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AW: Asien-Meisterschaft: Chinas Damen verloren gegen Suedkorea
Fast auf gleicher Art wie die Damen verlor anschliessend die suedkoreanische Herrenmannschaft ihr Finalspiel gegen China. Das erste Spiel ist ein Rematch des Olympia-Finals: Wang Hao gegen Ryu Seung Min. Wang fuehrte im ersten Satz, hatte Satzbaelle, konnte sie aber nicht verwerten, Ryu gewann den Satz in Verlaengerung. Im zweiten Satz startete Ryu gut, Wang lag deutlich zurueck und stellte ploetzlich seinen Aufschlag um. Fortan stand er nicht mehr in der Rueckhandecke, sondern in der Tischmitte, um (mit der Vorhand) aufzuschlagen. Es ist eine Variation, die Wang in letzter Zeit bereits in der Superliga gelegentlich verwendet hat, und die im Spiel gegen Ryu besonders effektiv ist. Denn zum einen ist Wangs Aufschlag von einem deutlichen Huepfdrehung gepraegt, sodass er nach dem Aufschlag parallel zum Tisch steht und seine Rueckhandseite gut abdecken kann, waehrend bei einem anderen Spiel die Flaeche links vom Koerper vielleicht zum Blindspot geworden waere. Zum anderen steht Ryu beim Ballannahme gewoehnlich extrem weit links, um stets mit der Vorhand attackieren zu koennen. Wo Wang jetzt aber von der Mitte aus teilweise in Ryus aeussere Vorhandecke serviert, ist Ryu gezwungen, selbst mehr in die Tischmitte zu ruecken, und kann dadurch positionell nicht so aggressiv seinen Angriff starten. Diesen Wechsel zeigte sofortige Wirkung, Wang holte im zweiten Satz auf, es kam wieder zur Satzverlaengerung, in der allerdings Ryu sich wiederholt durchsetzen konnte. Bemerkenswerterweise war Wang durch den zwei knapp verlorene Saetze keinesfalls angeschlagen, und setzte konsequent sein Spiel fort, schlug vor allem bis zum Ende von der Tischmitte auf. Besonders effektiv war zudem seinen Rueckhand-Flip parallel in Ryus Vorhand, mit der Ryu immer wieder verladen konnte, und damit verhinderte, dass Ryu zu oft seine Rueckhand umlaeuft. Wang gewann die letzten drei Saetze relativ klar, es stand 1:0 fuer China.
Als zweites kam zur Wiederholung des Halbfinals in Schanghai zwischen den zwei "europaeisch spielenden Asiaten" Oh Sang Eun und Wang Liqin. Wang hatte dies Jahr noch kein Einzelspiel gegen einen Nicht-Chinesen verloren (er gewann zum Jahresbeginn Qatar Open, dann die WM, danach noch eine Super-Circuit-Station, nur in der Superliga verlor er einige Male gegen andere Chinesen) und zeigte gleich zum Beginn des Spiels, dass er nicht vor hatte, seine weisse Weste zu "beflecken" - auch nicht gegen Oh, der derzeit in ueberragende From zu sein scheint und vor zwei Wochen bei einer Super-Circuit-Station Wang Hao und Ma Lin hintereinander mit jeweils 4:0 und 4:1 ausschaltete. Wang gewann den ersten Satz souveraen. Im zweiten kam das Glueck Oh zur Hilfe. Mit einer Reihe von Kantenbaelle und Netzrolle verschaffte er sich eine 7:0-Fuehrung gegen Wang, der darauf hin eine bemerkenswerte Aufholjagd startete, die allerdings nicht ganz reichte. Nach dem 1:1-Satzgleichstand schaltete Wang noch einen Gang hoeher. Oh spielte super aggresiv, doch Wang hielt alle Angriffe stand und konterte aus aller Positionen. Am Ende gewann Wang 3:1.
Im dritten Spiel trat Chen Qi an gegen den neuen Star der Koreaner, Lee Jung Woo, der in diesem Jahr insbesondere durch den Sieg der Taipei Open seinen Durchbruch feiern konnte. Eine interessante Begegnung zwischen zwei Linkshaender, wobei der Penholderspieler Lee normalerweise gegen Rechtshaender seinen Linkshaender-Vorteil sehr gut auszunutzen weiss. Lee, der bekanntlich sehr nervenstark ist, machte anscheinend nichts aus der 0:2-Rueckstand seiner Mannschaft und begann sehr souveraen. Chen auf der anderen Seite hatte extrem viel Probleme mit Lees Aufschlag, den er mindestens viermal im ersten Satz direkt ins Netz schupfte. Auch die Topspins von Chen waren fuer seine Verhaeltnisse ungewoehnlich weich und harmlos. Der erste Satz ging klar an Lee. Im zweiten Satz nahm Chen Lees Aufschlaeger sicherer an, und zieht auch bei Lees Topspins haerter dagegen. Er schien zwar immer noch nicht zufrieden mit seinem Spiel zu sein, aber er machte den Satzausgleich. Im dritten Satz spielte Chen befreiter, auch wenn er noch immer mit sich harderte - was sehr unwoehnlich fuer ihn ist. Chen streute immer wieder schnelle Parallel-Aufschlaege in die Vorhand von Lee ein, der aehnlich wie Ryu Seung Min extrem weiter in der Rueckhandecke steht. Diese Aufschlagvariante hatte grossen Erfolg und punktete mehrfach direkt. Chen gewann den dritten Satz und fuehrte im vierten mit 10:5. Doch Lee, der Mann ohne Nerven, dachte nicht an Aufgeben, er erkaempfte sich 6 Punkte in Folge und hatte beim 11:10 selbst Satzball. Aber auch Chen ist kein nervenschwacher Spieler, er wahrte seine Chance und gewann den Satz letztendlich doch.
Wie bei der Damenfinale schien in dieser Begegnung das Eroeffnungsspiel das Schluesselspiel gewesen zu sein. Waere Korea 1:0 gegen China in Fuehrung gegangen, haette es fuer die Chinesen ungemuetlich sein koennen. Doch nachdem Wang Hao sich aus eigener Kraft (sprich nicht aufgrund von Nachlassen des Gegners) aus 0:2 einen 3:2 gemacht hatte, war das Moral bei den Chinesen einfach zu gut, und es grenzt bekanntlich an Unmoeglichkeit, Chinesen zu schlagen, wenn sie schon fuehren. Den drei Koreanern kann man keinen Vorwurf machen, sie haben alle glaezend gespielt und alles gegeben.
Uebrigens kam die chinesische Herrenmannschaft wie ihre Damenmannschaft nicht in Bestbesetzung, sondern in einer zukunftsorientierte Aufstellung zu dieser Asienmeisterschaft. Ma Lin, Kong Linghui, Liu Guozheng blieben alle zu Hause, der einziger Ueber-21-Spieler Wang Liqin kam mit den "jungen Wilden" Wang Hao, Chen Qi, Hao Shuai und Ma Long nach Korea. (Bei den Damen ebenfalls eine einzige Ueber-21-Spielerin Niu Jianfeng plus Guo Yue, Guo Yan, Li Xiaoxia, Liu Shiwen.)
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