bei 0:2 war der Druck auf die junge Moon Hyun Jung enorm, und sie schien ihm nicht gewachsen zu sein. Ihr Spiel, das ohnehin extrem aggressiv war und daher mental viel abverlangte, wurde immer verkrampfte. Am Ende gerieten sogar die Schlagbewegungen ausser Kontrolle. Sie verlor 0:3 und beendete damit den Traum der Suedkoreanerin auf den Titel.
Insgesamt kann man sagen, die Hongkonger Damen haben verdient gewonnen. Vor allem Lin Ling, die im ersten Spiel mit sich harderte, hat den Druck stand gehalten. Wenn man auch bedenkt, dass sie und ihre Kolleginnen von der Weltranglistenposition her klar ueber die Koreanerinnen standen, war ihr Sieg durchaus gerecht. Aus Sicht der Koreanerinnen verlief die Begegnung aber sehr ungluecklich. Die mutige, geradezu geniale Aufstellung der Trainerin wurde leider nicht belohnt. Nachdem das erste Spiel knapp verloren ging, schien die Luft raus zu sein. Die letzte beide Spiele war zu schnell verloren. Aber fuer eine so junge und unerfahrene Spielerin wie Moon war das nicht all zu schlimm, sie wird sich noch sehr weit entwickeln koennen, darauf kann man wetten.
|