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Alt 14.03.2006, 01:13
Dr. Herbert Neubauer Dr. Herbert Neubauer ist offline
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Dr. Herbert Neubauer ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Haben Abwehrspieler bzw. Materialspieler eine Zukunft in hohen Spielklassen?

Das Abwehr- und Materialspiel hat durch die in den vergangen Jahren beschlossenen Regeländerungen (Herabsetzung des ‚Aspect Ratios’ auf 1,1 im Jahr 1999 sowie die Einführung des 40mm Balls 2000) unbestreitbar gelitten.

Die - im Verhältnis zu früher - nun breiteren Noppen biegen sich naturgemäß weniger und produzieren somit kaum noch Flattereffekt.

Bei glatten Noppen wurde die Spin-Umkehr reduziert, während sich mit griffigen langen Noppen nicht mehr so viel Schnitt in der klassischen Verteidigung produzieren lässt.

Der größere Ball, der eigentlich das Spiel verlangsamen und somit dem Abwehrspiel zuträglicher sein sollte, hat genau das Gegenteil bewirkt: Unabhängig vom Material (Noppen-innen oder Noppen-aussen Beläge) kann trotz sehr guter Technik nicht mehr so viel Schnitt erzielt werden wie früher.

Im Verbund mit dem Frischkleben und den auch sonst immer schneller und explosiver werdenden Angriffsbelägen ist somit ein steter Vorteil für die Angreifer geschaffen worden, der durch die o.g. Regeländerungen seinen Höhepunkt erreicht hat.

Trotz dieser Rückschläge muss das Abwehrspiel noch nicht begraben werden.
Ich denke, dass Peter im vorherigen Beitrag einen elementaren Punkt angeführt hat:

Der moderne Abwehrspieler muss vielseitiger werden. Es reicht nicht mehr aus, den Ball ausschließlich aus der langen Verteidigung heraus mit Schnitt zurückzuspielen.

Vielmehr sollte der Spieler technisch in der Lage sein, den Schläger zu drehen um somit auf beiden Seiten sowohl mit Noppen-innen als auch mit langen Noppen sehr effektiv agieren zu können.

Folgende Techniken sollte er lernen und beherrschen können:

- Vorhand und Rückhandtopspin (jeweils mit der Noppen-innen Seite)

- Vorhand und Rückhandabwehr (sowohl mit Noppen-innen als auch mit Noppen außen!)

- Störbälle mit langen Noppen entweder durch Blocken am Tisch oder durch Noppenangriff

Man möge sich vorstellen, wie ungleich gefährlicher das Spiel von Joo Se Hyuk wäre, wenn er sich nicht mehr auf der Rückhand festnageln lassen würde, sondern technisch in der Lage wäre, je nach Plazierung, Tempo und Rotation des gegnerischen Topspins entweder gegenzuziehen oder abzuwehren.
Im Falle des Abwehrens böte sich ihm die Möglichkeit, entweder mit den langen Noppen (z.B. auf rotationsreiche Bälle) oder mit dem Noppen-innen Belag (auf rotationsarme Bälle) zu verteidigen.

Außerdem ist es unabdingbar, mit Schnittwechsel auf beiden Seiten (siehe ehemals Eberhard Schöler) agieren zu können.

Einen ersten Schritt in diese Richtung, wenngleich eher im Spiel in der Nähe des Tisches, ist dem jungen Schweden Fabian Akerström gelungen. Dieser ist in der Lage, auf der Rückhand sowohl mit glatten langen Noppen zu stören als auch zu drehen und mit seinem schnellen Noppen-innen Belag sehr dynamisch gegenzuziehen.

Hierbei muss dann natürlich auch in die Trainerausbildung in diesem Bereich investiert werden. Ohne gezielte Talentsichtung von für Verteidigung prädestinierten Kindern und anschließender entsprechender Förderung werden Top-Verteidigungsspieler eher die Ausnahme bleiben.

Sicherlich wird es auch in Zukunft für Abwehr- und Materialspieler schwierig sein, sich gegen „Abwehr-Killer“ wie beispielsweise J-O Waldner, Vladimir Samsonov oder Kong Linghui zu behaupten. Allerdings haben immer noch eine ganze Reihe von Spielern der aktuellen Top 100 der Weltrangliste immer noch technische und taktische Probleme gegen Verteidigung.

Vielleicht ergeben sich durch das Verbot der aktuellen Frischkleber im nächsten Jahr wieder neue Perspektiven, sofern das Spiel dadurch tatsächlich wieder etwas langsamer werden sollte. Unter Umständen wären dann keine weiteren regeltechnischen Maßnahmen nötig, um dem Abwehrspiel wieder mehr Chancen zu geben.

Viele Grüße

Herbert
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