Da bin ich zufällig über einen Bericht über die WM 1937 gestossen, wo diese Situation eintrat:
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Die Amerikaner Schiff, McClure, Berenbaum und Blattner hatten ihren Schwerpunkt auf den Aufschlag gelegt und eine neue Rotationsmöglichkeit gefunden. Sie konnten nun auch ohne irgendwelche Hilfsmittel so starken Spin durch eine spezielle Bewegung ihrer Finger erzeugen, daß ihre Gegner keine Chance hatten, die kaum einschätzbaren, stark rotierenden Bälle gezielt zurückzugeben. Fast alle Mannschaften versagten gegen die amerikanischen "Knipsaufschläge".
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Nachdem die Teilnehmer genug Gelegenheiten bekommen hatten, um die Fingerspin-Aufschläge der Amerikaner genauer zu analysieren, stellten sie sich auch besser auf deren Rückgabe ein. Wiedereinmal war es der Pole "Alex" Ehrlich, dem es durch seinen Spielwitz gelang, pötzlich auftretende, technisch-taktische Überlegenheiten im Gegenzug zu bewältigen.
Bei der Annahme des Knipsaufschlages gab er den Ball mit einem schnittunempfindlichen Holzbrett zurück und spielte danach mit seinem Noppengummischläger weiter. Andere Spieler, wie z.B. der Belgier Leyeune und der Tscheche Vana, ahmten den Fingerspin-Aufschlag der Amerikaner nach und wendeten ihn sofort in ihren Begegnungen an. So kam es im Spiel zwischen dem Belgier und dem Tschechen im entscheidenden Satz zu einem fortwährenden Aufschlagaustausch, der dem Rückschläger keine Chance auf einen Punkt ließ. Der Spielstand wechselte mit 0:5, 5:5, 5:10, 10:10 etc. immer um fünf Punkte, bis Vana schließlich eine erfolgreiche Aufschlagannahme gelang und das Spiel für sich entschied.
Die Erfahrungen mit den Spinaufschlägen und deren Übernahme durch die anderen Spieler verursachte, daß die Amerikaner Jimmy McClure, Sol Schiff und Robert Blattner frühzeitig aus dem K.o.-Feld ausschieden.
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Die WM von 1937 war überhaupt "besonders":
Das Endspiel zwischen Ruth Aarons und Gertrud Pritzi soll in der Geschichte der Tischtennisweltmeisterschaften die große Ausnahme bleiben. Hier zeigte sich, daß die Tischtennisregeln in Bezug auf das Zeitspiel noch unvollkommen waren.
Im zweiten Satz dieser Begegnung wurden die Angriffsschläger von Ruth Aarons immer unsicherer und sofort begannen die beiden Spielerinnen den Ball einfach nur noch über das Netz zu schupfen. Die Organisatoren waren daraufhin äußerst beunruhigt und legten das Spiel einfach in eine Ecke des Saals. Während des zweiten Satzes entschied die ITTF-Jury, daß das Spiel innerhalb von einer Stunde und 45 Minuten beendet sein müsse. Die Proteste von Ruth Aarons brachten nichts ein. Ihr Mannschaftsführer mußte sie erst wieder dazu aufmuntern, das Spiel fortzusetzen. Im dritten Satz kam dann tatsächlich das "Time-out-Limit". Beide Spielerinnen wurden disqualifiziert und Aarons blieb die enttäuschte Gewinnerin vom letzten Jahr.
Die Entscheidung, beide Spielerinnen vom Wettbewerb auszuschließen, wurde vom ITTF-Gremium mit 6:4 Stimmen bestätigt. Es war ein unfaßbares und unverständliches Urteil, ein Spiegel des Versagens vor dem Versuch, eine gerechte Zeitregelung zu finden. Im Jahre 1937 wurde deshalb kein Weltmeisterschaftstitel im Dameneinzel vergeben.
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Mittlerweile (seit Mai 2001) - nach 64 Jahren - wird Trude Pritzi neben Ruth Aarons als Co-Weltmeisterin geführt.
Lange haben die Funktionäre für diese Entscheidung gebraucht, jedoch nicht so lange wie die Erklärung des Papstes zu Galilei ("und sie dreht sich doch ...").
Flugente
Obigen Artikel gibt es hier nachzulesen:
http://members.aol.com/ppbuch/11-WM.html