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Alt 28.03.2006, 17:56
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Bow Bow ist offline
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Bow ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Vorteile bzw. Nachteile von höherem Schwammhärtegrad?

Zitat:
Zitat von Chinabomber
Hier ein paar Anmerkungen zu dem Thema von der Highspeedfraktion: Also ich kann mit einem fettgeklebten Bryce max auf einem super schnellen Carbonholz auch extrem kurze super langsame spinnige Topspins spielen.
Respekt, ich schätze mal, dass über 95% aller TT-spieler das nicht so einfach können. Du musst wirklich hoch spielen.
Entweder hast Du ein super Händchen, oder Du bist ein 'Grobmotoriker', der keine Unterschiede in den Belägen erkennt.
Ich denke nicht, dass jemand behauptet hat, dass man mit Belag X nur kurze Topspins spielen kann und mit Belag Y nur lange harte TS.
Natürlich kann man mit allem alles irgendwie spielen, aber Belag X ist eben für das eine besser geeignet als Belag Y, der wieder für etwas anderes besser geeignet ist.
Sicherlich wird der Faktor "Belag" hier von einigen überschätzt, vielleicht auch der Faktor "Holz", aber Du unterschätzt IMHO beides.

@Martinspin:
1) Wie gross ist der Zusammenhang zwischen Schwamm und Flugkurve?
2) Welches sind die Eigenschaften einer Flugkurve?
Sie wird bestimmt durch (die anzunehmenden Konstanten Luftreibung, Gravitation und) die Faktoren Rotation und Tempo.

3) Welchen Einfluss hat die Schwammstärke auf die Flugkurve?
Je nachdem, wie viel Einfluss sie darauf hat, wie viel Rotation erzeugt werden kann und wie viel Tempo erzeugt werden kann.
Natürlich darf man den Faktor Absprungwinkel nicht vernachlässigen, der wird natürlich auch etwas vom Schwamm beeinflusst.

4) Welchen Einfluss hat die Schwammhärte auf die Flugkurve?
Ist isoliert nicht zu beantworten.

Ein harter, unelastischer Schwamm (kein Katapult) spielt sich sehr linear, gibt also (abzüglich der Verformungsverluste) genau das an Tempo wieder heraus, was man mit dem Schlag eingibt. Durch die Härte ist der Ballkontakt kurz, die Spinentwicklung liegt vor allem beim OG. Auf ankommenden Spin reagiert der Schwamm wenig, der Absprungwinkel müsste (abhängig vom OG) eher flach sein. Insgesamt ist der Einfluss des OG gegenüber des Schwammes deutlich erhöht, was Reaktion und Aktion am Ball betrifft. Tempo und Spin werden durch die Geschwindigkeit des Schlägers am Ball und der Reaktionsfähigkeit (Elastizität, ->Auslenkung, Rückstellkraft, ->Rückstellgeschwindigkeit) des OG beeinflusst.
Hier kann also der Spinbogen bei unelastischem OG nahezu 1:1 aus der frontalen und tangentialen Geschwindigkeit des Schlägers am Ball erzeugt werden.

Ein harter, elastischer Schwamm (viel Katapult) spielt sich dynamischer, bei leichten Schlägen reagiert der Schwamm wenig, bei harten Schlägen (Auslenkung, Verformung) dafür umso mehr. Es findet mehr Verformung statt, es müsste also größere Verformungsverluste geben, entscheidend ist aber hier die Zeit, in der die Rückstellung erfolgt. Diese ist bei einem katapultigen (hart, elastisch) Belag sehr kurz, so dass eine tangentiale Bewegung am Ball durch den Schwamm generiert wird, die schneller als die Bewegung des Schlägers/Belages am Ball ist, was den Ball stärker tangential und frontal beschleunigt.
Der Absprungwinkel ist tendeziell flach, aber höher als bei unkatapultigen, harten Belägen (auch hier Abweichungen durch das OG logisch).
Hier ist die Ausprägung des Spinbogens (zusätzlich zur Schlägerbewegung) abhängig von der seitlichen Auslenkung des OG + Schwamm mit entsprechender Rückstellkraft und -geschwindigkeit im Verhältnis zur Rückstellkraft und -geschwindikeit der "frontalen" Verformung des Belages.
Das macht also aus, ob ein Belag eher "spinnig" ist, oder eher "direkt".


