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Man kann junge Spieler in ihrem ersten Herrenjahr in eine tiefe Klasse stecken, sie gegen Materialspieler antreten lassen, und dann schauen, was für eine Bilanz rauskommt. Meistens werden die jungen Kerls dann negativ spielen, weil sie mit dem Material der Gegner und den Mannschaftskameraden nicht zurechtkommen und die Lust aufs Tischtennis verlieren. Danach sieht man sich die Bilanz an und sagt sich: Ok, der Spieler hat ne schlechte Bilanz und gehört weiter nach hinten. So macht man ein Talent kaputt.
Man kann sie aber auch in einer guten Mannschaft spielen lassen und selbst wenn sie dort eine miese Bilanz spielen, an ihnen festhalten.
Was ich damit sagen will: Einen Jugendspieler nach seiner Bilanz zu beurteilen, ist blödsinnig, denn normalerweise verbessert man sich im jungen Alter so, dass man dieselbe Bilanz, die man im Vorjahr hatte, im nächsten Jahr ein oder zwei Paarkreuze höher spielen kann.
Zu deiner Frage: Ich finde, in deinem Alter hat man noch keine derartigen Verpflichtungen dem Verein gegenüber (etwa nachfolgende Generationen zu binden, wie Tansincos sagte), dass man sein eigenes Fortkommen hintenanstellen sollte.
Ich hab mit 16 auch den Verein gewechselt. Leute aus der damaligen Herrenmannschaft des alten Vereins sagten zu mir, ich müsse mal verlieren lernen (weil ich nach Niederlagen oft sauer war). Ich wollte aber lieber gewinnen lernen.
Der Prophet zählt im eigenen Lande nichts. Der Jugendspieler im eigenen Verein wird oft nicht für voll genommen und entsprechend seiner Spielstärke eingeschätzt statt entsprechend seines Potenzials.
Ich rate daher zu einem Vereinswechsel. Abgesehen von der Verbesserung der Spielstärke lernst du auch menschlich dazu, z.B. sich in einer neuen Umgebung (evtl. sogar mit unsympathischen Leuten) zu arrangieren. In jeder Mannschaft hat man eine andere Rolle. Einmal ist man Youngster, im nächsten Verein übernimmt man vielleicht in einer jüngeren Mannschaft Führungsrollen. Das bringt auch fürs Leben voran. Selbst wenn du hinterher sagst, dass es ein Fehler war, so war es doch ein mutiger Schritt und dein EIGENER Fehler.
Wobei ich natürlich die Umstände nicht gut genug kenne, um dir endgültig einen Ratschlag zu geben. Ich kann nur sagen, dass ich, wenn ich in der Jugend nicht gewechselt hätte, heute noch im selben Verein in der Kreisklasse A spielen würde, vielleicht mitte. Jetzt spiele ich aber Landesliga vorne.
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Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile (Aristoteles)
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