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Zitat von Ahdow
Dann will ich demselben mal ein wenig auf die Sprünge helfen. Momentan sehe ich nicht sonderlich viele Punkte, in denen wir uns einig sein werden. Um eine gemeinsame Diskussionsbasis zu haben auf der eine sachliche Diskussion fussen kann, fange ich mal mit den fundamentalsten Dingen an:
Ich gehe davon aus, dass auch in Deiner Arbeit im und um Tischtennis viel Idealismus steckt und Du darin eine Menge Energie investierst. Von daher müßtest Du sicherlich an einer positiven Entwicklung dieser Sportart interessiert sein.
Eine positive Entwicklung würde ich primär (unter anderem) am Ausbau professioneller Strukturen in unserem Sport festmachen, sprich: Nachwuchsförderung von unten (Schulen, Vereine) bis oben (C- und D-Kader), qualifizierte Schulung der Trainer, Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter in Vereinen, Förderung des Leistungssports in den Vereinen, Kreisen, Bezirken, etc., Erhöhung der Standards im und um die Wett- und Turnierspielbetriebe, usw., usw., und natürlich als Allerwichtigstes - die Steigerung der Attraktivität unserer Sportart im Leistungs- und Profibereich. Denn das zieht Sponsoren an (auch mal solche, an die man ohne Vitamin B gelangt), mit deren Investitionen man dann die oben aufgezählten Maßnahmen finanzieren kann.
Am konkreten Beispiel Westdeutsche Meisterschaften würde das bedeuten, dass ich es irgendwie schaffen muß die Allgemeinheit (die nicht weiß was Frischkleben, ein Schupfball oder ein Rollomat ist) für diese Veranstaltung zu interessieren. Um das zu erreichen sind aus meiner Sicht zwei Dinge von essenzieller Bedeutung:
a) es muß sich um eine Veranstaltung handeln, bei der unter den professionellsten Spielbedingungen das Beste vom Besten zu sehen ist, was diese Sportart in diesem Rahmen zu bieten hat (theoretisch die besten 50 Spieler des WTTV)
b) Parallel zum sportlichen Geschehen muss der Zuschauer innerhalb der Veranstaltungsstätte qualitativ und modern unterhalten werden.
Um den zweiten Teil von Punkt a) zu erfüllen muß man es wiederum schaffen, diese Veranstaltung so interessant für die Spieler zu machen, dass sowohl der 08/15-Spieler wie Du und ich, als auch die wirklich Besten, die schon an 654 Bezirks-, 3267 Kreis-, und möglicherweise sogar Weltmeisterschaften teilgenommen haben, bei diesem Turnier dabeisein wollen.
Um eines vorweg zu nehmen: Das schaffe ich nicht, in dem ich denen sage, dass sie aber vorher erst an den Bezirksmeisterschaften teilnehmen müssen.
Wir müssen uns doch über eine Sache klipp und klar sein: Für einen Miro oder Vlado Broda, Jochen Lang, Thomas Roßkopf, Sascha Köstner, Sebastian Somorjai, usw, usw. haben die Bezirksmeisterschaften nun mal weder eine sportliche, noch eine finanzielle Attraktivität - und das kann man ihnen ja wohl nicht vorwerfen. Als Veranstalter der WDM würde ich diese Spieler aber auf jeden Fall dabeihaben wollen. Welche Konsequenz soll ich jetzt daraus ziehen - soll ich sie zwingen an dem BZM teilzunehmen, in dem ich sage, dass sie andernfalls aber keine WDM spielen dürfen??? Die ganz simple Reaktion in jedem einzelnen der o.g. Fälle lautet dann schlicht und ergreifend: "Super! Endlich mal ein freies Wochenende!" Die BZM haben in ihrer jetzigen Form keinerlei Attraktivität für die besseren Spieler.
Ein Beispiel:
Wenn ein Kunde in der freien Wirtschaft ein Produkt erwerben will und sich bei der Auswahl zwischen Lieferant X und Lieferant Y für Herrn Y entscheidet - was würdest Du Herrn X raten? Er solle sich beim Kunden beschweren, weshalb dieser nicht beim ihm eingekauft habe? Oder rätst Du ihm er solle sich überlegen wie er sein Produkt interessanter machen kann, damit der Kunde nächstes Mal bei ihm einkauft?
Ich würde Herrn X letzteres raten, wenn er überleben will.
Wenn ich Vertreter des Bezirks Düsseldorf wäre und mir käme zu Ohren, dass ein Christian Strack (im konkreten Fall reine Spekulation!), und viele andere mehr keine Lust haben an den BZM teilzunehmen, dann würde ich persönlich doch nachdenken, wie ich diese Meisterschaften so attraktiv machen kann, dass die guten Spieler beim nächsten Mal wieder dabei sind! Sie dazu zu zwingen an den BZM teilzunehmen in dem man ihnen droht, ist haarsträubend dilettantisch. Das bewirkt nämlich das genaue Gegenteil.
In unserer Sportart werden an viel zu vielen Stellen Zwänge geschaffen für diejenigen die keine Lust haben, anstelle Möglichkeiten zu kreieren für diejenigen die Lust haben.
Meine These wird durch folgende Tatsachen belegt:
Das sportliche Bild (Teilnehmerquantität, Teilnehmerqualität, Spielbedingungen, etc.), das die verschiedenen BZM (die für die meisten Spieler Bedingung für die Quali zur WDM sind) in den vergangenen Jahren abgegeben haben entwickelt sich in keinster Weise positiv. Im Gegenteil - die Entwicklung stagniert oder verschlechert sich sogar.
Die WDM 2006 (bei der mit Preisgeld, freien Meldungen, VIP-Bereich, usw. gearbeitet wird) hingegen wird in den gleichen Kriterien die beste Veranstaltung werden, die der Verband in diesem Rahmen bislang gesehen hat.
Bei einem Tennisturnier von vergleichbarem Format wie unsere WDM kann beinahe jeder Hans und Franz eine Meldung abgeben. Aber hier gibt es bei einer bestimmten Ranglistenposition einen "Cut". Nachdem dem Ranking nach alle Plätze im Hauptfeld und der Qualifikation vergeben wurden, bleiben die restlichen Meldungen leider draussen: Die zu schlechten Spieler kommen nicht ins Turnier.
Deswegen von mir ein ganz klares Pro für die freien Meldungen zur WDM! Um den besten Spieler im WTTV zu ermitteln, sind von Natur aus keine BZM notwendig. Im übrigen bin ich selbst als Spieler negativ von dieser Regel betroffen: Ich werde in diesem Jahr nicht über die freie Meldeliste ins Feld kommen, da meine Ranglistenposition nicht hoch genug ist. Aber das ist fair (zumindest im Grundsatz und unter Nichtbeachtung der peinlichen JOOLA-Computerrangliste)!
Nebenbei gesehen könnte ich mich berechtigerweise darüber beschweren, weshalb ich bei den WDM nicht mitspielen darf, obwohl ich (meiner Meinung nach) eine deutlich höhere Spielstärke besitze als jeder OWL-Vertreter.
Andererseits bin ich heilfroh, dass ich an den Chaostagen der BZM Arnsberg ´05 nicht teilgenommen habe, da ich unter den dort herrschenden Umständen meine Wut nur unwahrscheinlich unter Kontrolle gehabt hätte.
Es mag krass ´rüberkommen aber die BZM in ihrer jetzigen Form sind überflüssig und werden in Zukunft mehr und mehr an Bedeutung verlieren.
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