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Alt 19.01.2006, 14:07
long-pips long-pips ist offline
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AW: Training und Umgang mit AD(H)S-Kindern

Zitat:
Zitat von Bow
Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, möchte aber etwas anmerken:
Wie im Namen der Erkrankung enthalten, ist AD(H)S ein "Syndrom". Es ist also keine klar abgrenzbare Krankheit, die stets dies und das Symptom beinhaltet.
Ein Syndrom ist sozusagen ein Sammelsurium verschiedener Symptome verschiedener Ausprägung, die nicht zusammen auftreten müssen und auch keine grundsätzlichen Symptome umfassen oder dergleichen.
Bei AD(H)S ist das in besonderem Maße der Fall.
Der Name AD(H)S fasst somit eine Sammlung von Symptomen zusammen, die auch in verschiedensten Kombinationen in verschiedener Ausprägung vorkommen können.
Daher fällt auch die Diagnose ebenso "leicht" wie sie schwer fallen kann.

Es wird von "Gegnern" der Existenz dieser Erkrankung oft angeführt, dass Ärzte gerne AD(H)S diagnostizieren, wenn die auffälligen Kinder in keine andere Gruppe Verhaltensauffälliger passen. In gewisser Weise ist das auch richtig, dennoch gibt es hinreichende Kriterien bei dieser Einstufung.

Wegen dieser tw. großen Schnittmenge der Symptome fällt auch die medikamentöse Behandlung oft so völlig unterschiedlich aus im Sinne von unterschiedlichem Erfolg, denn die Vielfalt der wirksamen/dafür zugelassenen Medikamente ist ja nicht so groß.

Zu der Anmerkung, dass die Kinder in der Schule "funktionieren" sollen, möchte ich anführen, dass das nun mal der Bildungsweg ist, der in unserer Kultur Qualifikation schafft. Dass das System mit Sicherheit nicht annähernd optimal ist, steht wohl außer Frage, aber Alternativen sind eben selten und noch seltener kostengünstig zu finden.
Es ist ja auch im Sinne des Kindes, wenn eine Schulbildung einigermaßen erfolgreich mitgenommen werden kann.
Und auch wenn das vielleicht ein leidiger Gedanke ist, muss man auch bedenken, dass schon ein Kind mit ADHS komplette Lerngruppen lahmlegen kann, auch wenn das gar nicht seine Absicht ist.
Der Gedanke, dass die Kinder medikamentös "stillgelegt" werden, wenn sie aufmerksam sein sollen (auch von den Eltern, wenn sie temporär überfordert sind), beunruhigt natürlich, aber man sollte sich einmal Erfahrungsberichte von betroffenen Eltern und Kindern erzählen lassen oder lesen.
Man stellt schnell fest, dass auch die Kinder davon profitieren. Sie können Leistungen zeigen, die in ihnen schlummern aber den Weg nach Außen vorher nicht finden konnten oder nur auf anderen Wegen. Auch die Kinder empfinden das oftmals als Entlastung, vom Umfeld gar nicht zu reden.

Daher sollte man gründlich reflektieren, wenn man gegen oder auch für pauschale medikamentöse Behandlung ist. Unsereins als Trainer hat diese Kinder nur für einen sehr kurzen Zeitraum, Lehrer wesentlich länger (haben natürlich kein Mitspracherecht pro/contra Medikament, aber das Schulsystem am Ende dann doch) aber die Eltern die meiste Zeit. Und die Kinder fühlen sich die meiste Zeit missverstanden und/oder ungerecht behandelt.
Nicht zuletzt diese Erfahrungen der Betroffenen selbst, die äußerlich enorm robust erscheinen, deren innere Sensibilität aber kaum wahrgenommen werden kann, treiben sie unbehandelt nicht selten in Suchtkrankheiten betäubenden Charakters.
Zudem ist auch zu bedenken, dass die medikamentöse Behandlung nicht regelmäßig isoliert vorgenommen wird, sondern auch andere Behandlungsformen stattfinden, es aber auch vorkommt, dass dies durch die medikamentöse Behandlung gar nicht mehr erforderlich erscheint, weil das Kind nun nicht mehr negativ auffällt oder wesentlich weniger auffällt als vorher.

In einigen Punkten, geb dir recht!
Das ein ADS#ler Lern.- u. , Trainingsgruppen "lahmlegen kann, stimmt.
Die frage die sich dabei stellt, liegt es am ads'ler oder an den jenigen die die Gruppe leiten und mit einem ADS'ler nicht "umgehen" können.

Ich sprech da wirklich aus Erfahrung. Ich kann sogar sagen ich kenne es aus der Sicht des "Leiters" und des ADS'lers.

In meinen Traingsgruppen habe ich insgesammt (es sind zur zeit 3) zusammengenommen mindestens 4 ADS'ler.
Mittlerweile, klappt es recht gut. Es hat aber auch seine Zeit gebraucht sich ndividuell auf die ADS'ler einzustellen. Da ich aber weiß, wie ein ADS'ler " tickt ", ging es schneller als mir prophezeit wurde.

