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Zitat von SpinDoctor
Jetzt zum eigentlichen Problem: Wenn jeder "einfach nur für sich" spielt, führt das den Mannschaftsgedanken ad absurdum, der ja gerade darin besteht, dass man nicht nur "für sich alleine" spielt, sondern auch eine Mitverantwortung für die Mannschaftskollegen trägt. Konsequenterweise sollte man deshalb vielleicht gar keine Mannschaftswettbewerbe mehr abhalten, nur noch Wettbewerbe von Einzelsportlern? Möglich wäre das natürlich, aber die Erfahrung zeigt, dass sich mit Mannschaftswettbewerben ein höheres öffentliches Interesse erzeugen läßt.
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"Einfach nur fuer sich spielen" war als Gegenteil zu "als sportliche Repraesentation einer (im Allgemeinen nicht aktiv-sportlichen) Gemeinschaft spielen" gedacht, nicht als Gegenteil zu "als Mitglied einer Gruppe von (in etwa) gleichwertigen Sportlern spielen". Es geht darum, dass die Menschen - sprich das Volk, die Nation - die heute durch ihre Nationalmannschaft repraesentiert wird, eigentlich diese Repraesentation rein sportlich nicht verdient - sie spielen mehrheitlich nicht selbst. Wenn ich aber selbst Mitglied einer Mannschaft ist, kann ich natuerlich und zu Recht durch meine Mannschaftskollegen repraesentiert fuehlen. Das gehoert zum sportlichen Geist, und aus dem gleichen Grund sind auch diejenigen im daenischen TT-Herrennationalmannschaft verdiente Europameister, die in Aarhus kein Spiel bestreiten mussten.
Insofern ist "einfach nur fuer sich spielen" und "in einer Mannschaft spielen" nicht widerspruechlich, sondern komplementaer. Was anderes waere auch voellig sinnfrei, wenn man bedenkt, dass viele Sportarten reine Mannschaftsdiszipline sind. Die Mannschaftsgedanke wird durch den Ausschluss der Repraesentation von "Externen" (im Sinne des Sports) keinesfalls ad absurdum gefuehrt, sondern ganz im Gegenteil verstaerkt - man hat selbst die Wahl, wen man repraesentieren moechte. Es gehoert doch zur Natur der Menschen, dass sie sich eher fuer diejenige Gemeinschaften engagieren wollen (und sollen), fuer deren Zugehoerigkeit sie sich selbst entschieden haben.
Die Freiheit, Verein zu wechseln - und auch die Freiheit, neue Vereine zu Gruenden, sind fuer mich ein sehr hohes Gut im Sport. Es ist eben Schade, dass diese Freiheiten auf "Laenderebene" gar nicht bzw. nur sehr eingeschraenkt existieren.
Was du ueber Zuschauer und Sponsoren sagt, ist selbstverstaendlich wahr. Aber es ist auch nur deshalb wahr, weil man es fuer eine Selbstverstaendlichkeit haelt. Gerade diese Selbstverstaendlichkeit moechte ich angreifen (denn sie ist an sich nicht unangreifbar), indem ich zum "radikalen Umdenken" anstosse. Jede Revolution bzw. Evolution faengt doch klein an.