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Zitat von SpinDoctor
Ist in China die Verbundenheit mit den Heimatprovinzen wirklich so viel grösser oder spielt da auch "Druck von oben" eine Rolle?
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Zu einem ist die Erwartung der Oeffentlichkeit gross, sodass man praktisch keine Wahl an, als patrotisch zu sein. Zum anderen sind die Provinzverbaende auch maechtiger (wie bereits erwaehnt, kann man ohne Zustimmung des Provinzverbands nicht wegwechseln) und enger an die Nationalmannschaft angebunden. Wuerde ein Spieler aus irgend einem Grund sich mit seinem Provinzmannschaft anlegen, so wuerde er ganz klaeglich verenden - praktisch und moralisch.
Ausserdem, die Nationalen Spiele *sind* einfach die mit Abstand prestigreichste Sportveranstaltung in China. Wie koennte man sich denn Profi-Sportler nennen, wenn man da kein Ansporn hat, dort zu brillieren? Die hiesigen Sportler wuerden doch auch niemals freiwillig den Olympischen Spielen aus dem Weg gehen (bis auf ein paar amerikanische Tennisspieler, das heisst).
Und zu Preisgeld: Dies gibt es - so weit ich weiss - nicht. Aber es sind Unmenge (Sportfoerderungs-)Geld im Spiel. Und eins kann ich mit Sicherheit sagen. Gewinnt ein Sportler (beispielweise ein international unbekannter) einen Titel bei den Nationalen Spielen, so hat er sich fuer den Rest des Lebens seitens seines Provinzverbands ausgesorgt.
Bei der TT-Nationalmannschaft (und viele andere auch) gibt es seit jeher das ungeschriebene, dennoch eisene Gesetz, dass jeder, der im Einzel unter den letzten Acht bei den Nationalen Spielen kommt, umgehend in die Nationalmannschaft aufgenommen wird - sofern er noch nicht dabei ist. Allein das ist schon fuer viele Anreiz genug, wirklich alles zu geben.
Um es kurz und praegnanz auszudruecken, fuer die chinesische Sportwelt (einschl. Sportler, Funktionaere, Medien und Oeffentlichkeit, aber ausgenommen die jeweilige Nationalmannschaften) gilt folgende Prioritaetsreihenfolge:
Olympia > Nationale Spiele > Weltmeisterschaften im jeweiligen Disziplin