Ein weicher, unelastischer Schwamm verformt sich schon bei leichteren Ballkontakten, die Verformung des unelastischen Schwammes schluckt aber vor allem die Energie, weil die Rückstellung nur verhältnismäßig langsam und/oder "kraftlos" erfolgt (sog. "Bremsschwamm"), so dass dem Ball kein zusätzlicher Impuls mitgegeben wird, sondern eher sogar noch ankommende Impulse abgeschwächt werden.
Rotation und Tempo hängt auch hier (wie immer) auch vom OG ab, der Belag ist bei leichten Schlägen relativ zu harten Schlägen schneller (weil weniger Verformung des Schwammes). Man könnte von einem umgekehrten Katapultverhalten sprechen.
Der Absprungwinkel dürfte hier (abhängig vom OG) neutral sein, also vor allem durch das OG beeinflusst, weniger vom Schwamm.
Der Spinbogen ist hier dem des Spinbogens eines harten und unelastischen Schwammes vergleichbar, aber auch abhängig von der Differenz zwischen tangentialer und frontaler Verformbarkeit. Allerdings ist bei weichem, unelastischem Schwamm der Katapult des OG stärker reduziert, als bei hartem, unelastischem Schwamm.

Weiche, elastische Schwämme (viel Katapult) reagieren schon bei leichten Ballkontakten mit stärkerer Verformung und deren Auswirkungen bei der Rückstellung. Schon bei leichten Topspins setzt eine Rückstellung ein, die den Ball zusätzlich beschleunigt (eher tangential, weniger frontal, da die seitliche Auslenkung weitaus größer sein kann, als die frontale (ca. 3mm bei max.Belägen). Das gilt natürlich auch bei harten, elastischen Schwämmen, aber durch die Härte ist die seitliche Auslenkung eher nicht so groß wie bei den hier besprochenen weichen, elast. Schwämmen).
Bei leichteren Ballkontakten habe ich hier den größten Wirkungsgrad was Tempo und v.a. Spin betrifft. Denn die Bewegung ist eher langsam, die Auslenkung groß, die Ballkontaktzeit groß und somit die Rückstellung mit großem Einfluss und zusätzlicher Beschleunigung beteiligt.
Der große Auslenkungsweg verursacht hier auch den großen Nachteil der klassischen "Softbeläge": Bei härteren Schlägen wird der Ball auch vom Holz stark beschleunigt ("schlägt aufs Holz durch"), wie von der Bewegung selbst auch, so dass die Rückstellung des OG + Schwamm nicht rechtzeitig erfolgt und keine zusätzliche tangentiale Beschleunigung des Balles mehr stattfinden kann, im ungünstigsten Fall sogar eine Impulsabschwächung stattfinden kann, wenn der Ball den Belag schon wieder verlässt, während das OG noch "gespannt" wird. Darauf lässt sich die sprichwörtliche "Spinarmut" der Softbeläge bei härteren Topspins zurückführen.
Wie man sich denken kann, dürfte das vor allem bei der Kombination sehr schneller Hölzer mit sehr weichen Belägen stattfinden.
(das nur mal als Antwort auf Hennings Anfrage)
Das ist dann auch der Grund, warum sich mit Softbelägen so wunderbar mühelos "Bogenlampen" spielen lassen. Man braucht nicht viel Schlaggeschwindigkeit, bekommt aber da schon einen starken tangentialen Katapult, dementsprechend viel Spin bei wenig Tempo, kombiniert mit einem hohen Ballabsprung (Eintauchtiefe, Katapultwirkung).


5) Welchen Einfluss hat der Schwammkatapult auf die Flugkurve?"
Ich habe es kombiniert beantwortet, weil es isoliert mir zu schwer ist. Ich denke, man kann die Faktoren kaum voneinander trennen, sie wirken ja auch beim TT immer zusammen.

So, und auch ohne es in jedem Absatz 4 mal zu erwähnen: Alles IMHO!
Basiert alles auf meinen Erfahrungen, hier und anderswo erfahrenem Wissen und meinem Verstand. Ich habe keine Studie im Rücken und keine Beweise.
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