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Alt 19.01.2006, 03:10
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Bow Bow ist offline
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AW: Training und Umgang mit AD(H)S-Kindern

Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, möchte aber etwas anmerken:
Wie im Namen der Erkrankung enthalten, ist AD(H)S ein "Syndrom". Es ist also keine klar abgrenzbare Krankheit, die stets dies und das Symptom beinhaltet.
Ein Syndrom ist sozusagen ein Sammelsurium verschiedener Symptome verschiedener Ausprägung, die nicht zusammen auftreten müssen und auch keine grundsätzlichen Symptome umfassen oder dergleichen.
Bei AD(H)S ist das in besonderem Maße der Fall.
Der Name AD(H)S fasst somit eine Sammlung von Symptomen zusammen, die auch in verschiedensten Kombinationen in verschiedener Ausprägung vorkommen können.
Daher fällt auch die Diagnose ebenso "leicht" wie sie schwer fallen kann.

Es wird von "Gegnern" der Existenz dieser Erkrankung oft angeführt, dass Ärzte gerne AD(H)S diagnostizieren, wenn die auffälligen Kinder in keine andere Gruppe Verhaltensauffälliger passen. In gewisser Weise ist das auch richtig, dennoch gibt es hinreichende Kriterien bei dieser Einstufung.

Wegen dieser tw. großen Schnittmenge der Symptome fällt auch die medikamentöse Behandlung oft so völlig unterschiedlich aus im Sinne von unterschiedlichem Erfolg, denn die Vielfalt der wirksamen/dafür zugelassenen Medikamente ist ja nicht so groß.

Zu der Anmerkung, dass die Kinder in der Schule "funktionieren" sollen, möchte ich anführen, dass das nun mal der Bildungsweg ist, der in unserer Kultur Qualifikation schafft. Dass das System mit Sicherheit nicht annähernd optimal ist, steht wohl außer Frage, aber Alternativen sind eben selten und noch seltener kostengünstig zu finden.
Es ist ja auch im Sinne des Kindes, wenn eine Schulbildung einigermaßen erfolgreich mitgenommen werden kann.
Und auch wenn das vielleicht ein leidiger Gedanke ist, muss man auch bedenken, dass schon ein Kind mit ADHS komplette Lerngruppen lahmlegen kann, auch wenn das gar nicht seine Absicht ist.
Der Gedanke, dass die Kinder medikamentös "stillgelegt" werden, wenn sie aufmerksam sein sollen (auch von den Eltern, wenn sie temporär überfordert sind), beunruhigt natürlich, aber man sollte sich einmal Erfahrungsberichte von betroffenen Eltern und Kindern erzählen lassen oder lesen.
Man stellt schnell fest, dass auch die Kinder davon profitieren. Sie können Leistungen zeigen, die in ihnen schlummern aber den Weg nach Außen vorher nicht finden konnten oder nur auf anderen Wegen. Auch die Kinder empfinden das oftmals als Entlastung, vom Umfeld gar nicht zu reden.

Daher sollte man gründlich reflektieren, wenn man gegen oder auch für pauschale medikamentöse Behandlung ist. Unsereins als Trainer hat diese Kinder nur für einen sehr kurzen Zeitraum, Lehrer wesentlich länger (haben natürlich kein Mitspracherecht pro/contra Medikament, aber das Schulsystem am Ende dann doch) aber die Eltern die meiste Zeit. Und die Kinder fühlen sich die meiste Zeit missverstanden und/oder ungerecht behandelt.
Nicht zuletzt diese Erfahrungen der Betroffenen selbst, die äußerlich enorm robust erscheinen, deren innere Sensibilität aber kaum wahrgenommen werden kann, treiben sie unbehandelt nicht selten in Suchtkrankheiten betäubenden Charakters.
Zudem ist auch zu bedenken, dass die medikamentöse Behandlung nicht regelmäßig isoliert vorgenommen wird, sondern auch andere Behandlungsformen stattfinden, es aber auch vorkommt, dass dies durch die medikamentöse Behandlung gar nicht mehr erforderlich erscheint, weil das Kind nun nicht mehr negativ auffällt oder wesentlich weniger auffällt als vorher.
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Geändert von Bow (19.01.2006 um 03:20 Uhr)
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