Zitat:
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Zitat von Vollblutprofi
Die Regeländerung 40-mm-Ball stört doch nicht ernsthaft irgend einen Spieler!
Und die Einführung der 11-Punkte-Regel ist wirklich genial gewesen.
Es ist als Spieler wirklich jetzt viel interessanter geworden.
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Der 40cm Ball wurde eingeführt, um die Geschwindigkeit des Spieles zu verringern und gleichzeitig seine Wahrnehmbarkeit auf Fernsehgeräten zu erhöhen, damit das Spiel für die Öffentlichkeit besser zu verfolgen ist.
Das ganze ist aus meiner Sicht aber eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Mal ganz davon abgesehen, dass sich durch diese Vergrößerung weder die Wahrnehmbarkeit wesentlich verbessert, noch die Geschwindigkeit durch entsprechende Materialentwicklung reduziert hat, ist doch die Skrupellosigkeit mit der man der Geschwindigkeit zu Leibe rückte, (die ja eine der wichtigen "Charaktereigenschaften" des Tischtennis ist) einen kritischen Blick wert.
Und interessant ist dabei folgende Fragestellung:
Ob wohl diejenigen, denen die Entscheidung über die Ballvergrößerung damals oblag heute wohl vor Ihren Fernsehern sitzen und sagen: Mist, das hat alles garnichts verändert! Wenn wir das doch vorher gewußt hätten"?
Oder ist es vielleicht so, dass man damals schon wußte, dass das Spiel erst mit einem 44mm-Ball anfängt, für den Zuschauer interessant zu werden. Es wäre zwar keineswegs durchsetzbar gewesen, aber die ersten 2 mm sind wenigstens ein guter Schritt in die richtige Richtung?
Ja, wir haben uns an die Umstellung auf den 40mm-Ball gewöhnt und schimpfen kaum noch darüber. Und das ist genau die Basis, die notwendig ist, um einen 42mm-Ball einzuführen. Wieder einmal könnte es aus dem nichts von den Göttern ganz oben "pling" machen und schwups haben wir einen größeren Ball, ohne dass wir jemals danach fragten.
Ich bin deshalb auch heute noch kritisch gegenüber der Ballvergrößerung eingestellt. Rein aus Sicherheitsgründen.
Auch die 11-Punkte-Sätze sind das Ergebnis solcher Überlegungen. Da Tischtennis nunmal nicht der Gipfel des Zuschauergenusses ist, kürzte man die wenigen TV-Übertragungen bis zum Stand von 15:15 und zeigte dann die letzten Ballwechsel. Ob sich einer der Spieler spektakulär von 12:3 noch auf diesen Stand gekämpft hat, wurde allenfalls blutleer erwähnt. Der Zuschauer wurde einfach nicht mitgenommen. Ihm wurde vorenthalten wie es dem Spieler gelang, sich auf seinen Gegner einzustellen, welche Taktik er dabei verfolgte und wie emotional geladen das ganze verlief.
Jetzt ist es aber so, dass es dem Fernsehen immer wieder gelingt, weitaus unspektakuläre Sportarten spannend in Szene zu setzen. Das Potential wäre also vorhanden.
Anstatt aber die Schuld bei den Medien zu suchen und dort gegenzusteuern, fingen die ganz wichtigen Halbgottfunktionäre an, dem Sport die Schuld daran zu geben. Nach dem Motto: Wenn der Satz bei 10:10 beginnen würde, würde das Fernsehen ihn bestimmt in voller Länge zeigen.
Pustekuchen! Durch den ständigen 2er Aufschlagwechsel bleibt auch der Punktestand dichter beieinander. Ein Spiel, das bis zum 9:9 immer eng beieinander lag ist für das Fernsehen eben noch unattraktiver. Das Resultat: Das Spiel verliert für den Zuschauer an Reiz und wird daher vielleicht überhaupt nicht gezeigt.
Medienwirksamkeit ist eben nicht nur gute Sichtbarkeit. Emotionen, spannende Momente und die Möglichkeit der Empathie, also die Möglichkeit, sich als Zuschauer in den Spieler hineinversetzen zu können, sein "Tschuuuooo!" mitschreien zu müssen - DAS ist Medienwirksamkeit.
Ja, es ist rein aus ergebnistechnischer Sicht gehaltvoller, gleich 3 Gewinnsätze zu haben. Das ganze gilt aber nur für die Sätze an sich. Ein Spiel wird für den Zuschauer also spannend, wenn es sich im 5. Satz befindet. Insofern gibt es eine Verbesserung. Aber diese Verbesserung wurde teuer erkauft. Der Blick des Zuschauers wird damit nämlich weg vom eigentlichen Spielgeschehen (das eben aus einzelnen Ballwechseln besteht) hin zu einem seelenlosen Ergebnis in Sätzen gelenkt.
Die vielen puren Zahlen übertünchen aus meiner Sicht einen großen Anteil an weit medienwirksameren Aspekten.
Der brutal auf das Satzergebnis geleitete Blick des Zuschauers führt letzten Endes dazu, dass im Fernsehen noch stärker am gesamten Spiel herumgeschnippelt werden kann. Finde ich zumindest
Grüße