Das es unter "unbehandelten ADS'lern mehr sucht erkrankte giebt hab ich ja schon geschrieben.

Das nur eine medikamentöde Krücke nicht das non plus ultra ist stimmt. Leider lag in meinem posting wieder einmal ein denkfehler von mir vor.
Ich hab es als selbstverständlich angesehen, das zu der Medikamentösenbehandlung auch eine sogenannte Verhaltenstherapie gehört.
Allerdings funktioniert das in den meißten Fällen eben nur wenn der ADS'ler Medis bekommt. Er ist sonst nämlich garnicht in der Lage die inhalte der Verhaltenstherapie umzusetzen.

Richtig das Schulsysthem reagirt. ADS'ler werden auft genug als "Unbeschulbahr" abgestempelt und in Sondernschulen "abgeschoben".

Die Medikamte stellen einen ADS'ler nicht ruhig, sondern sorgen daführ, dass sie dazu in der lage sind die einströmenden reize besser zu verarbeiten.
Wenn du deine Umweld 2X so heftig wie ein anderer wahrnimmst und alles als gleich wichtig einstufst, würdest du wohl auch am "Rad drehen" .

Einfacher ausgedrückt, das Feuerwerk das im Kopf stattfindet, wird aufgelöst. Dies hat nichts mit "ruhigstellen" zu tun.

Kein quallifizierter Arzt, würde ein kind was in keine gruppe von verhaltensauffälligkeiten passt als ADS'ler einstufen und mit Methylphenidat oder anderen Psychofarmake behandeln.

Der weg bis zu einer entgültigen Diagnose ist sehr langwierig.
Er beginnt mit diversen Fragebögen für die Eltern der Schule und evt. Oma und Opa.
Danach werden unteranderem Allergitest durchgeführt.
EEG mit und ohne Medikamente
Konzentrations und Leistungstests stehen ebenfalls auf dem Diagnostik programm. Auch hier wird mit und ohne Medikamte getestet.

Dazu kommt noch eine allgemeine Untersuchen . Blutwehrte, gewicht, größe etc.

Kurze pause, muß eben meinen Sohn vom Bus abholen.


So weiter im text:

Nach dem dann eine Diagnostik gestellt wurde, wird in Regelmäßigen Abstänten die Blutwehrte und die EEG's wiederholt.

Mit der gestellten Diagnostik und dem einsatz von Madis geht dann die Odysse weiter.
Jetzt muß zum einen das "richtige" medikament und die "richtige " dosierung gefunden werden.

Die schwierigste Fase kommt dann dann in der Pubatät.
Aufgrund der Hormonellen umstelleng kann es passieren das ein Kind über oder unterdosiert ist. In einigen Fällen können die Medis sogar ganz abgesetzt werden.
Dies liegt zum einen an der Hormonellen Umstellung und zum anderen daran, dass ein ADS'ler gelernt hat mit seinem Händikap, erkrankung, fluch, seegen oder wie man es auch immer nennen will umzugehen gelernt hat.


So noch mehr ins eingemachte brauch ich wohl nicht mehr zu gehen.

Zum Abschluss nur noch das:
ADS ist eine vielschichtige erkrankung mit verschiedenen Symptomen einer schwierigen diagnostik und Vielschichtigen Verhaltensmustern.

Die aufgabe eines Trainers ligt nicht daran einen ADS'ler zu, Diagnostizieren, "therapieren" oder ihn zu erziehen. dafür gibt es weit kompetentere Leute.

Unsere Aufgabe besteht darin sie in eine Trainingsgruppe zu integrieren, ihnen den Spass am Sport zu erhalten und ihnen das Gefühl geben, gerne gesehen zu werden.
Um dies zu gewährleisten, brauch ich aber eben ein gewisses maß an Wissen über ADS und wie wie ich auf den ADS'ler zugehen muß bzw. umgehen sollte.

Einer der wichtigsten Faktoren haben ich noch garnicht genannt. Es sind die Eltern. Wenn ich einen guten Draht zu den Eltern habe, und sie mit mir zusammen arbeiten wird es viel leichter mit einem ADS'ler zu arbeiten.

Da es um Kinder geht, sollte ich auch den mut haben wenn mir auffällt das ein Kind Problem hat egal welcher Art, die Eltern darauf anzusprechen.

z.B im Fall eines vermeindlichen ADS'lers, sofern er nicht diagnostiziert ist, kann ich dem Kind evz. einen langen "leidensweg" ersparen. Unter der Vorraussetzung, das ich richtig liege.
Wenn ein diagnostiziertes ADS vorliegt und ich die Eltern darauf anspreche, gebe ich ihnen eine gewisse sicherheit, das ich mit ihrem kind "umgehen" kann.

ADS wird immer noch als "MAKEL" angesehen und die Eltern haben oftmals "angst" darüber zu sprechen.
So das wars dann ersteinmal.


gruß
long-pips
__________________
ich muß nicht besser sein als mein gegner, es reicht wenn ich durch seine fehler gewinne.

Geändert von long-pips (19.01.2006 um 15:17 Uhr)
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