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Alt 15.02.2006, 00:26
Stollentroll Stollentroll ist offline
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AW: Der Mythos von den "guten alten Hölzern"!

Unabhängig von Änderungen im Herstellungsprozess bin ich davon überzeugt, dass gute Hölzer mit der Zeit besser werden. Hölzer minderer Qualität hingegen haben keine Chance auf eine Verbesserung.

Ich portiere hier einfach mal anerkanntes Wissen aus dem Geigenbau auf TT-Hölzer. Holz ist ein lebendiger Werkstoff, es besteht aus hochkomplexen Molekülen, die sich in der Natur über Millionen von Jahren als besonders geeignet für Belastungen herausselektiert haben. Auch wenn der Baum schon lange tot ist - ein Stück seines Lebens steckt noch im Holz.

Wenn eine Geige regelmäßig gespielt wird, dann ordnen die Schwingungen die Ligninmoleküle mit der Zeit. Das Instrument verändert seinen Klang und wirkt sauberer, lauter, intensiver und feiner. Wird die Geige über einen längeren Zeitraum liegen gelassen, so zerfällt die Struktur wieder, das Instrument verliert seinen Glanz. Hochwertige neue Geigen werden oftmals über mehrere Monate eingespielt, erst dann lassen sie sich zum Vollpreis verkaufen. Dieser Prozess lässt sich auch durch langfristige Beschallung der Instrumente erzielen, jedoch kommt diese Methode an das echte Einspielen nicht heran. Und Instrumente, die von sich aus keinen guten Klang haben, die lassen sich auf diesem Wege auch nur unwesentlich verbessern. Nicht alle alten Geigen sind gute Geigen. Aber die Geigen, die damals schon perfekt gebaut wurden erreichen heute einen Klang, der ohne das dauerhafte Bespielen nicht möglich ist. Weiterhin werden hochwertige Geigen aus Holz hergestellt, dass mindestens 15 Jahre gelagert wurde.

Der Vergleich zum TT Schläger mag weit hergeholt sein, aber neben dem Gewicht und der Steife ist es eben das Schwingungsverhalten, welches das Spielgefühl eines Holzes ausmacht. Und genau dieses Schwingungsverhalten ändert sich vom frischen zum abgelagerten Holz, und vom nicht eingespielten zum eingespielten Holz.

Ich habe hier noch ein Banda 2010 Allround, Baujahr 1977 mit einigen Belagresten an der Oberfläche. Ausserdem sind ein paar Fasern beim Entfernen des Belags aus der Oberfläche gezogen worden, vermutlich ist das aber in dem Bereich, den man mit Geduld und minimaler Spachtelmass flicken kann (sowas machen auch Geigenbauer).
Wer bis zum 01. März das höchste Gebot per PM abgegeben hat kann es haben, Versand als versichertes Paket für 7,5€. Ich würde es noch weiterspielen, aber die Griffform (anatomisch) sagt mir nicht mehr zu.
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