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vielleicht hilft ein kleines gedankenexperiment weiter. anschaulichkeitshalber wähle ich den elfmeter beim fussball. gefragt ist die antizipation des tormanns. nehmen wir zusätzlich einfachhalber an, der schütze kann nur in die eine ecke oder die andere ecke schiessen und der tormann hält den elfmeter, wenn er die richtige ecke errät.
nach welchen kriterien entscheidet sich der tormann nun für eine ecke?
er kann nach dem zufallsprinzip vorgehen und ohne auf den schützen einzugehen, sich für eine ecke schon im voraus entscheiden. die erfolgsquote läge somit bei 50%.
die frage ist: kann er diese quote mittels antizipation verbessern?
er kann theoretisch die komplette elfmeterstatistik des schützen im kopf haben. bevorzugt demnach angenommen der schütze die rechte ecke, so wird sich der tormann für diese entscheiden, obwohl strenggenommen die statistik im einzelfall kein mass ist, sondern nur bei vielen wiederholungen bedeutung hat.
hat der schütze keine bevorzugte ecke, so wird die sache schwieriger und da kommt nun meiner meinung nach die antizipation ins spiel. der tormann wird den anlauf des schützen genau beobachten und danach seine entscheidung treffen. natürlich weiss das der schütze und wird ihn zu täuschen versuchen. wobei ich glaube, dass eine gute täuschung den tormann alt aussehen lässt. vielleicht führt diese täuschung gerade zu gehäuften fehlentscheidung des tormanns und er wäre mit dem zufallsprinzip besser beraten.
beim tischtennis sind viele entscheidungen aber nicht aus einer ruhenden situation heraus zu fällen, sondern im spiel dynamisch. oft ist die zeit so kurz, dass man nur reflexartig reagieren kann. und da liegt meiner meinung nach die chance des gegners, weil ich unter zeitdruck "standardbälle" spiele und diese mein gegner vorausahnen kann. habe ich zeit für eine körpertäuschung, so ist der gener chancenlos, da hilft keine antizipation. ohne körpertäuschung kann der gegner an meiner körperbewegung die richtung erkennen. den spin gibt aber vorallem das handgelenk, sodass der spin für den gegner spät zu erahnen ist. ausserdem hat man nicht immer freien blick aufs handgelenk und der spin ist davon abhängig, wie zart ich den ball treffe (klang!). sodass die flugkurve des balls letzlich entscheidend ist und den spin verrät.
trotzalledem gibt es spieler, die sich kaum zu bewegen scheinen, aber fast immer richtig zum ball stehen. samsonov lädt den gegner geradezu ein anzugreifen und spielt aus dem konter hervorragend. manchmal hat man den eindruck er kann gedankenlesen.
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Intelligenz läßt sich nicht am Weg, sondern nur am Ergebnis feststellen.
Gary Kasparov
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