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Alt 12.02.2002, 18:03
D.G. D.G. ist offline
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Europe TOP12 2002 (09.02. - 10.02.2002, Rotterdam, NED)

Tischtennis langweilig für Zuschauer? Nicht bei Spitzensport, wie er von der ersten bis zur letzten Minute bei den Europe TOP 12 in Rotterdam am letzten Wochenende geboten wurde.

Erstmals hatte ich das Vergnügen ein solches Event, von den Holländern wie ein Sechs-Tage-Radrennen in der Topsporthalle inszeniert, in Sichtnähe des hochmodernen Feijenoord-Fußballstadions, zwei Tage lang live zu erleben und gar den historischen Sieg von Timo Boll (erster deutscher Sieger) über Vladimir Samsonov mit der Videokamera festzuhalten.

Schon bei den 24 Gruppenspielen von Europas Tischtenniselite war Spannung pur angesagt, tobte mitunter die Halle, klatschten die Holländer ihren Landsmann Danny Heister in zwei vor Spannung prickelnden Matches praktisch zum Gruppen-Sieg über Jean Michel Saive und Petr Korbel.

Höchstes Vergnügen war es auch, dem Franzosen Damien Eloi zuzuschauen, der mit unnachahmbarem Temperament und Athletik begeisterte und nach gelungenen Ballwechseln wahre Freudentänze aufführte, einmal in einem Satz den wegen einer Knieverletzung wohl stark gehandicapten Werner Schlager gar mit 11:0 düpierte. Letzterer löste wiederum ein großes Pfeifkonzert auf einen Schiedsrichter aus, als er aussichtslos gegen Lucjan Blaszczyk zurückliegend, zu dessen Matchball einen Aufschlag unter sein ausgestrecktes linkes Bein ausführte, so dass der Referee empört zum Oberschiedsrichter ging.

In der 1. Final-Runde lieferten sich dann Eloi und Saive ein sehenswertes, in sieben Sätzen höchst umkämpftes Match mit ständigen Temperamentausbrüchen auf beiden Seiten. Im Halbfinale gab dann Timo Boll allerdings dem Franzosen ein ums andere Mal unlösbare Rätsel auf.

Unglaublich dann die Atmosphäre beim Endspiel. Eine Handvoll deutscher Fans sorgten mit rhythmischem Klatschen und „Timo, Timo, Timo“-Rufen nach jedem gespielten Ball, dass das Finale für Boll zum Heimspiel gegen den Weltranglistendritten wurde. Durch die ständige Anfeuerung schien es, als ob sich dieser zum Ende hin immer mehr in Trance spielte.

Zwar gab es viele, die nach den Spielen der Männer sich ein Bierchen oder einen Kaffee in den weitläufigen Foyers der Sporthalle gönnten, doch an Brisanz, Spannung und Klasse ließen auch die Spiele von Europas besten Damen nichts zu wünschen übrig.

Vor allem das heftig umkämpfte Match der beiden Abwehrkünstlerinnen Jie Schöpp und Viktoria Pavlovich in der ersten Finalrunde sorgte mit atemberaubenden Ballwechseln für eine tolle Begeisterung beim immer fairen Publikum. Auch die beiden Halbfinalspiele zwischen Pavlovich und Tamara Boros einerseits und Nicole Struse und Ni Xia Lian fesselten durch die vielen langen Ballwechsel und Spannung pur bis zum letzten Ball.

Nicht zum Erfolg führte im Damenfinale die auch hier tolle Anfeuerung der deutschen Fangruppe, als die ansonsten famos aufspielende Nicole Struse hier dem aggressivem Spiel der Kroatin Borsos deutlich unterlegen war.

Nur schade, dass im Deutschen Fernsehen ein solches für die Zuschauer höchst interessantes TOP-Ereignis offenbar keine Resonanz fand.

Geändert von D.G. (12.02.2002 um 18:13 Uhr)
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