Einzelnen Beitrag anzeigen
  #17  
Alt 12.02.2002, 11:53
Benutzerbild von Joachim Voigt
Joachim Voigt Joachim Voigt ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 2000
 
Registriert seit: 02.10.2001
Beiträge: 2.284
Joachim Voigt ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
@sVeNd

Zitat:
bleibt die frage, ob man als spieler mit ein bisschen spielverstaendnis grundsaetzlich niedrigerklassigen
Die Frage ist einfach zu beantworten: Ja. Man kann sogar als Spieler mit wenig Spielverständnis höherklssigen Spielern (bis zu einem gewissen Bereich) helfen, wenn man einige Regeln befolgt. Einiges habe ich dazu schon geschrieben, es gibt aber noch einige Grundregeln und ein paar geeignete Vorgehensweisen.

Ich gebe im Anschluß mal ein paar Anregungen, die sich so von der ca. Kreisliga bis zur ca. Landes-/Verbandsliga ganz gut einsetzen lassen. Darunter ist es oft schwierig weil das eigene Niveau oft nur begrenzte Möglichkeiten bietet (bitte nicht übel nehmen , spiele derzeit selbst so weit unten ). Außerdem gibt es in diesen Klassen weit häufiger "krumme" Spieler, die "außergewöhnliches" vollbringen. Aber auch dort kann man die Tipps verwenden, wenn es denn paßt. Darüber wird das Niveau wiederum so stark, daß pauschale Aussagen schwieriger werden und individuelle Schwächen wichtiger. Aber darüber gibt es meist ja auch sehr erfahrene Spieler und häufiger auch gute Trainer/Betreuer (hoffe ich...).

Taktische Grundregeln:
Doppel:
- gegen RR bzw. LL: den Ball immer dahin spielen, wo er herkommt
- gegen LR: abwechselnd in die jeweils weite VH spielen
- gegen Abwehr/Angriff: nach Möglichkeit auf den Abwehrspieler sichere, einfach Bälle und aggressiv gegen den Angreifer (immer vorausgesetzt man spielt selbst Angriff)

Einzel:
- gegen Abwehr: eine gute Platzierung ist (fast) immer auf den Bauch (nicht rechts/links, den die spielt ein Abwehrspieler (fast) immer sehr gut)
- gegen Block: viel Variation (Spin, Tempo, Platzierung), ebenfalls viel auf den Bauch
- gegen Angriff mit viel VH: weite Vorhand ist oft schwach, da meist mit der VH aus der RH-Ecke gezogen wird (daher Platzierung auf Bauch und RH meist eher ungünstig)

Diese Liste liese sich noch verlängern, aber das sind so ein paar Grundlagen, mit denen man aber schon weit kommt.

Welche Techniken kann man einsetzen, wenn man wenig Erfahrung im Coaching hat:
- Analyse und Feedback, d.h. das Spiel des eigenen Spielers sauber und objektiv verfolgen und dem Spieler ein Feedback geben. Z.B. Du hast im 1. Satz mit kurzen Aufschlägen 6:1 Punkte gemacht, mit langen 0:5, ich würde es mehr mit kurzen probieren. oder Du hast im 1. Satz immer über seine Rückhand angegriffen und er hat 6 von 8 Topspins geblockt, versuch es doch mal über die Vorhand. Dazu muß ich genau beobachten (am besten notieren) wie das Spiel verläuft (welche Aufschläge, welche Platzierungen, welche Schläge, usw.) Insbesondere Aufschläge (Spin, Länge) und Platzierung der Schläge (VH, RH, Bauch) sind hier meist schon ausreichend, um sehr gute Tipps zu geben.
- "Mentales" Coaching, d.h. keine taktischen Tipps, sondern nur auf die Mentalität des Spielers bezogen coachen. Dazu muß man den Spieler ein wenig kennen. Z.B. gibt es Spieler, die zum "Zocken" neigen, diese muß man immer wieder auf konsequentes Spiel trimmen (Denk dran, spiel ganz konsequent Dein Spiel, Du mußt es konsequent umsetzen, wenn Du konsequent durchspielst...). Oder es gibt den Enthusiasten, der nach einem (hoch) gewonnen Satz, denkt er hat schon das Spiel gewonnen. Den muß man auf den Boden holen (das war sehr gut, so mußt Du weiterspielen, denk dran, nicht nachlassen, wenn Du kurz nachlässt ist er wieder da...) Oder den Pessimisten, den muß man aufrichten (es haben nur ein zwei Kleinigkeiten gefehlt, wenn Du dran bleibst und kämpfst, bist Du dabei...). Oder das (Unglücks-) Opfer, der immer nur verliert, weil der andere nur Glücksbälle produziert. Den muß man motivieren und auf die eigenen Stärken hinweisen, am besten auf die Glücksbälle gar nicht eingehen (wenn Du Deine starke VH einsetzt, sind das Deine Punkte, ...).
- Fragen (Achtung: nicht einfach und mit etwas Risiko): Den Spieler mit Fragen auf seine Erfolge (in diesem Spiel) bzw. seine Stärken führen (Wie hast Du den Punkt zum 8:4 gemacht?, Mit welchen Aufschlägen bist Du gut ins Spiel gekommen?, ...) Die Fragen müssen allerdings sehr zielgerichtet sein, damit der Spieler nicht auf "falsche" Antworten kommt, außerdem sollen sie etwas bewußt machen und nicht zum grübeln verleiten!

Wichtig: Wenn man coacht, muß man das was man sagt fest vertreten und deutlich zeigen, daß man davon überzeugt ist. Also NICHT: Wäre es nicht vielleicht eine Möglichkeit, wenn Du versuchen würdest?
Der Spieler wird fünf Tage überlegen, ob es nicht vielleicht besser wäre, wenn er versuchen würde und wird das Spiel recht schnell verlieren, da er ja leider nicht oder zuviel versucht hat.
Nach dem Spiel gehört ein Kontakt zum gecoachten Spieler dazu (auch wenn er verloren hat!). Kurz zu gratulieren oder zu sagen, schade. Direkt nach dem Spiel keine große Fehleranalyse! Für die ist ggf. etwas später immer noch Zeit.

Ich hoffe das hilft.

Viele Grüße und viel Spaß beim Coachen
Joachim

PS: Wer jetzt :confused: bitte fragen.
Mit Zitat antworten