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AW: Spritzen statt kleben?
Sharara Interwiev:
Wie ist der Stand in Sachen Frischkleben?
Wie angekündigt gehen wir bei dem Thema in zwei Schritten vor. Ab September 2006 ist das Frischkleben in geschlossenen Räumen verboten, und ab September 2007 sind alle Klebemittel mit organischen Stoffen verboten.
Es gibt aber Stimmen, die das allgemeine Verbot für überzogen halten. Wie stehen Sie dazu?
Wir wollen das Verbot des Frischklebens zum Schutz der Aktiven. Kurzfristig
treten keine gesundheitlichen Schäden ein, aber wir können langfristig ein Risiko nicht ausschließen. Deswegen entscheiden wir im Zweifel für den
Gesundheitsschutz. Tischtennis soll ein sauberer Sport sein.
Gleichwohl ist der Beschluss weiterhin höchst umstritten...
Das grundsätzliche Problem sind die fehlenden Alternativen und die Möglichkeiten zur Kontrolle. Bei den Kontrollen sind wir seit neuestem allerdings einen Schritt weiter, denn die zuständige Arbeitsgruppe testet derzeit eine neue Maschine, die verbotene Substanzen anzeigt. Allerdings kostet alleine ein Kontrollgerät umgerechnet rund 6000 Euro. Deswegen erwägen wir, diese Maschine lediglich bei den großen Turnieren einzusetzen. Für kleinere Turniere sollen dagegen kleinere Geräte entwickelt werden, die nur rund 200 Euro kosten und damit für die Klubs bezahlbar wären. Die Kontrolle, eine Art Anti-Doping-Test für den Schläger, muss auch deshalb sein, weil viele Spieler das Verbot ablehnen und in Versuchung kommen könnten, weiterhin auf ihre bisherigen Klebemittel zurückzugreifen.
Entsteht die Versuchung nicht aus dem Mangel an Alternativen?
Exakt. Viele beschweren sich, dass das Spiel erheblich verändert würde, aber
das war bei der Einführung des 40-mm-Balles zunächst auch so, und dann hatten sich nach zwei bis drei Monaten alle so angepasst, dass Tischtennis athletischer und damit wieder so schnell wie mit dem 38-mm-Ball geworden ist.
Aber ist den Aktiven nur ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking eine derart gravierende Änderung zuzumuten?
Zuvorderst kann man den Aktiven kein Gesundheitsrisiko zumuten. Aber hier
sind die Hersteller gefordert.
Was erwarten Sie konkret?
Es wird immer über die Klebemittel gesprochen und beklagt, dass es dazu keine Alternativen gibt. Aber der Schläger besteht auch noch aus dem Holz und dem Belag. Meiner Meinung nach sollten die Hersteller diesen Bereichen mehr Aufmerksamkeit schenken. Vermutlich ist es die Angst vor Einnahmeverlusten bei den bisherigen Klebemitteln, die die Hersteller auf ihren Standpunkt beharren lässt. Dabei könnten diese Verluste durch neue Produkte doch auch......
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