Thema: Chen Qi (CHN)
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Alt 06.03.2006, 15:25
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AW: Chen Qi droht Sperre, WM-Teilnahme fraglich

Zitat:
Zitat von henrypijames

Fuer chinesische TT-Sport ist Chen Qis Verhalten diesmal tatsaechlich einmalig und beispielslos. Daher ist es auch so gravierend einzustufen (in China).



....stimmt nicht ganz, es gab in der Vergangenheit schon ab und an mal den ein oder anderen Anflug von aufrührerischem oder gar skandalösem Verhalten´ chinesischer TT-Spieler unter den Augen der Weltöffentlichkeit - Hauptdarsteller war seinerzeit vor allem der zweimalige Einzelweltmeister Jiang Jianliang :

Erster Akt : 1987 bei den Weltmeisterschaften in Neu Delhi :

Vor allem bei seinen Auftritten im Individualwettbewerb zeigte Jiang damals für asiatische Verhältnisse nahezu unglaubliche Emotionen: Permantes Ballen der Faust und Herumfuchteln mit derselben quasi direkt vor der Nase des Gegners, laute Schreie, sowohl spitz u. schrill als auch brüllend vorgetragen.......emotionaler Höhepunkt im Endspiel gegen Waldner im vierten Satz nach der Aufholjagd von 16:20 auf 20:20 , also noch während des laufenden Spiels: laute Schreie gepaart mit geballter Faust und zweimaliger Ehrenrunde um die Platte, dabei wurde nicht nur in Richtung der chin. Fankurve wild gestikuliert sondern auch der gute Jan-Ove beim zweimaligen Umkurven quasi ´zugefuchtelt´.......
Nachdem Jiang - damals auch durch seine gerade frisch geschlossene Ehe mit einer bekannten chin. Filmschauspielerin eine der populärsten Figuren seines Landes - das Endspiel gewann u. so die Ehre Chinas (nachdem Waldner zuvor Teng Yi u. Cheng Longcan im Viertel- u. Halbfinale regelrecht abschlachtete) wieder hergestellt hatte, wurde ihm dies aber alles nachgesehen und er durfte seinerzeit direkt nach der Siegerehrung auf Staatskosten mit Regierungsjet in die Flitterwochen düsen.....

Zweiter Akt: 1989 bei der WM in Dortmund im Mannschaftsendspiel:
Wiederum die Begegnung Jian gegen Waldner: Als der zuständige deutsche Tischschiedsrichter (Herr Eigler ?) dem guten Jiang zum zweiten Mal einen Aufschlag abzählte, unterbrach Jiang das Spiel, schimpfte laut und forderte vehement das sofortige Auswechseln des Schiedsrichterteams ....wütende Proteste der gesamten chinesischen Bank (incl. Cheftrainer Shu Xaofa) gegen den armen Schiedsrichter schlossen sich prompt an, während der China- Fanblock geschlossen auf der Tribüne das Ganze mit furios vorgetragenen "Out, Out, Out" - Schlachtrufen unterstützte und der Rest der (mehr oder weniger neutralen bzw. pro Schweden eingestellten) Zuschauer in ein lautstarkes , mehrminütiges Pfeiffkonzert verfiel......Nach langem Hin u. Her wurde dann selbst der Turnierleitung und den ITTF-Oberen angesichts dieses ausufernden Tumultes Angst u. Bange und nach mehr als einer Viertelstunde wurde die Partie dann mit neuem Schiedsrichtergespann endlich fortgesetzt......

Nachdem Jiang seine Begegnung, China das Mannschaftsfinale und auch die Krone im Herreneinzel verloren hatte, heiligte diesmal allerdings nicht der Zweck die Mittel : Jiang wurde hinterher zum Buhmann der chinesischen Medien, verbandsintern gemassregelt und seine Karriere war beendet.....

Soviel nicht nur zum Bereich extrovertiertes Verhalten chinesischer Sportler in der Öffentlichkeit , sondern auch zum Thema ewige Werte, Moral sowie Schuld u. Sühne in China und der gesamten TT-Welt.......

Geändert von Rieslingrübe (06.03.2006 um 15:29 Uhr)
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