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Ich habe diesen Thread erst heute so richtig wahrgenommen und nachgelesen und muss sagen: Armes Bayern. Es ist wirklich nicht zu glauben, dass man anstelle einer sachlichen Diskussion nur noch (oder doch überwiegend) mit Verbalinjurien um sich schlägt.
Zum Thema Verbandsfunktionäre: Ich bin selbst Mitglied im Bezirksvorstand von Schwaben, seit 17 Jahren in den verschiedensten Funktionen tätig und zwar nicht deswegen, weil ich auf irgendwelchen "Ochsentouren" nach irgendwelchen Ämtern strebe, sondern weil mir - immer noch - der Einsatz für unseren Sport Spaß macht. Wenn ich in irgendwelchen Funktionen Fehler gemacht haben sollte - bitte, ich bin absolut kritikfähig, werde auch gewiss nicht das "Totschlagargument" vom ehrenamtlichen Posten benutzen. Mein Grundsatz war immer, jedes Amt unparteiisch und im Sinne des Sports durchzuführen.
Über einzelne Dinge kann man unterschiedlicher Meinung sein. Z. B. kenne ich den Fall "Andersson/Brandhofer" recht gut und kann die Aussage von Bernd Behringer hierzu nicht nachvollziehen. Ich kenne die Sachlage anders, da sie aber private Belange der Beteiligten berührt, werde ich hierzu keine ausführlichen öffentlichen Stellungnahmen abgeben. Nur soviel: Hier eine
Schwarzweißmalerei nach dem Muster "hier die Guten, da die Bösen" anzufertigen, entspricht nicht den Tatsachen. Die sind differenzierter.
Zum Thema "VT Müller" kann ich nicht kompetent antworten, da ich als Bezirksvertreter noch nie persönlich mit ihm zu tun hatte. Dass er nicht unumstritten ist, liegt auf der Hand. Ob der BTTV dies schon vorher wissen konnte und deswegen von seiner Verpflichtung hätte Abstand nehmen sollen, kann ich nicht beurteilen (im Gegensatz zu manch anderen... haben diejenigen sich damals eigentlich auch schon zu Wort gemeldet?).
Was das TT-Zentrum Würzburg angeht, bin ich inzwischen auch der Meinung, dass man darüber kritisch nachdenken muss. Darin nur Nachteile zu sehen, ist aber auch nicht in Ordnung. Vielmehr lässt sich überlegen, ob die Vorteile der Konzentration von Talenten nicht durch die Nachteile überwogen werden, die m. E. lauten:
- hoher Kostenfaktor in einer Zeit sehr angespannter finanzieller Verhältnisse
- Benachteiligung von Talenten, die nicht dem TT-Zentrum angehören
Und auch das Thema Ausländerregelung sollte bitte schön einmal differenziert betrachtet werden. Hier ist z. B. zu sehen, dass es einige Vereine (eher in höheren Spielklassen anzutreffen) gibt, in denen die Ausländer wirklich sehr stark ins Vereinsgeschehen, insbesondere auch das Nachwuchstraining, einbezogen sind, während in recht vielen anderen Vereinen (eher in niedrigeren Spielklassen, v. a. in grenznahen Gegenden, anzutreffen) qohl doch weiterhin der oft genannte "Spielertourismus" praktiziert wird.
Diesen Spielertourismus einzudämmen, halte ich nach wie vor für sinnvoll, weil es zum einen eine in meinen Augen vernünftige Vereinspolitik (langfristiger Aufbau mit eigenen Kräften plus evtl. einzelnen Zugängen aus der Region, die die Mannschaft verstärken) befördert - zum anderen aber auch aus einem ganz anderen Grund: Ich möchte nicht wissen, wie sehr der Spielbetrieb z. B. in Tschechien in den letzten zehn Jahren ausgeblutet ist. Es müsste im Sinne der tschechischen Vereine und des dortigen Verbandes sein, dass nicht so viele überdurchschnittliche Spieler abwandern.
Dass die beschlossene Ausländerbeschränkung nun alle Vereine über einen Kamm schert, ist natürlich ein nicht geringer Pferdefuß. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Regel so zu formulieren, dass ein Nicht-EU-Spieler seinen ständigen Wohnsitz in Deutschland haben muss. Das hätte dem oben geschilderten Unterschied entsprochen.
Zudem wäre es wesentlich sinnvoller gewesen, diese Regel erst zum 01.07.2002 einzuführen - dann hätten die Vereine genügend Planungsvorlauf gehabt und eventuelle juristische Auseinandersetzungen hätten keinen direkten Einfluss aufs Spielgeschehen gehabt.
Zum Schluss ein Wort zu den persönlichen Angriffen auf Präsidiumsmitglieder: Ich finde sie stillos. Ganz besonders weh tut es mir, wenn Claus Wagner persönlich angegriffen wird - ein Mann, den ich seit 1988, als ich - damals 23jährig - Bezirkspressewart von Schwaben geworden war, kenne und von dem ich sagen darf, dass er für mich immer ein Vorbild in Sachen Einsatzbereitschaft, Kompetenz und Begeisterugnsfähigkeit für unseren Sport war.
Wie gesagt: Sachliche Kritik ist immer möglich. Auch ich fand z. B. im Juni sein "Frohlocken" zur neuen Zählweise ziemlich dick aufgetragen und überzogen. Das kann ich aber sehr wohl trennen vom Menschen Claus Wagner.
Alle diejenigen, die Kritik üben, sollten im Übrigen auch konstruktive Vorschläge machen. Das dient der Sache und bringt uns weiter.
Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Obwohl mich die Auseinandersetzungen nicht direkt betreffen, war ich niemals seit 1984 mit so wenig Spass in meinem Verbands-"Amt" bei der Sache. Die Jugendarbeit im eigenen Verein und das eigene aktive Spiel taugt mir zur Zeit wesentlich mehr - da hat man auch viel zu tun, lebt aber wenigstens nicht in der Gefahr, öffentlich solche "Hämmer" um die Ohren zu bekommen. Kann gut sein, dass ich 2003 nicht mehr als stv. Bezirksvorsitzender Sport in Schwaben kandidiere, wenn sich das Klima nicht wieder entscheidend bessert...
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Pfannaflicka - der "Kampfname" der Rainer Tischtennisspieler; in Erinnerung an unseren unvergessenen Peter Drabek (1965 -1997), der diesen Begriff geprägt hat
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